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Marburger Kamerapreis für Jost Vacano

Artikel vom 14.03.2010 - 20.51 Uhr

Marburger Kamerapreis für Jost Vacano

Marburg (kdw). Glanzvoll und formal angemessen verlief am Samstag die Verleihung des zehnten Marburger Kamerapreises an Jost Vacano. 400 Zuschauer sahen in der prunkvollen Aula der Alten Universität eine hochinteressante und lebendige Veranstaltung, in der Regisseur und Laudator Peter Schamoni seinen alten Freund fachkundig würdigte, der mit »Das Boot« zu Weltruhm gelangte.
Jost Vacano ist mit dem Marburger Kamerapreis ausgezeichnet worden.	(Foto: kdw)
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Jost Vacano ist mit dem Marburger Kamerapreis ausgezeichnet worden. (Foto: kdw)
Klaus Doldinger am Saxofon und Kristian Schultze am Flügel lieferten zudem einen prägnanten musikalischen Rahmen.

Den begann Doldinger natürlich mit dem von ihm komponierten legendären Thema des »Boots«, den Abschluss machten die beiden (Schultze schreib die Musik für »Zur Sache, Schätzchen«) fetziger und jazzig.

Nicht nur Hessen, sondern ein wesentlicher Teil der deutschen Filmindustrie blickte auf die Veranstaltung, die im Rahmen der Marburger Kameragespräche (die fanden zum zwölften Mal statt) und zugleich einer informativen Werkschau in den Marburger Kinos ablief. Hauptsponsoren sind der weltberühmte Münchner Kamerahersteller Arri und die Marburger Sparkasse, die das Preisgeld von 5000 Euro beisteuern; Universität und Stadt teilen sich in die Organisation.

Die Schau lief ab wie ein Uhrwerk. Aufgefrischt durch die Musikparts zu Beginn und Ende und durch klug gemachte Filmeinspielungen (»Das Boot«, »Robocop«, ein sehenswertes Interview mit Produzent Günther Rohrbach) optisch höchst attraktiv gestaltet, blieb die mögliche Belastung durch die Reden gering - alle hielten sich ans Zehn-Minuten-Limit. Und bewiesen Humor, wie Universitätspräsidentin Prof. Katharina Krause, die Vacano schmunzelnd als Studienabbrecher (eines angefangenen Studiums der Elektrotechnik in München) bezeichnete. Dann würdigte sie jedoch seine erheblichen Verdienste um die Verbesserung und Entwicklung der Kameratechnik; Vacano stabilisierte etwa seine Kamera im »Boot« bereits selbst, lange bevor die »Steadycam« erfunden wurde. Sachkundig lobte Oberbürgermesiter Egon Vaupel neben Vacanos Verdiensten seinen Streit für die Urheberrechte: »Sie sind der passende Preisträger fürs Jubiläum.

Anfangs etwas grantig (»Günther Rohrbach hat ja schon alles gesagt«) war der renommierte Produzent und Regisseur Peter Schamoni. Er fand in seinem Manuskript dann aber noch reichlich Wissenswertes. »Ich bin von der dynamischen Wucht deiner Filme überwältigt«, sagte er und nannte Vacanos Arbeit für Peter Beauvais‘ »Deutschstunde« einen „Höhepunkt der deutschen Fernsehgeschichte«. Das Publikum anzurühren sei das Wichtigste, fügte er hinzu und hieß Vacanos Weg nach Hollywood ausdrücklich gut - das sei ein wichtiger Schritt gewesen. Ergebnisse waren unter anderem die Arbeit für »Robocop«, »Total Recall« und »Starship Troopers«.

Vacano selbst, wie Schamoni Jahrgang 1934, nutzte schließlich die Gelegenheit, um nach Dank für Preis und Ehrung auf Ungerechtigkeiten im Urheberrecht aufmerksam zu machen. »So schön der Preis ist«, sagte er - der Regisseur Wolfgang Petersen habe zwar für die inzwischen 70-fache TV-Ausstrahlung des »Bootes« die »30-fache Ursprungsgage erhalten, ich als stolzer Miturheber jedoch nichts.« Er klage seit anderthalb Jahren dagegen, »und das wird noch dauern.« Zudem gebe es unter jungen deutschen Regisseuren einen Gesinnungswandel: »Die beschließen: wir sind jetzt Alleinurheber. Eine komische Argumentation«, sagte Vacano, der jedoch nicht verbittert schien. Ein Abend, der interessante Inhalte und einen glanzvollen Rahmen nutzte, um die erhebliche Bedeutung des Marburger Kamerapreises zu vermitteln und ihr Ausdruck zu verleihen.



8Die sehenswerte Ausstellung in der Zentralbibliothek zeigt bis zum 15. Mai Vacanos Arbeit für »Das Boot« 1981; Öffnungszeiten täglich von 8 bis 24 Uhr.

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Artikel vom 14.03.2010 - 20.51 Uhr
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