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Kultureller Netzwerker legt einen Taktstock nieder

Artikel vom 31.01.2010 - 09.00 Uhr

Kultureller Netzwerker legt einen Taktstock nieder

Wetzlar (chl). Wer sich in Wetzlar einen Liebhaber und einen Konzertbesucher klassischer Musik nennt, dem ist ein Name gewiss bekannt: Martin Knell. In der Domstadt ist der Musikalienhändler und Dirigent vor allem als Leiter des Wetzlarer Kammerorchesters ein Begriff.
Martin Knell bereitet sich mit den Orchesterpartituren auf sein Abschiedskonzert vor. (Foto: chl)
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Martin Knell bereitet sich mit den Orchesterpartituren auf sein Abschiedskonzert vor. (Foto: chl)
Neben seinen Aktivitäten im heimischen Raum leitet er seit nunmehr 30 Jahren auch das Sinfonieorchester der Technischen Universität Darmstadt. Anfang Februar steht Knell zum letzten Mal am Dirigentenpult des Universitätsorchesters. Neben einem Abschlusskonzert in Darmstadt (6. Februar) wird dieses Konzert auch in Wetzlar gegeben und zwar zuvor am Freitag, 5. Februar, um 20 Uhr in der katholischen Kirche St. Walburgis in Niedergirmes.

Bei dem gebotenen deutsch-russischen Programm musizieren die Darmstädter Musiker gemeinsam mit dem Orchester des Konservatoriums in Saratow an der Wolga/Russland. Denn zur Tradition des TU-Orchesters und zu Knells persönlichen musikalischen Interessen gehören der kulturelle Austausch und Projekte mit Partnern aus dem Ausland. Auf dem Programm des Konzertes stehen Sergej Prokofjews Konzert Nr. 1 Des-Dur op. 10 für Klavier und Orchester (1911), bei dem der verdiente Pianist und Direktor des Saratower Konservatoriums, Lew Shugom, den Solistenpart übernimmt. Es folgen Alexander Borodins einziges Programmmusikstück »Eine Steppenskizze aus Mittelasien« (1880) sowie zum Abschluss die Fünfte Sinfonie (1808) von Ludwig van Beethoven, Knells Lieblingskomponisten. Den Auftakt bildet aber Igor Strawinskys »Pulcinella Suite« (1920), als überarbeitete Orchesterfassung (1949) des gleichnamigen Balletts. Verschärfte Harmonik, raffinierte Klangfarben, überzeichnete Instrumentation, aber auch folkloristische Elemente zeichnen dieses neoklassizistische Werk aus der beginnenden Moderne des 20. Jahrhunderts aus.

Dieses Werk war auch eines derjenigen, mit dem Knell seinen Konzert-Einstand 1979 mit dem Orchester der damals noch genannten Technischen Hochschule Darmstadt. »Ich habe nie alte Kühe geschlachtet«, erklärt der Wetzlarer sein bis heute andauerndes Prinzip der Programmgestaltung, die er stets thematisch aufbaut. Als vor 30 Jahren der Orchestergründer und damalige Dirigent Prof. Karl Maguerre schwer erkrankte, übernahm Knell zunächst vertretungsweise die musikalische Leitung. Während sein Vorgänger vor allem auf die großen klassischen Komponisten wie Beethoven, Mozart und Haydn setzte, brach Knell diese Tradition und machte die Darmstädter Musiker auch mit der Musik des 20. Jahrhunderts vertraut. Nach dem Tod Maguerres erhielt der in Darmstadt aufgewachsene Wetzlarer 1982 dann offiziell den Lehrauftrag zur Leitung des Universitätsorchesters.

Nach seinem Studium der Musik und Theologie in Heidelberg, Berlin und Gießen kam Knell in den Wetzlarer Raum und war zunächst als Schul-Musiklehrer (u. a. in Braunfels) und in der Lehrerausbildung an der Justus-Liebig-Universität tätig, bis er sich schließlich 1987 mit seinem Geschäft »Klassik Knell« (Tonträger und Noten) in der Wetzlarer Altstadt selbständig machte.

Bereits im Jahre 1973 gründete er das Wetzlarer Kammerorchester sowie 1984 die »Altenberger Bach Cappella«, welche er beide nach wie vor und auch zukünftig ehrenamtlich leitet. Gleichzeitig pendelte er bis heute jeden Dienstag nach Darmstadt - zur Orchesterprobe. Doch diese bezahlte Stelle hängt er jetzt an den Nagel, legt also einen seiner Taktstöcke nieder. »Die heutige Verkehrssituation und die allwöchentliche 100-Kilometer-Fahrt sind nicht mehr angenehm«, nennt er als einen Grund.



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Artikel vom 31.01.2010 - 09.00 Uhr
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