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Begegnungen mit einer uralten Kultur

Artikel vom 15.06.2008 - 18.04 Uhr

Begegnungen mit einer uralten Kultur

Marburg (pm). Von diesem Montag an bis zum 27. Juni finden in der Religionskundlichen Sammlung der Philipps-Universität sowie im Marburger Rathaus die Tibetwochen statt, die mit einem abwechslungsreichen Programm Einblicke in tibetische Religion und Kultur liefern.
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»Wir möchten die tibetische Kultur in Marburg lebendig werden lasse«, sagt Edith Franke, Professorin für Religionswissenschaft an der Philipps-Universität. Es gibt verschiedene Gründe, gerade jetzt dieses Vorhaben umzusetzen, und die derzeitige Medienpräsenz Tibets ist nur ein kleiner Teilaspekt. Ein wichtiger Anlass für die heute beginnende Veranstaltungsreihe ist die Sonderausstellung »Tibet in Marburg« in der Religionskundlichen Sammlung, deren Leiterin Franke ist.

Es ist ein buntes und spannendes Programm, das sich das Fachgebiet Religionswissenschaft ausgedacht und mit Hilfe der großzügigen finanziellen Unterstützung der Stadt Marburg auf die Beine gestellt hat. Während die erste Woche den akademischen Aspekt betont und mit Vorträgen aus verschiedenen Fachrichtungen aufwartet, steht die zweite Woche ganz im Zeichen einer religiösen Zeremonie, nämlich der Herstellung eines Sandmandalas im Rathaussaal durch tibetische Lamas (buddhistische Mönche).

Dass die Öffentlichkeit ein Ritual aus dieser uralten tibetischen Kunst überhaupt beiwohnen darf, ist nicht selbstverständlich, wie Lama Könchok Samten berichtet. »Erst Ende der 1980er Jahre hat der Dalai Lama erklärt, wenn es zum Wohle Tibets geschieht, darf man auch öffentlich Mandalas streuen.« Der 26-Jährige ist seit Mitte 2002 Residenzlama des tibetisch-buddhistischen Zentrums in Heuchelheim. Nicht jeder, erklärt er, dürfe sich an der Herstellung eines Mandalas beteiligen. »Es ist eine hohe Kunst, für die man jahrelange Übung braucht.« Deshalb kommen die Lamas auch aus ganz Europa nach Marburg, wobei die meisten, wie Lama Samten selbst, aus dem indischen Ladakh stammen.

»Zu unserem Glück war einer der besten Mandala-Künstler gerade in Italien unterwegs«, wirft Sabine Tsering ein. Die 48-Jährige, Mitgründerin des Zentrums in Heuchelheim und seit 2000 als Ani Könchok Tsechö ordinierte buddhistische Nonne, ist maßgeblich daran beteiligt, dass die Universitätsstadt mit diesem kulturellen Highlight an die Öffentlichkeit treten kann. »Als wir von seiner Reise hörten, haben wir ihn angerufen und ihm sofort ein Ticket gebucht.« Mandalas gehören seit jeher zur Tradition des Buddhismus. Sie werden nicht nur mit Sand gestreut, sondern auch gemalt oder sogar als dreidimensionale Formen hergestellt. Die Vorgaben dafür stammen, so Lama Samten, noch von Buddha selbst und haben sich in über 2000 Jahren nicht verändert. Ihnen allen gleich ist, dass sie den Raum für die jeweilige Gottheit darstellen, der sie geweiht sind. Deshalb gehören zu ihrer Herstellung auch aufwändige Reinigungs- und Vorbereitungszeremonien, die dem verwendeten Material im Glauben der Buddhisten eine große Kraft verleihen. »In Tibet wird der Sand eines Mandalas als Heilmittel verwendet«, erzählt Samten. »Auch wenn der Regen ausbleibt oder die Ernte schlecht ausfällt, kann er helfen.« Das habe natürlich viel mit dem Glauben daran zu tun, setzt er lächelnd hinzu. In Marburg wird das Mandala des Avalokiteshvara, des Bodhisattva des Mitgefühls, gestreut. Ebenso prominent wie die Lamas sind die Referenten der ersten Woche. Bevor am Freitag ein Kochworkshop auch die sinnlich-kulinarische Seite Tibets erfahrbar macht, erwarten die Zuhörer spannende Vorträge zu Themen wie dem »Alltagsleben im heutigen Tibet« (166.), »Aggressivität und Erotik in der Meditation des tantrischen Buddhismus« (18.6.) oder »Tibetische Landschaften im Wandel« (19.6.). Die Referenten kommen dabei teilweise aus Marburg, reisen aber auch aus ganz Deutschland an. Den krönenden Abschluss bildet die Auflösung des Mandalas am Freitag, 27. Juni. Der Sand wird in einer Abschlusszeremonie symbolisch der Lahn übergeben, womit gesichert werden soll, dass Liebe und Mitgefühl, die wichtigsten Eigenschaft Avalokiteshvaras, allen Lebewesen zugute kommen. Infos: http://www.uni-marburg.de/ fb03/ivk/aktuelles/events/tibetwochen.

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Artikel vom 15.06.2008 - 18.04 Uhr
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