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Charmant und amüsant - Max Raabe überzeugte

Artikel vom 12.11.2009 - 22.45 Uhr

Charmant und amüsant - Max Raabe überzeugte

Wetzlar (chl). Ganz charmant, galant und amüsant wehte ein Hauch der Goldenen Zwanziger durch die Rittal-Arena. Der Berliner Chansonier Max Raabe ließ am Mittwochabend zusammen mit dem Palast-Orchester musikalische Liebesbilder jener Zeit erklingen.
Frenetischen Applaus ernteten Max Raabe und das Palast-Orchester in der Rittal-Arena.  Foto: chl
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Frenetischen Applaus ernteten Max Raabe und das Palast-Orchester in der Rittal-Arena. Foto: chl
Wetzlar (chl). Ganz charmant, galant und amüsant wehte ein Hauch der Goldenen Zwanziger durch die Rittal-Arena. Der Berliner Chansonier Max Raabe ließ am Mittwochabend zusammen mit seinem Palast-Orchester musikalische Liebesbilder jener Zeit erklingen. Das Programm »Heute Nacht oder nie« hielt bekannte Schlager und Evergreens der 1920er und 1930er Jahre parat, die sich alle um angebetete Frauen, zwischenmenschliche Beziehungen oder - wie es der sinnlich vorgetragene Walzer von Fritz Kreisler nicht besser hätte ausdrücken können - auch um »Liebesleid« drehten. Entsprechend kann die adjektivische Beschreibung des Liederreigens fortgesetzt werden: elegant, pikant und süffisant.

Max Raabe kitzelte allein mit treffsicher Akzentuierung seiner näselnd-rollenden Stimme und dem Mimenspiel die humorvollen Pointen aus seinen gesanglichen Vorträgen und den Ansagen, die sich an die damaligen wort- und reimverspielten deutschen Schlager anlehnten, hervor. Das war es auch, was die rund 1500 Zuhörer neben dem spürbaren Gefallen an der musikalischen Darbietung zu herzlichem Amüsement animierte.

Gestisch blieb Raabe dagegen kühl. Beinahe regungslos agierte er am Mikrofon, um den Fokus vollends auf den Gesang und die Texte gerichtet zu lassen. Auch in den reinen Instrumentalparts verharrte er in der Dunkelheit am Flügel gelehnt, um dann wieder steifen Ganges zur Bühnenmitte zu schreiten. Wie eine lebende Silhouette der Zwanziger erschien der Protagonist, den das Publikum bejubelnd empfing und bereits erkannte, als er mit seinen Orchestermusikern zusammen das erste Mal die Bühne im noch ausgeschalteten Scheinwerferlicht betrat. Unverkennbar: die nach hinten gekämmten, mit Pomade getränkten Haare, die dadurch betont hervorstehende Ohren, die schmächtige, etwas hagere Figur - selbst im Dämmerschein.

Das Orchester swingte - mal fetzig wie eine Big-Band, mal schmeichelnd wie ein Tanzorchester - mit seinen Instrumenten und körperbetont, Raabe nur mit der Stimme. Das ist sein Markenzeichen - diese brave, adrette Charmeurhaftigkeit mit altehrwürdigen Manieren. Doch die gewitzte Raffinesse und augenzwinkernden Boshaftigkeiten steckten im Detail, in den einleitenden Kommentaren und in den Liedern. Wenn er »Meine süße kleine Freundin hat 'ne süße kleine Freundin und diese süße kleine Freundin hab' ich geküsst« besingt oder den Tango »Du bist nicht die Erste« schmachtet, ist klar, dass selbst in früherer Zeit die Damenwahl nicht immer den artigsten Benimmregeln folgte. Ganz ohne große Effekthascherei schafften es Solist und Orchester somit, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Zwar brauchten die Musiker, insbesondere die Trompeter, eine kurze Aufwärmphase, um in Fahrt zu kommen, und auch der Gesamtklang schien anfangs blechernd aus einem Karton zu tönen, doch schnell begab man sich erquickt mit auf die Zeitreise. Dazu servierten die Musiker auch immer mal wieder kleine Slapstick-Einlagen: Beim Paso Doble »Rosa, reizende Rosa« fallen dem Perkussionisten aufgeregt (oder erregt) die Röhrenglocken vom Stativ, oder bei Will Meisels wort- und sinnarmen Walzer »Dort tanzt Lu-Lu« greifen alle Musiker lieber zu Handglocken und läuten die Melodie.

Neben der Swing-Version von »Bei mir bist du schön«, einem lässigen Arrangement von »I’m singing in the rain« oder dem Schlager »Wenn die Elisabeth« flogen nicht nur Klänge durch den Saal, sondern zum Auftakt zu »Dream a little Dream« sogar ein ferngesteuerter kleiner Zeppelin.

Mit frenetischem Applaus holte das Publikum Max Raabe und sein Orchester zu mehreren Zugaben zurück auf die Bühne. Max Hansens selbstironisches Lied »War’n sie schon mal in mich verliebt?« und der »Kleine grüne Kaktus« plädierten zum Abschluss für eine ganz andere Blickrichtung in Sachen Liebe. Und schließlich mussten alle Orchestermusiker als Männerchor bei »Gib mir den letzten Abschiedskuss« herhalten.

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Artikel vom 12.11.2009 - 22.45 Uhr
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