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Ganovenjagd mit Knutschkugel und Barockengel

Artikel vom 29.07.2008 - 20.00 Uhr

Ganovenjagd mit Knutschkugel und Barockengel

Marburg (dpa). Die Knutschkugel mag Eberhard Dersch am liebsten. In dem BMW Isetta mit dem ulkigen Spitznamen fuhren Polizisten in den 60er Jahren zu ihren Ermittlungen - auch in Hessen, wie der Polizeihauptkommissar sagt.
Andreas Dersch in einer BMW Isetta. In dem Gefährt mit dem ulkigen Spitznamen »Knutschkugel« vom Typ BMW Isetta fuhren Poliziste
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Andreas Dersch in einer BMW Isetta. In dem Gefährt mit dem ulkigen Spitznamen »Knutschkugel« vom Typ BMW Isetta fuhren Polizisten in den 60er Jahren zu ihren Ermittlungen. (Foto: dpa
Das Fahrzeug mit der Fronttür, bei deren Öffnen die Lenksäule zur Seite schwingt, bietet Platz für zwei Personen. »Die Isetta ist so schön handlich«, sagt Dersch. Höchstens 85 Kilometer pro Stunde schafft das Zwölf-PS-Mobil von 1961, das im 1. Deutschen Polizeioldtimer Museum in Marburg zu sehen ist - mit Blaulicht und der weißen Aufschrift »Landespolizei«. Rund 70 historische Vehikel gehören zu der Sammlung, die laut Dersch die bundesweit größte und in Hessen einzigartig ist.

Die meisten der Fahrzeuge sind früher tatsächlich viele Jahre lang im Polizeieinsatz gewesen, manche aber haben keine wahre Polizei- Vergangenheit, wie die Isetta. »Das sind zwar echte Oldtimer, aber wir haben sie originalgetreu als Polizeiwagen hergerichtet, weil es sie mit der Ausstattung, in der sie einst im Polizeidienst waren, gar nicht mehr gibt«, sagt Dersch.

Der 49-Jährige ist Schatzmeister im Polizei-Motorsport-Club Marburg (PMC). Auf Initiative des Vereins wurde 2003 in ehemaligen Bundeswehrhallen im Stadtteil Cyriaxweimar das Museum eröffnet, das sich dem Erhalt historischer Polizeifahrzeuge widmet. »Hier wird Automobilgeschichte erfahrbar«, sagt Dersch.

Zu den mobilen Zeugnissen, die hinter schweren Stahltüren in den zwei Ausstellungshallen aufbewahrt werden, gehören auch Motorräder, gepanzerte Sonderwagen, ein Gefangenenbus und ein Wasserwerfer von 1974, der bis 1996 von der Polizei eingesetzt wurde. Das älteste Exponat ist eine fahrbare Fernmeldeleitstelle von 1952/53, wie der zweite Vereinsvorsitzende und Polizeioberkommissar Jürgen Diehl sagt. Der mit Tonband-, Kassetten- und Rundfunkgeräten, Lautsprecher, Funk und Fernschreiber ausgerüstete Bus habe früher zum Fuhrpark der hessischen Polizei gehört. »Weltweit gibt es nur dieses Exemplar, der Bus ist ein Unikat«, sagt Diehl. Zu sehen ist auch ein Streifenwagen der DDR-Volkspolizei. »Diese Wartburg-Limousine war auf DDR-Straßen bis zur Wiedervereinigung Deutschlands unterwegs«, sagt Dersch.

Der 1990 von acht Marburger Polizisten gegründete Verein hat laut Diehl inzwischen etwa 115 Mitglieder, die meisten von ihnen sind Polizeibeamte. »Die Ursprungsidee war, das Verhältnis zwischen Polizei und Bürgern zu verbessern mit einer akrobatischen Kradstaffel«, sagt Diehl. Als den Vereinsmitgliedern ein Jahr nach der Gründung ein Opel Rekord Olympia von 1958 in die Hände fiel, entschlossen sie sich, das Auto als historischen Streifenwagen herzurichten. Der erste Schritt zum Museum war getan; auch die Kradstaffel gibt es noch. Mehrere 10 000 Menschen, so schätzt Dersch, haben das Museum bislang besucht, selbst wenn es nur einmal im Monat zwischen April und Oktober geöffnet ist.



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