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Boulevardkomödie »Außer Kontrolle« im Neuen Kellertheater

Artikel vom 15.03.2010 - 22.00 Uhr

Boulevardkomödie »Außer Kontrolle« im Neuen Kellertheater

Wetzlar (kdw). Wenn der Minister mit der Sekretärin heimlich im Hotel - das ist zumindest im Ansatz der dramaturgische Grundriss von Ray Cooneys erfolgreicher Boulevardkomödie namens »Außer Kontrolle«.
Die Akteure Daniel Schwalbowski, Harald Rasche und Stefan Holler	(Foto: kdw)
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Die Akteure Daniel Schwalbowski, Harald Rasche und Stefan Holler (Foto: kdw)
In der Inszenierung von Lars Lembke setzt das hoch motivierte Ensemble des Neuen Kellertheaters die Vorlage tatsächlich wie von der Leine gelassen um, das witzige Geschehen läuft jedoch zugleich mit größter Präzision ab. Die Zuschauer fanden die aktuelle Produktion zu Recht höchst erheiternd.

Dafür sorgte zum Einen die raketenhafte Beschleunigung der Handlung von Anfang an. Die ist zwar einerseits als routiniertes Bühnenvehikel zu erkennen, birgt jedoch so manche satirische Haupt- und Nebenbemerkung. Und vor allem ist sie erotisch aufgeladen, denn alles fängt mit der ehebrecherischen Beziehung des Ministers (souverän: Stefan Holler) mit einer oppositionellen Sekretärin (dynamisch wie stets: Kati Weiss) an, im Hotel natürlich.

Originellerweise hat der Autor hinter dem Vorhang eine Leiche ins Fenster platziert, und mit deren Entdeckung geht dann die Post ab. Dafür sorgt unter anderem Daniel Schwalbowski als George Pidgen, der Sekretär des Ministers. Er ist trefflich ungelenk, ängstlich und überfordert, und Lars Lembkes routinierte Inszenierung schafft jede Menge Bewegung. Das Bühnenbild weist drei Türen und ein Telefon auf, und alles wird so heftig benutzt, dass man im Parkett die Unruhe bald spüren kann. Der Kellner Cromwell (versiert und pointensicher: Peter Cranzler), die Hotelmanagerin (großartig verzickt und verspannt: Eveline Lembke), Nebenfiguren wie die köstliche Teresa Gehring (als Gladys, die Krankenschwester mit der Kasernenhofstimme) sowie der gehörnte Ehemann Ronnie (authentisch physisch und bedrohlich: Bernhard Riedel) sorgten im zweiten Akt für frische Figuren, während sich der Plot verdickt und in einem köstlichen Tanz mit der Leiche kulminiert.

Die Inszenierung lebte vom exzellenten Timing, mit dem die Vorgaben des ausgeschlafenen Buchs auch choreografisch stimmig umgesetzt wurden, sowie davon, dass die Darsteller die Dialoge knackig rüberbrachten.

Das Publikum ging voll mit, wozu auch Cooneys großartige Plotkonstruktion beitrug. Die Besucher waren am Ende hingerissen von so viel Action, sehr schön schrägen Figuren und vor allem einer rundum ausgewogenen komödiantischen Leistung.

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Artikel vom 15.03.2010 - 22.00 Uhr
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