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Neues Kellertheater präsentierte »Die Retter der Tafelrunde«

Artikel vom 10.07.2012 - 22.18 Uhr

Neues Kellertheater präsentierte »Die Retter der Tafelrunde«

Wetzlar (kdw). Einen Jux wollten sie sich machen beim Neuen Kellertheater, also präsentierten sie jetzt im Rosengärtchen »Die Retter der Tafelrunde« von Frank Pinkus und Nick Walsh. In der witzigen Inszenierung von Eveline Lembke funktionierte alles bestens, und die Darsteller sprühten vor Spiellaune.

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Witzige Inszenierung und vor Spiellaune sprühende Darsteller im Rosengärtchen: (von links) Antonio Sasse, Anja Euler und Lars Lembke. (Foto: kdw)
Das eindeutige Bekenntnis zum Klamauk ließ die Zeit dann aber etwas lang werden.

Um die etwa zwei Stunden – man hört auch von dreistündigen Laufzeiten anderswo – des Langstücks kurzweilig zu gestalten, lässt Lembke Tempo machen und verzettelt sich doch bei allzu ausführlichem Spiel mit dem etwa 150 Menschen zählenden Publikum (ins Theater hätten nur 100 gedurft) und überflüssigem Theaterdonner und -blitz.

Viele Einsprengsel von Neudeutsch



Dabei gibt es einige Stärken der Produktion. Etwa die wunderbar aufgedrehten Narren Lars Lembke (Raimund) und Antonio Sasse (Albert), die mit flotten frechen Sprüchen, trefflicher Körpersprache und vor allem beseelter Mimik ihre Szenen glänzend gestalten. Ansonsten bietet die Regie eine Truppe angenehm merkwürdiger und kräftig skizzierter Figuren auf, mit denen ein würziges situationskomisches Geschehen gestaltet wird. Offiziell geht es um die Vorbereitung eines Kreuzzugs nach Jerusalem, und irgendwie fehlt noch ein »Ritter Heinrich«. Den spielt Anja Euler routiniert und ausdrucksvoll in einer Doppelrolle als Mann und Frau (Henrike), und Lembke hat mit ihr einige schöne heldenhafte Bilder erarbeitet. Auch das Ensemble, allesamt erfahrene Bühnenakteure, liefert seine Parts und Soloszenen lebhaft und pointengerecht ab, das sitzt. Aber zum einen saugt die Bühne im Rosengärtchen mit ihrem schieren Raum und dem lebhaften Hintergrund viel Energie ab, dazu kommen große Laufstrecken, bei denen allerdings das gelungene Bühnenbild auffällt.

Schwächen sind die vielen Einsprengsel von Neudeutsch, die nicht immer so witzig sind wie beabsichtigt und vor allem den Zuschauer aus dem zarten historischen Rahmen des Stücks rauswerfen. Völlig überflüssig sind die lauten Überlegungen von Henrikes Liebhaber, dass er doch noch nie Interesse an Männern verspürt habe, »aber diese Augen« es ihm dann doch angetan hätten – zumal das Stück daraus später nichts macht.

Tatsächlich alle Ritter landen in Walburgas Zelt (sehr lebhaft: Tina Kneissl), fliegen sämtlich in Ungnade heraus (»Versager!«), und ein Zuschauer wird auch lang und breit in dieses Geschehen einbezogen: völlig überflüssig. Denn so wird, bei aller Routine, die Kernsubstanz dieser heiteren Belanglosigkeit über die Distanz geschwächt. Da helfen auch die zum Teil sehr guten Leistungen von Stefan Holler (nuanciert als Charles de Croûton), Daniel Betz als graziös formvollendeter Dichter Friedrich und der unerschütterliche Harald Rasche als »sehr, sehr blonder Siegfried« sowie der versiert aufspielende Bernhard Riedel (Tankred) nicht. Lauter schöne Einzelleistungen bei bester Sprachverständlichkeit, eine große Stimmung im Ensemble und wirklich viele witzige Momente, die aber leider nicht zusammenfließen.

Und zum Schluss rockt die Truppe plötzlich zur Hardrockband AC/DC. Kruzifix! Das Publikum konzentrierte sich auf die heiteren Momente und war mit dem Gebotenen durchaus einverstanden.

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Artikel vom 10.07.2012 - 22.18 Uhr
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