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Immer mehr Menschen nehmen bei Verschuldung Hilfe an

Artikel vom 12.02.2010 - 21.00 Uhr

Immer mehr Menschen nehmen bei Verschuldung Hilfe an

Wetzlar (pm). Auf der Suche nach Hilfe haben sich im vergangenen Jahr 1211 Einwohner an die Schuldnerberatung des Lahn-Dill-Kreises gewandt - 83 Personen mehr als 2008.
Auch die Zahl der Insolvenzen stieg um elf auf 248 Fälle an. Dafür sank die Zahl Eidesstattlicher Versicherungen auf 2304 Fälle, 610 weniger als im Vorjahr. Den starken Rückgang der Eidesstattlichen Versicherungen im Kreis führt Hartmut May, Leiter der Schuldnerberatung, auf die seit Jahren hohe Zahl von Verbraucherinsolvenzverfahren im Lahn-Dill-Kreis zurück. »Sobald sich Überschuldete in einem solchen Verfahren befinden, werden sie zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung nicht mehr herangezogen«, erklärt May.

Von den 399 bei Gericht beantragten Verbraucherinsolvenzverfahren wurden 248 durch die Schuldnerberatung des Kreises begleitet. In weiteren 414 Fällen erreichten die Berater außergerichtliche Einigungen mit den Gläubigern.

Obwohl Vergleichszahlen aus anderen Landkreisen noch nicht vorliegen, vermutet Hartmut May, dass der Lahn-Dill-Kreis bei der Zahl der eingeleiteten Privatinsolvenzverfahren an erster Stelle im Regierungsbezirk Gießen und auf einem der vorderen Plätze in Hessen liegt.

Günther Kaufmann-Ohl, Sozialdezernent des Kreises, rät zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Zahlen: »Die hohe Zahl der Insolvenzverfahren lässt keineswegs darauf schließen, dass die Bevölkerung zu den am meisten überschuldeten in Hessen gehört.« Ganz im Gegenteil: Die Zahlen wiesen vielmehr »auf die gute Arbeit der Schuldnerberatung sowie eine professionelle Bekämpfung der Überschuldung hin«.

»Niemand wird zur Verbraucherinsolvenz gedrängt«, erläuterte May gegenüber der heimischen Presse die Arbeit der Beratungsstelle. »Die Menschen, die zu uns kommen, entscheiden sich nach der Beratung selbst für oder gegen eine Insolvenz.«

14 Alleinerziehende und 311 Familien oder nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern wandten sich 2009 an die Schuldnerberatung. »Kinder sind immer noch ein Armutsrisiko“, konstatierte Kaufmann-Ohl. »Deshalb müssen wir die Hilfen und Infrastruktur für Eltern - auch und gerade Alleinerziehender - weiter verbessern.«

Meist führten Arbeitslosigkeit (20,2 Prozent), Einkommensarmut (17,5 %) sowie Trennung und Scheidung (14,1 %) zu Schulden bei den Beratenen. Auch fehlgeschlagene Selbständigkeiten (11,6 %) und gescheiterte Immobilienfinanzierungen (10,2 %), eher seltener fehlerhaftes Konsumverhalten (8,9 %), Krankheiten (6,2 %) oder Süchte (3,9 %).

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