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Schwester Edith erste Ehrenbürgerin der Stadt

Artikel vom 08.03.2010 - 18.37 Uhr

Schwester Edith erste Ehrenbürgerin der Stadt

Marburg (ddp). Für Schwester Edith ist das Gertrudisheim kein Arbeitsplatz: »Das ist mein Leben«, sagt die 73-Jährige in ihrer grauen Tracht mit dem weißen Schleier. 43 Jahre lang hat sie das Marburger Kinderheim geleitet, in dem sie bis heute wohnt.
»Ich bin Schwester, keine Nonne!« Schwester Edith Ludwig aus dem Getridisheim wird erste Ehrenbürgerin Marburgs.	(Foto: ddp)
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»Ich bin Schwester, keine Nonne!« Schwester Edith Ludwig aus dem Getridisheim wird erste Ehrenbürgerin Marburgs. (Foto: ddp)
Erst im Sommer vergangenen Jahres gab sie die Führung ab. Nach ihrer Überzeugung gibt es «keine schwer erziehbaren Kinder. Es gibt nur erziehungsunfähige Erwachsene.« Am 19. März erhält Schwester Edith Ludwig die höchste Ehrung der Stadt Marburg. Wegen ihres außergewöhnlichen sozialen und christlichen Engagements wird sie die erste weibliche Ehrenbürgerin der Universitätsstadt. »Sie verkörpert das Gute und das Menschliche in unserer Stadt.«

So sagt es Oberbürgermeister Egon Vaupel. Mit dem Gertrudisheim habe sie eine beispielhafte Einrichtung geformt, in der innovative Hilfskonzepte und neue Formen der sozialen Arbeit eingeführt und praktiziert wurden. Schwester Edith selbst ist die Aufmerksamkeit ein bisschen zu viel: »Ich nehme den Preis für die Frauen, für meine Gemeinschaft und das Gertrudisheim.«

Mit 17 Jahren trat Edith Ludwig in die katholische Lebens- und Glaubensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Fulda ein. Davon habe sie geträumt, seit sie fünf Jahre alt war, sagt die im Westerwald und in Kassel aufgewachsene Tochter eines Drehers. »Ich bin keine Nonne, sondern eine Schwester«, erklärt sie. In einem Kloster wollte sie nicht leben. Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam hat sie gleichwohl gelobt.

Edith Ludwig machte als Schwester nicht nur eine Ausbildung zur Kinderpflegerin und zur Erzieherin. Die Kongregation schickte sie nach Stationen in Kindergärten und Behindertenheimen in Hessen schon in den 1960er Jahren zum Studium der Sozialpädagogik nach Freiburg: »Meine Vorgesetzten haben mir einiges zugetraut«, sagt sie.

In der Tat: Sie war 29 Jahre alt, als sie die Leitung des Marburger Gertrudisheims übernahm - eine kirchliche Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung mit damals 72 Mädchen und Jungen. Seitdem hat sich das Heim kräftig gewandelt. Die Sechs-Bett-Zimmer sind familiären Wohngemeinschaften mit insgesamt 48 Heranwachsenden gewichen. Neben Kindern aus schwierigen familiären Verhältnissen werden in Hessen gestrandete unbegleitete Flüchtlinge aus Afrika aufgenommen. Dazu kommen minderjährige Mütter mit ihren Babys.



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Artikel vom 08.03.2010 - 18.37 Uhr
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