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Rentner entführen Finanzbeamten in den «Urlaub»

Artikel vom 08.02.2010 - 18.22 Uhr

Rentner entführen Finanzbeamten in den «Urlaub»

Traunstein (dpa) - Es war keine Entführung, sondern eine Einladung «für ein paar Tage Urlaub in Oberbayern». Seine ganz eigene Version von der Tat im Juni 2009 lieferte der Hauptangeklagte zu Prozessbeginn dem Landgericht Traunstein.
Entführungsopfer
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Entführungsopfer und Nebenkläger: Der gekidnappte sitzt im Gerichtssaal in Traunstein.
© dpa
Demnach wurde der Anlageberater nicht mit Gewalt von Speyer nach Chieming gebracht, sondern «als unser Gast zu uns nach Hause eingeladen». Seit Montag müssen sich zwei Rentner-Ehepaare aus Oberbayern und ein Komplize vor der 2. Strafkammer wegen Geiselnahme verantworten. Einer der beiden Ehemänner ist wegen einer Erkrankung derzeit allerdings nicht verhandlungsfähig.

Den Angeklagten im Alter zwischen 60 und 79 Jahren wird vorgeworfen, ihren Finanzberater entführt und im Keller tagelang als Geisel genommen zu haben. Der heute 57-Jährige sollte so zur Rückzahlung von zusammen rund 2,4 Millionen Euro verlorener Geldanlagen gezwungen werden. Nach drei Tagen wurde das Opfer von einem Sondereinsatzkommando der Polizei befreit.

Der Vorsitzende Richter hat große Mühe, den Redefluss des 74 Jahre alten Hauptangeklagten für Fragen zu stoppen. Unaufhörlich und bis ins kleinste Detail schildert der Ex-Bauunternehmer, wie sich in den ersten Jahren die in den USA angelegten Dollar vermehrten. Zwölf Prozent Zinsen brachte die Anlage. «Die Zinszahlungen erfolgten pünktlichst», berichtet der Angeklagte. Doch Ende 2007 dreht der Finanzberater den Geldhahn plötzlich zu. Die US-Immobilienkrise schlägt zu. Es beginnt ein Kleinkrieg um die Rückzahlung der angelegten Millionen.

Nach mehreren erfolglosen Treffen mit dem inzwischen in Speyer lebenden Anlageberater entschließt sich der um sein Erspartes gebrachte Rentner, das Geld in einem «Finalgespräch» einzutreiben. Zusammen mit dem 60 Jahre alten Komplizen fährt er in dem festen Vorsatz nach Rheinland-Pfalz, den Finanzberater notfalls im heimischen Chieming zur Zahlung zu zwingen. «Bitte zücken Sie Ihr Scheckbuch und zahlen Sie mich aus», will er zu dem Berater gesagt haben.

Als der zum Tatzeitpunkt 56 Jahre alte Mann noch immer nicht mit sich reden lässt, wird er nach der Schilderung des Hauptangeklagten in der Wohnung mit sanfter Gewalt in eine vorbereitete Kiste gesteckt und mit einer Sackkarre in den Kofferraum verfrachtet. «Ist er freiwillig eingestiegen in die Kiste?», fragt der Vorsitzende Richter sarkastisch, und der Angeklagte antwortet ernst, dass das Opfer sich überhaupt nicht gewehrt habe. «Er hat nur gegrinst.»



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Artikel vom 08.02.2010 - 18.22 Uhr
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