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Heinz Becker bleibt Herr der Stammtische

Artikel vom 07.03.2010 - 19.38 Uhr

Heinz Becker bleibt Herr der Stammtische

Marburg/Wetzlar (chl). Kosmopolit? Von wegen! Auch wenn Provinz-Nesthocker Heinz Becker unter diesem Vorzeichen am Freitag in der Marburger und am Samstag in der Wetzlarer Stadthalle schwadronierte, frotzelte, stänkerte und sich lakonisch über allerlei Welt- und Alltagsthemen ausließ, wurde seinen Zuhörern schnell klar, dass er nicht weit über seinen biedermännischen Horizont hinauszublicken vermag.
»Kosmopolit« Dudenhöffer in Mittelhessen.	(chl)
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»Kosmopolit« Dudenhöffer in Mittelhessen. (chl)
Auf einer vier Quadratmeter großen kleingärtnerischen Heimat-Scholle lässt Kabarettist Gerd Dudenhöffer seine Comedy-Kunstfigur in gewohnter Stammtischmanier von einer Bösartigkeit zur nächsten schippern.

Man kann diesen Charakterzug ruhig so bezeichnen, wenn er auf teils köstlich amüsante, teils äußerst grenzwertig plumpe und derbe Art über Finanzkrise, Abtreibung, Kondome, Armut, farbige Ausländer und über seine eigene Ehefrau Hilde herzieht. Alles beäugte der besserwisserische Batschkappträger von seinem vertrauten Stück Wiese aus, getreu der überlieferten Familienweisheit, nicht über den Tellerrand zu gucken. Denn: "Dort zieht's!«

Das System Heinz Becker: Jede Menge Halbwissen und Vorurteile mit im Spiel

Deshalb blieb Heinz auf seinem Gartenklappstuhl sitzen, pochte behäbig mit dem Finger auf die Knie und erinnerte an den »Führer, äh, früher« - mit dem Wunsch, dass es einen geben müsste, der wieder für Ordnung sorge. Das Publikum schluckte! Nicht selten feixten aber die Zuhörer mit und schüttelten gleichzeitig entsetzt den Kopf. Als Heinz von einem Bekannten erzählte, der seinen Schäferhund »Bedolf« nannte, oder - der Wegwerfgesellschaft überdrüssig und aus Fehlern lernwillig - fragte, warum die deutsch-deutsche Mauer abgerissen wurde (»Die ist doch noch gut!«), dann waren das noch eher harmlose Schenkelklopfer. Auch solche wortspielerischen Erklärversuche der künstlichen Befruchtung als »in der Kette fehlt ein Glied« oder »keine Erzeugerabfüllung« pochen auf Durchlass unterhalb der Niveaugrenze.

Und wenn Becker mit einer großen Portion Frauenfeindlichkeit anrückt, bei einer ungewollten Schwangerschaft die Männer von der Verantwortung freispricht, den Vorgang der Abtreibung als lapidaren Akt demonstriert oder davon überzeugt ist, dass ein Kondom den Mann davor schütze, sich nicht bei einer Frau anzustecken, spielt er mit einer machohaften Unaufgeklärtheit und erzeugt zugleich Entsetzen im Saal. Bloß gut, dass die Figur nur das Spiegelbild einer gewissen Stammtischkultur darstellt.

So viel steht fest: Dudenhöffer gelingt auch im neuem Programm mit seinem Heinz wieder eine treffsichere Satire auf jene Generation, die immer noch nicht den Muff überkommener Weltbilder abgelegt hat, vom rasanten Fortschritt der Zeit überfordert ist und sich lieber auf das Von-Hören-Sagen und eine provinzielle Stille Post verlässt, als sich einmal genau zu informieren. Jede Menge Halbwissen und Vorurteile sind hier schnell mit im Spiel.



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Artikel vom 07.03.2010 - 19.38 Uhr
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