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Dritter Tag im Missbrauchsprozess

Artikel vom 02.02.2010 - 10.00 Uhr

Dritter Tag im Missbrauchsprozess

Gießen/Echzell (ti). Insgesamt 14 Mal soll ein 73-jähriger Mann aus Friedberg zwischen September 2007 und Mai 2008 zwei Kinder in seiner damaligen Wohnung in Echzell missbraucht haben. Am Montag ging sein Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichtes in die dritte Runde.
Gießen/Echzell (ti). Insgesamt 14 Mal soll ein 73-jähriger Mann aus Friedberg zwischen September 2007 und Mai 2008 zwei Kinder in seiner damaligen Wohnung in Echzell missbraucht haben. In einem Fall wirft ihm Staatsanwältin Dr. Catrin Finger Vergewaltigung mittels eines Vibrators vor. Am Montag ging sein Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichtes in die dritte Runde. Im Fokus: die Aussagen der Opfer.

Es gab Schokolade und Kekse, die Kinder durften in der Wohnung des 73-Jährigen spielen und malen. Gerne kamen sie zu Besuch - anfangs nur ab und an, später immer häufiger. Die Mutter von zwei heute zehn- und elfjährigen Mädchen schöpfte keinen Verdacht, schließlich hatte sich ihr der Senior vorgestellt und einen guten Eindruck hinterlassen. »Es gab keine Anzeichen, dass er nicht höflich wäre«, erinnerte sich die 37-jährige Hausfrau. Doch dann stellte sich heraus, dass ihre und zwei weitere Mädchen Opfer des Mannes geworden waren. Das jedenfalls sagt die Staatsanwaltschaft und klagte den Mann an.

Den beiden Schwestern zu folge habe der Angeklagte die Mädchen im Genitalbereich angefasst, sich aber auch von ihnen berühren lassen. »Wir haben Geld dafür gekriegt«, sagte die Elfjährige, die die ungewollten Streicheleinheiten »ekelhaft« fand. Wegen des Geldes habe ihre jüngere Schwester immer wieder dorthin gewollt. Sie sei mitgegangen, »weil ich sie nicht allein lassen wollte«, so die Ältere. Die Schülerin erinnerte sich an eine Übernachtung in der Wohnung des Rentnerehepaares, bei der sie habe nackt schlafen müssen - im Bett zwischen dem Angeklagten und seiner Frau. Angeblich, weil die Decke so dick und warm gewesen sei. Auf die Frage, ob er sie auch berührt habe, antwortete das Kind: »Ja, hat er. Der hat uns alle immer befummelt.«

Passiert sein sollen die Übergriffe im Wohnzimmer, im Schlafzimmer und im Bad. Die jüngere Schwester gab an, dass eine Freundin ihr von den Vorfällen erzählt, sie es aber nicht geglaubt habe. Kurz darauf sei es ihr selbst passiert, so die Zehnjährige. Die Ehefrau des 73-Jährigen, der bereits wegen Vergewaltigung einer seiner Töchter im Gefängnis gesessen hat, ließ das Ganze anscheinend geschehen, ohne groß zu intervenieren. »Als sie es einmal mitgekriegt hat, da hat sie sich in die Küche eingesperrt«, berichtete die Zehnjährige. Vorher soll die Frau aber noch »Lass es!« gerufen haben.

Die Kinder jedenfalls, die anfangs gerne und oft zu dem Angeklagten gingen, zog es plötzlich nicht mehr dort hin. Auf Nachfrage der Mutter hieß es jedoch, »da wäre nichts«, berichtete die 37-Jährige. Ihrer Meinung nach, habe auf den Missbrauch anfangs nichts hingedeutet. »Da war nie was Negatives.«

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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Artikel vom 02.02.2010 - 10.00 Uhr
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