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Feidman-Konzert voll emotionaler Energie

Artikel vom 01.02.2010 - 19.52 Uhr

Feidman-Konzert voll emotionaler Energie

Wetzlar (kdw). Ein besonderes Ereignis war am Samstag der Auftritt des international berühmten Klarinettisten Giora Feidman mit dem Michel-Gershwin-Streichquartett im Dom.
Giora Feidman und das Michel-Gershwin-Streichquartett im Wetzlarer Dom. 	(Foto: kdw)
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Giora Feidman und das Michel-Gershwin-Streichquartett im Wetzlarer Dom. (Foto: kdw)
Die Musiker lieferten eine rundum ebenbürtige Leistung ab, so dass die 500 Zuhörer einem Musikereignis beiwohnten, das in jeder Hinsicht perfekt genannt werden muss. Vor allem setzte die emotionale Energie des Konzerts Maßstäbe, was nicht heißt, dass es intellektuell nichts zu genießen gab. Das Publikum war einhellig hingerissen.

Der alte Herr, 1936 in Buenos Aires in eine Musikerfamilie geboren und inzwischen auf praktisch allen Bühnen der Welt zu Hause, weiß ganz genau, wie man effektvoll auftritt. Das Rezept funktioniert immer noch: Zu Beginn wandert Feidman im Dunklen von hinten in den Saal hinein und spielt dabei ganz leise, zarte Klarinettentöne, erhebt sich klanglich vorsichtig über das Grundrauschen und lässt zugleich einiges im mächtigen Hall der Kirche verwehen. Sobald er die kleine Bühne am Altar erreicht hat, ist er im Saal angekommen.

Zunächst jedoch machen Michel Gershwin und Natalia Raithel (Violine) offenkundig, dass die begleitenden Musiker zur Spitzenklasse zählen. Das gilt ebenso für Juri Gilbo (Viola) und Kira Kraftzoff (Cello). Schon mit Gershwins Lullaby für Streichquintett legen sie eine federleichte, schwungvolle und großartig geschlossene Leistung vor. Das Ensemble steht - unabhängig vom amerikanischen Namensvetter - in der Tradition des klassischen Streichquartetts. Sie sind, der Abend wird es zeigen, stilistisch und inhaltlich jedoch in keiner Weise festgelegt und hegen auch für den Jazz, lateinamerikanische Rhythmen ebenso wie Klezmer eine große Zuneigung.

Der erste Teil ist etwas mehr dem Klezmer gewidmet, es gibt die »Shabbat Melody«, ein Traditional in der Version für Soloklarinette, und, in einer interessanten klassischen Auffassung, Avraham Idelsohns »Hava Naghila«, die Feidmans ungemein kantablen Ton zeigen.

Giora Feidman steht auf der Höhe seiner spielerischen und intonatorischen Fähigkeiten. Traumhaft sicher fliegt er mal übers Timing hinweg, lässt sich zurückfallen und hält dabei mit chirurgischer Präzision den Kurs. Vor allem unterwirft er seine überragenden technischen und expressiven Fähigkeiten größter Disziplin im Hinblick aufs Gesamtgeschehen, überbläst mal hier, setzt jazzige Akzente oder brilliert mit intensiven Soli. Mit fabelhaftem Schwung und immer wieder verblüffender meisterlichen Perfektion schließen Feidman und das Quartett die erste Hälfte mit einer atemlos schnellen, perfekt durchhörbaren Version von George Enescus „Romanian Rhapsody No. 1“ ab.



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