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Mathias Richling gastierte in der Stadthalle Wetzlar

Artikel vom 09.05.2010 - 23.10 Uhr

Mathias Richling gastierte in der Stadthalle Wetzlar

Wetzlar (chl). »Liebe Demokraten und solche, die es nicht mehr sind, weil sie in der Regierung sitzen und dafür keine Zeit mehr haben«. Als Albert Einstein verkleidet, hat Kabarettist Mathias Richling am Freitagabend seine 450 Zuhörer in der Wetzlarer Stadthalle begrüßt.
Mathias Richling gastierte in der Stadthalle Wetzlar.	(Foto: chl)
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Mathias Richling gastierte in der Stadthalle Wetzlar. (Foto: chl)
Nach einem vorangegangenen 90-minütigen, rasanten Satireritt auf Kosten deutscher Politiker, deutete der zottelige »Physiker« die Funktion des deutschen Bundestages aus der Relativitätstheorie heraus. Zum Abschluss des Programms »E=m*RichlingÇ« kam er nämlich zum Schluss: »Der Bundestag wird zum Selbstzweck, also zum Schwarzen Loch«. Schließlich hatte der »Einstein« anschaulich vorgeführt, was passiert, wenn Politiker immer weiter Richtung Macht streben und dabei ihren »geschlossenen« Raum Bundestag als Bezugspunkt aus den Augen verlieren: »Je schneller und weiter sich die Regierung vom Wähler entfernt, umso träger wird sie; sie geht also gegen Null.« Die Pointen treffen zielsicher ein, das Publikum lacht köstlich amüsiert und zustimmend. Obwohl viele Sketche und Parodien des mittlerweile über drei Jahre alten Programms und aus den TV-Kabarettsendungen »Scheibenwischer« bzw. »Satiregipfel« bekannt sind, haben viele Gags eine Frischzellenkur erfahren oder wurden durch neue, aktuelle Parodien ergänzt.

Das ganze Geschehen spielt sich auf einer »Baustelle Deutschland« ab: da drei Holzbauzäune in den Farben Schwarz-Rot-Gelb, davor eine Schubkarre, im Hintergrund ein Baugerüst. Dazwischen wuselt Richling, selbst in den Deutschlandfarben gekleidet, hin und her. Der kabarettistische Schnellsprecher formuliert blitzschnell seine Gedanken, so dass den Zuhörern die eigenen Gehör- und Gedankengänge fast ins Trudeln geraten.

Aber in den insgesamt pausenlosen rund 100 Minuten mussten ja auch die zahlreichen parodierten »Opfer« untergebracht sein. Beispiel: Ramsauer. Der soll alle isländischen Vulkane verpflichtet haben, zukünftig ihre Ausbrüche vorher den deutschen Behörden zu melden. Aber auch andere Politker kriegen ihren Senf ab, während sie Richling köstlich originalgetreu nachäfft: Oettinger (»entsorgt nach Brüssel«), Dieter Althaus (»Magna wollte Opel kaufen, jetzt haben sie Althaus gekriegt«), Steinmeier (»ist ein guter Beamter«/«Er hat sich nach oben geschlafen; nach oben geschafft hat er es jedenfalls nicht, so die Vermutung)«, Westerwelle (»ich könnte es auf Englisch sagen, aber ich möchte es selbst auch verstehen«), Pofalla (»für ihn ist ein Platz frei geworden - im Schlaflabor«), Lafontaine (»erster Untoter der deutschen Politik«) und so weiter.

Bundeskanzlerin Merkel nimmt auf der Couch Siegmund Freuds Platz. Ihr Anliegen: »Ich bin eine staatstragende Persönlichkeit im offenen Vollzug ... ich merkele, dass die Leute über mich lachen, sobald ich mich umdrehe.« Freud diagnostiziert: »Sie fühlen sich beobachtet, wie sie mit der Macht kopulieren. Macht ist für sie ein Höhepunkt, aber kein Orgasmus.« Schließlich sinniert Richling als greiser, dahinsiechender über Sterbehilfe und kommt nach all den Problemen des Lebens zum Schluss: »Da lieg ich doch gern im Koma.« Ohne Zugabe darf Richling nicht gehen: Kohl und Köhler werden unter großem Gelächter vorgeführt.

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Artikel vom 09.05.2010 - 23.10 Uhr
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