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Alternativer Nobelpreisträger warnt vor Gentechnik

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Artikel vom 18.06.2008 - 22.00 Uhr

Alternativer Nobelpreisträger warnt vor Gentechnik

Reiskirchen (agl). »Warum will man gentechnisch veränderte Pflanzen in Europa einführen, wenn wir das in Kanada stoppen?«, fragte Percy Schmeiser, als er am Mittwochnachmittag auf dem Hof von Renz Hornischer in Ettingshausen von seinem Kampf gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft berichtete.
Percy Schmeiser
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Percy Schmeiser
Rund 30 Zuhörer - darunter Kommunalpolitiker und Landwirte - hörten seinen Bericht über seinen mühsamen Weg durch die juristischen Instanzen. Der Gast aus Übersee stand als Farmer und Saatgutzüchter vor verschiedenen Gerichten dem international tätigen Saatgutunternehmen Monsanto gegenüber. Letztendlich errang er einen Sieg und erhielt 2007 den alternativen Nobelpreis.

»Ich möchte mich für Ihren Mut und Ihren unerbittlichen Kampf gegen einen übermächtigen Agrarkonzern bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern bedanken«: Mit diesen Worten begrüßte Andrea Hager vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisverband Gießen, den Gast. Der BUND gehört zu der Initiative, die eine »Gentechnikfreie Region Kreis Gießen« anstrebt und zu der gestrigen Veranstaltung eingeladen hatte.

1998 hatte gentechnisch veränderter Samen von Monsanto Schmeisers Rapsfeld verunreinigt. Monsanto forderte Schadensersatz von dem Farmer. Die Begründung: Monsanto habe das Patent auf das Saatgut und somit auf die Pflanzen, die daraus entstehen. Die Befürchtung des Landwirtes: Über 50 Jahre gezüchtetes Saatgut ist nun belastet. Die ungleichen Kontrahenten trugen ihre Auseinandersetzung vor dem kanadischen Bundesgerichtshof aus. »Was der Richter sagte, ist der Grund dafür, dass dieser Fall über Nacht weltweit bekannt wurde«, rekapitulierte Schmeiser. Dem Urteil zufolge besitze der Farmer das Saatgut nicht mehr, wenn - egal auf welchem Wege - ein Feld verseucht werde. Die Rapsernte des Jahres sei in den Besitz von Monsanto übergegangen, und die Familie Schmeiser durfte ihr ursprünglich eigenes Saatgut nicht mehr verwenden. Schmeiser gab nicht auf, kämpfte sich bis vor den Obersten Gerichtshof. Monsanto erhielt Recht. Das Unternehmen habe das Patent auf das Gen, auf die Lebensform. Aber wo hört das Patent auf eine Lebensform auf, bei einem Vogel, bei einem Menschen? Diese Frage, die Schmeiser gestern vortrug, hatte der Oberste Gerichtshof an das Parlament verwiesen. Vor zwei Jahren habe Monsanto Schmeisers Farm erneut kontaminiert. Daraufhin verklagte der Landwirt das Weltunternehmen. Mit Erfolg, denn für den Schaden, der durch die Belastung aufkam, musste der Verursacher zahlen. Dies sei »ein großer Sieg für Farmer überall auf der Welt«, unterstrich Schmeiser.

Er warnte vor den Folgen der Gentechnik: Die veränderten Organismen seien nicht zu kontrollieren, verbreiten sich auf weite Flächen, bringen gesundheitsschädliche Nahrung hervor und weniger Ertrag; sie benötigen wesentlich mehr chemische Behandlung und verringern die Artenvielfalt. Die Honigindustrie Kanadas sei fast komplett zerstört worden, denn: »Die Biene weiß nicht, welche Pflanze genetisch verändert ist und welche nicht.« Schmeisers Fazit: »Sie haben noch eine Wahl.« In Kanada gebe es die nicht mehr. Raps und Soja seien dort nur noch gentechnisch verändert vorhanden. (Foto: agl)

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Artikel vom 18.06.2008 - 22.00 Uhr
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