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Eine ungewöhnliche Idee nimmt rasante Fahrt auf

Artikel vom 03.04.2010 - 08.10 Uhr

Eine ungewöhnliche Idee nimmt rasante Fahrt auf

Staufenberg/Gießen. - Neuland betreten im wahrsten Sinne des Wortes haben knapp ein Dutzend Musikinteressierte, als sie sich kürzlich unter der Leitung von Markus Leukel (Treis) auf eine Reise der etwas anderen Art begaben. Unter ihnen: fünf Aktive des Gießener Percussion-Ensembles »Bloco Baiano«. Ihr Ziel: ein kleiner Inselstaat im Atlantik, rund 450 Kilometer westlich vor Senegals Küste gelegen - die Kapverden (Kap Verde, Cabo Verde).
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Trommeln als völkerübergreifende Sprache haben knapp ein Dutzend Musikinteressierte aus Deutschland auf den Kapverdischen Inseln erlebt, darunter fünf Aktive des Gießener Percussion-Ensembles »Bloco Baiano«.
© ik
Schlagzeuger und »Mastermind« Leukel, der im vergangenen Jahr zusammen mit befreundeten Musikern aus der Region (namentlich Peter Herrmann, Daniela Werner und Gerd Stein) mit den »Estrelas do Fogo« für die Überraschung im »Kultursommer Mittelhessen« sorgte, ist kurz vor der Verwirklichung einer großen Idee. Auf der Insel Fogo soll im 20 000-Seelen-Städtchen Sao Filipe eine Musikschule entstehen - mit Unterstützung aus dem Gießener Land. Denn auf dem Archipel, das noch vor wenigen Jahren zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte, ist die Musik ein wahrhafter Schatz - sie eröffnet den Einheimischen eine Erwerbsquelle. Und so hatte auch jene Reise eine besondere Mission.

Rückblende: Mit den »Estrelas« schwappte im Sommer 2009 kapverdisches Lebensgefühl bis nach Deutschland. Valdomiro Dias, »Chef-Trommler« der Insel Fogo, seine Coladeiras (Sängerinnen) Idalina, Maria und Joaquina und Sänger Michèl Montrond verzauberten das Publikum unter anderem in Lich, in Wetzlar und in Gießen. Und sie sorgten beim »Musikalischen Sommer« auf dem Schiffenberg für ein »volles Haus«. Mehr als 1400 Menschen feierten die exotischen Gäste geradezu frenetisch. Schon damals hatte Leukel für die Musikschule auf Fogo geworben, hatte um Sach- und Geldspenden gebeten. »Die Gießener« öffneten ihre Herzen und ihre Geldbeutel; knapp 2000 Euro kamen zusammen.

Das Schiffenberg-Geld ist inzwischen investiert - in neue Türen für ein portugiesisches »Herrenhaus« im Zentrum von Sao Filipe; das ist der Sitz der künftigen Musikschule. Dieses »Sobrado« haben Peter und Carmen Pfaumann für die nächsten zehn Jahre mietfrei zur Verfügung gestellt. Die deutsch-kapverdischen Eheleute sind von Leukels Idee ebenso angetan wie die Teilnehmer der Reisegruppe, die sich nun im März vom Projektfortschritt ein Bild machen konnten.

Auch die öffentlichen Stellen in Sao Filippe haben ein großes Interesse an dem Vorhaben und ihre Unterstützung zugesagt. Leitgedanke der Initiative ist es schließlich, möglichst jedem das Erlernen eines Musikinstrumentes zu ermöglichen - vor allem Kindern und Jugendlichen aus armen Familien, die kaum in der Lage sind, die Kosten für den Musikunterricht aufzubringen.

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Im Gegensatz zur Insel Sal, die fest im Programm der großen Reiseveranstalter verankert ist, ist der Tourismus auf der 476 Quadratkilometer großen Vulkaninsel Fogo noch ein zartes Pflänzchen. Umso bedeutender ist das Projekt Musikschule, das längst größere Dimensionen angenommen hat als ursprünglich geplant. Zahlreiche einheimische Musiker haben bereits ihr Interesse bekundet, als Lehrkräfte dabei zu sein. »Bom dia (guten Tag)!« schallt es Leukel unaufhörlich entgegen, wenn er heutzutage durch Sao Filippe geht. Wie der sprichwörtliche bunte Hund hastet der 43-Jährige von morgens bis abends über das heiße Kopfsteinpflaster der steilen Straßenzüge - jede Minute muss ausgenutzt werden. »Crossover« ist das Leitthema, übergreifend denken und handeln. So kam es auch zu jener Reise, die Leukel zusammen mit dem Dortmunder Spezialreiseveranstalter »One World - Reisen mit Sinnen« ausgearbeitet hatte. Diese Tour gilt als »Prototyp« für weitere Angebote dieser Art.



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Artikel vom 03.04.2010 - 08.10 Uhr
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