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Bezirk Wetzlar ist Modellregion für Arbeitsmarktmonitor

Artikel vom 03.02.2010 - 20.00 Uhr

Bezirk Wetzlar ist Modellregion für Arbeitsmarktmonitor

Wetzlar (agl). »Der Arbeitsmarktmonitor ist eine der richtigen Entscheidungen, die uns Entscheidungshilfen liefern werden.« Landrat Wolfgang Schuster (SPD) war voll des Lobes für ein neues Instrument, das am Mittwoch bei der Wetzlarer Arbeitsagentur präsentiert wurde.
Im »Regionalen Arbeitsmarktmonitor« werden zahlreiche relevante Daten gesammelt, die mit dem Arbeitsmarkt zusammenhängen. Kennzahlen aus 88 Branchen sind enthalten: Neben Umsatzentwicklung, Auftragseingang, Auftragsreichweite, Exportabhängigkeit und dem Ifo-Geschäftsklima-Index fließen auch Sonderfaktoren wie Refinanzierungsbedarfe in die Bewertung ein, zudem Struktur prägende Faktoren der Region - etwa Bevölkerungsentwicklung, soziale Lage und der Bildungsgrad der Arbeitnehmer. Zur Analyse dienen auch der Anteil von Jugendlichen, älteren Menschen und Frauen an den Beschäftigten, außerdem Wanderungssalden junger Arbeitskräfte (inwiefern junge Menschen in der Region bleiben, hinzukommen oder wegziehen) sowie der Anteil der Haushalte, die Leistungen der Grundsicherung beziehen.

Alle Daten werden halbjährlich aktualisiert. Sie lassen sich beliebig miteinander kombinieren und graphisch darstellen. Dadurch ist ein sehr genauer Blick auf die Region möglich - in diesem Fall auf den von der Arbeitsagentur Wetzlar betreuten Bezirk. Außerdem können die Daten bundesweit verglichen werden. Auf Basis der Analyse der kurz-, mittel- und langfristigen Daten sollen Strategien entwickelt werden, um die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Lahn-Dill-Kreis zu verbessern. Der Bezirk Wetzlar ist neben Lüneburg und Offenburg eine der drei Modellregionen, in denen der Monitor erprobt wird. Bis zum Ende des Jahres solle er bundesweit zum Einsatz kommen, wie Angelika Berbuir, die Chefin der Wetzlarer Agentur, ankündigte. Die Daten werden sich laut Berbuir noch verfeinern, und auch die Verfügbarkeit werde sich noch entwickeln. »Das wird kein Status quo sein.« Zum Nutzen des Arbeitsmarktmonitors sagte Berbuir: »Das Denken ist krisenunabhängig«. Darauf wies auch Pressesprecher Ralf Fischer hin: Der Monitor solle über die Krise hinaus Bedeutung haben, wenn die Krise vorbei sei, brauche man in der Region nämlich Fachkräfte.

Wie Berbuir erläuterte, sind nicht die Daten an sich neu, sondern vielmehr die unmittelbare Vergleichbarkeit (auch mit anderen Regionen), sowie die Bündelung und die Schnelligkeit, mit der man auf die Datensammlung zurückgreifen könne - »mit einem Klick für eine Region verfügbar«. Später solle über die entsprechende Internetseite, die allerdings nicht öffentlich zugänglich ist (Lahn-Dill-Kreis, Industrie- und Handelskammer, Gewerkschaften etc. kann der Zugriff gewährt werden) auch ein Austausch stattfinden. »Dieses Instrument bringt Menschen und Wissen zusammen«, sagte die Vorsitzende der Agenturgeschäftsführung.

Eberhard Groh (Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit) begrüßte, dass Wetzlar als einer der drei Standorte für die Erprobung ausgewählt wurde. Er gehe davon aus, dass »mit diesem neuen Instrument neue Wege und Impulse für die Region und in der Region« geschaffen werden. In Politik und Wirtschaft sei der Arbeitsmarktmonitor positiv aufgenommen worden. Er bilde Beschäftigungsrisiken und -chancen ab, ebenso die strukturelle Verfassung sowie die mittel- und langfristigen Entwicklungen. Das Instrument biete viele Handlungsansätze und »klare Chancen auch für die Region hier«.

Arbeitskreis soll Strategien entwickeln

Während der Pressekonferenz am Mittwoch stellte Dr. Carola Burkert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung anhand von Beispielen den neuen Internetauftritt vor, der den Arbeitsmarktmonitor abbildet. So lassen sich unter anderem die Arbeitslosenquote, das Risiko des Beschäftigungsverlustes, die Bevölkerungsentwicklung, das Potenzial an Fachkräften (»Bleiben die 18- bis 24-Jährigen hier oder wandern diese ab?«), der Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahren oder die Beschäftigungsquote der Frauen ablesen.



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Artikel vom 03.02.2010 - 20.00 Uhr
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Leserkommentare
(23.10.2010 04:24)
chinacode
Im Fokus internationale Trends
Das Werkzeug des Arbeitsmarktmonitors wird nach guten Erfahrungen in der Modellregion Ortenau auf Baden-Württemberg und nun auch bundesweit ausgeweitet: das ist die gute Botschaft.
Was den Unternehmen spätestens seit gestern große Sorgen bereitet, ist der Versuch, jener stark wachsenden Staaten wie Indien, Singapur oder der Schweiz, hier bei uns auf internationalen Messen jene gut qualifizierten Ingenieure für deren innovative Projekte im Ausland zu gewinnen.
Somit ändert sich die Aussage des Arbeitsmarktmonitors dahingehend: lokale Unternehmen müssen sich im Internet aktiv um eventuell abwanderungswillige High-Potentials aus Drittländern bemühen.
Und hier geht zum Beispiel der französische Projektpartner in Straßburg, nahe bei Offenburg gelegen, innovative Wege. Wer sich auf den Erwerb der englischen Sprache konzentriert, erhöht so, bei entsprechender Mobilität, die Chance, der Arbeitslosigkeit adieu sagen zu können. Die gestellte Frage, ob Kandidaten, die bei uns mit viel Engagement und sehr guten Ergebnissen zügig studierten, zurückkommen werden, das ist fraglich.
Wichtige Kriterien wie Kindertagesstätten oder Urlaub für Väter, das sind wichtige Argumente. Für Ausländer ist der genehmigte Familiennachzug ein Äquivalent.
Eines ist sicher: die Wirkung des Analysemodells Arbeitsmarktmonitoring ist begrenzt; Firmen wie die Leipold Group haben die Zeichen der Zeit längst richtig erkannt. Die permanente Ausbildung, lebenslanges Lernen, auch im Ausland, und stets über den Bedarf des Unternehmens hinaus, das ist das gut investiertes Kapital von wachsenden, also zukunftsorientierten Unternehmen.
Eines ist sicher: die Zeit ist reif. Für wichtige Paradigmenwechsel bei den Unternehmenspolitiken sorgen, quick reagierend, all das garantiert auch in Zukunft ein gutes Leben in der Strasbourg-Ortenau Region und anderswo in Deutschland, wenn die sich quick verändernden Wanderungs-Daten schnell genug aktualisiert werden können.
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