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Lebenshilfe: »Alle brauchen alle«

Artikel vom 23.02.2010 - 09.00 Uhr

Lebenshilfe: »Alle brauchen alle«

Ebsdorfergrund (sha). »Bisher richtet sich bürgerschaftliches Engagement häufig an Menschen mit Behinderung, aber das kann auch umgekehrt funktionieren«: Das versicherte Dr. Angelika Magiros, Leiterin des Projekts »Lebenshilfe aktiv«, am Montag anlässlich einer Fachtagung der Bundesvereinigung Lebenshilfe im Schloss Rauischholzhausen.
Pfiffige Wechselbild-Postkarten lassen eine andere Perspektive auf Menschen mit Behinderung entstehen.	(Fotos: pm)
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Pfiffige Wechselbild-Postkarten lassen eine andere Perspektive auf Menschen mit Behinderung entstehen. (Fotos: pm)
Auch noch am Dienstag beraten Referenten mit und ohne geistige Behinderung gemeinsam mit Akteuren aus Freiwilligenagenturen, Politik und Wissenschaft, wie bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Behinderung gefördert werden kann. Unterstützt wird das Projekt von der Gesellschafterinitiative der Aktion Mensch.

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet die Initiative »Lebenshilfe aktiv« daran, »den Bürgern eine Seite bürgerschaftlichen Engagements bewusst zu machen«, die gegenwärtig noch viel zu selten wahrgenommen werde, so Magiros. Obwohl bereits zahlreiche Projekte existierten, die geistig behinderten Menschen die Möglichkeit böten, sich selbst für andere zu engagieren, etwa bei Freiwilligen Feuerwehren, örtlichen Tafeln oder in Stadtteilcafés, müssten die Bürger häufig erst auf diese »andere Perspektive« aufmerksam gemacht werden.

»Es ist ein großes Anliegen der Lebenshilfe, dieses Projekt nach vorne zu bringen, weiter auszugestalten und zu vervielfältigen«, bekräftigte Tina Winter, Mitglied des Bundesvorstands der Lebenshilfe. Menschen mit geistiger Behinderung sollten alle Möglichkeiten des gesellschaftlichen Lebens offenstehen, die auch nicht behinderte Menschen nutzen könnten; dies gelte auch für die »Chance, sich sozial zu engagieren«, so Winter. Durch ein bürgerschaftliches Engagement könnten behinderte Menschen »viel lernen, ihre Kompetenzen erweitern und außerdem ihr Selbstbewusstsein stärken«, betonte Projektleiterin Magiros. Ziel von »Lebenshilfe aktiv« sei es, dass die Arbeit und das soziale Engagement geistig behinderter Menschen, »Eingang in die ganz normalen Strukturen der Vereine und Freiwilligenagenturen findet«, so Magiros. Um diesen Perspektivwechsel »ganz wortwörtlich und handfest« erfahrbar zu machen, haben die Bundesvereinigung Lebenshilfe und die Gesellschafterinitiative der Aktion Mensch in einer gemeinsamen Werbestrategie Wechselbildkarten entwickelt, die das Motto des Projekts illustrieren: »Sehen Sie Engagement mal von der anderen Seite«. Diese Karten sollen nun an Vereine und Freiwilligenagenturen in ganz Deutschland versandt werden, um das soziale Engagement behinderter Menschen zu fördern.

In unterschiedlichen Workshops informiert die Tagung auf Schloss Rauischholzhausen über die Erfahrungen mit bereits laufenden Einzelprojekten und stellt unter anderem die Arbeit des »Café Flandern« der Lebenshilfe Esslingen und die Ehrenamtsprojekte des Lebenshilfecenters Netphen in der Nähe von Siegen vor.

Maren Müller-Erichsen, Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe Gießen, zeigte sich optimistisch: »Gemeinsam mit den Mitarbeitern der örtlichen Lebenshilfe werden wir viele unterschiedliche Ideen sammeln, wie diese Menschen sich vor Ort sozial engagieren können.«

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