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Lange mit »angezogener Handbremse« musiziert

Artikel vom 13.03.2009 - 21.00 Uhr

Lange mit »angezogener Handbremse« musiziert

Wetzlar. - Zuletzt hatten Ian Anderson und Co. (mit Orchester) die Zuschauer beim Butzbacher Hessentag vor zwei Jahren völlig zu Recht mitgerissen. Das war bei strahlendem Sonnenschein im Innenhof des Schlosses gewesen - das aktuelle »Jethro Tull«-Konzert fand am Donnerstag in der Rittal-Arena vor rund 2000 Zuschauern statt.
»Jethro Tull« traten am Donnerstagabend in der Rittal-Arena vor rund 2000 Fans auf.	(Foto: axc)
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»Jethro Tull« traten am Donnerstagabend in der Rittal-Arena vor rund 2000 Fans auf. (Foto: axc)
Wetzlar. - Zuletzt hatten Ian Anderson und Co. (mit Orchester) die Zuschauer beim Butzbacher Hessentag vor zwei Jahren völlig zu Recht mitgerissen. Das war bei strahlendem Sonnenschein im Innenhof des Schlosses gewesen - das aktuelle »Jethro Tull«-Konzert fand am Donnerstag in der nicht ganz so anheimelnden Rittal-Arena statt und draußen herrschte Schmuddelwetter. Beim Hessentag war es proppenvoll, in der »Arena« blieben - bei etwa 2000 Fans - etliche Plätze leer. »Jethro Tull«, allen voran Sänger, Flötist und Chefkomponist Ian Anderson, machen immer noch hervorragende komplexe und dabei eingängige Musik, doch in Wetzlar wollte der Funke diesmal lange nicht überspringen.

Ob es an den Begleitumständen lag, sei mal dahingestellt - der eine oder andere »Tull«-Fan hätte sicherlich lieber stehend abgerockt, statt brav und gesittet in ordentlich auf Abstand von der Bühne gestellten Stühlen mit den Füßen zu wippen, aber dies war der erklärte Wille Ian Andersons.

Jedenfalls hatte man eine gute Dreiviertelstunde lang das Gefühl, die Band spiele wie mit angezogener Handbremse. Erst bei dem genüsslich in die Länge gezogenen »Heavy Horses« schien sich der Knoten zu lockern, bei dem Uraltklassiker »Bourrée« (nach Johann Sebastian Bach) platzte er endlich, und sogar Gitarrist Martin Barre, der anfangs fast gelangweilt wirkte, zeigte ein erstes Lächeln.

Dabei hatte das Konzert mit dem Hit »Cross-Eyed Mary« und zwei Griffen in die Uraltkiste (zwei Stücke vom 1969er-Debütalbum »This Was«) viel versprechend begonnen. Mit »Farm On The Freeway«, »Fire at Midnight« und »Rocks On The Road« gab es weitere selten gespielte Repertoireperlen zu hören, aber die Post wollte nicht abgehen.

Barre faszinierte wie eh und je mit sauberem hart rockenden Gitarrenspiel, kombiniert mit Folkpicking, jazzigen Anklängen und viel Blues. Keyboarder John O'Hara setzte mit seinem Akkordeon gelegentlich ländliche Akzente, fügte aber andererseits dem von Henry VIII. stammenden Lied »Past Time In Good Company« ärgerliche Digital-Cembaloklänge hinzu. Anderson, immer noch ein Meister des virtuosen und mit theatralisch-grotesker Mimik und Gestik unterstützten Flötenspiels, schafft zwar als Sänger die ganz hohen Tonlagen nicht mehr ganz, ist aber immer noch ein routinierter und angenehm tönender Vokalist, der darüber hinaus mit erheblichem Moderatorencharme gesegnet ist.



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Artikel vom 13.03.2009 - 21.00 Uhr
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