Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Aus aller Welt »

Kirche reagiert auf wachsenden Missbrauchsskandal

Artikel vom 07.02.2010 - 18.02 Uhr

Kirche reagiert auf wachsenden Missbrauchsskandal

Hamburg (dpa) - Die katholische Kirche reagiert mit Scham und Schuldbekenntnissen, aber auch Schweigen auf den Missbrauchsskandal an deutschen Jesuiten-Schulen. Am Sonntag kam das tabuisierte Thema auch in Predigten in einigen katholischen Gotteshäusern zur Sprache.
Katholiken gedenken Missbrauchsopfer
Lupe - Artikelbild vergrössern
Hochamt in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin: Viele Geistliche gedachten am Sonntag der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg.
© dpa
Jedoch bieten nur wenige Bistümer möglichen Opfern offensiv ihre Hilfe an. Das ergab eine dpa-Auswertung der Internetseiten von allen 27 Bistümern und Erzbistümern. Nur fünf von ihnen hatten am Samstag eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen auf ihrer Startseite im Web. Die Zahl der bekannten Opfer stieg derweil auf etwa 40. Die Laien-Bewegung «Wir sind Kirche» forderte erneut mehr Aufklärung.

«Es wäre wohl wirklichkeitsfremd anzunehmen, dass nach den jetzigen Enthüllungen schon alles offenbar geworden ist», sagte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, der Jesuit Hans Langendörfer, zu «Spiegel Online». «Aber wir wollen ausdrücklich die Aufklärung, damit wir helfen können. Die Enthüllungen zeigen ein dunkles Gesicht der Kirche, das mich erschreckt.» Bei ihrem Treffen vom 22. bis zum 25. Februar in Freiburg will die Bischofskonferenz das Thema erneut erörtern, so wie sie es schon öfter gemacht habe.

Die ganze Institution Kirche habe Schuld, weil sie für eine Mentalität nach dem Motto «Bitte nicht darüber reden» gesorgt habe, sagte Propst Martin Tenge im Sonntagsgottesdienst der Basilika St. Clemens in Hannover. In allen Kirchen des Bistums Hildesheim wurde am Sonntag ein Brief verlesen, in dem Bischof Norbert Trelle «mit Scham und Empörung» auf die Missbrauchsfälle reagierte und mögliche weitere Opfer aufrief, sich zu melden.

Von manchen Amtskollegen zeichnete Tenge ein erschütterndes Bild. «Teilweise kenne ich die Kombination des Priesters als Täter und Opfer. Wir sind in der Situation, in der wir uns sehr schämen müssen als Kirche.» Doch er sagte auch: «Missbrauch findet an so vielen Stellen statt und wird an so vielen Stellen nicht nach draußen gebracht.» Überall in der Gesellschaft müsse darauf mehr geachtet werden. Auch Bischof Trelle bat die Menschen in seinem Brief darum, vom Einzelfall nicht auf einen ganzen Berufsstand zu schließen.

In der St.-Hedwigs-Kathedrale - dem Bischofssitz des Erzbistums Berlin - sagte Dom-Kapitular Ulrich Bonin, es falle ihm schwer, «zu Beginn des Gottesdienstes nicht an die Opfer der Missbrauchsfälle zu denken». Es sei wichtig, auch an die zu erinnern, «die Schaden genommen haben». Es müsse Licht auf die Missbrauchsfälle fallen. «Aber es darf kein künstliches Licht sein, sondern ein Licht des Glaubens. Kein Blitzlichtgewitter des Medien-Hypes, sondern Gottes Licht.» Im Dom St. Blasius in St. Blasien im Schwarzwald wurde laut Predigttext allerdings nicht auf den aktuellen Skandal eingegangen.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen sagte: «Ich bin der Leitung der Jesuiten dankbar, dass sie jetzt so schnell und konsequent reagiert hat, damit Licht in dieses Dunkel kommt.»



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 07.02.2010 - 18.02 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang