Wöllstadt (udo). Der »Wöllschter Narren-Club« (WNC) feierte die »zweimal elf Jahre« seines Bestehens mit einer Jubiläumssitzung in der Römerhalle, die an Schärfe des Spotts und Glanz der Aufführung ihresgleichen suchte. Zugleich wurden die »viermal elf Jahre« der katholischen Pfarreifastnacht zelebriert.
Zauberhaft: Die »Hexen« von »No Namez« rocken über die Bühne.
Den ersten Teil moderierte Präsident Heinz Feuerbach, den zweiten Vize Jürgen Pfannkuchen - der Chef wurde zum Schluss beim Männerballett gebraucht, das in Ober-Wöllstadt zum krönenden Abschluss der Sitzung die Bühne enterte. Die »Primi Ballerini« zogen zu »Thriller« und anderen Titeln von Michael Jackson sowie mit wiederholten Kostümwechseln auf offener Bühne die Blicke auf sich. Sogar Kunstnebel wurde versprüht. »Damit man die krummen Beine der älteren Herren nicht sieht«, meinte ein Besucher.
Als Wermutstropfen, der in die verschneite Römerhalle platschte, erwies sich die Abwesenheit von Pfarrer Norbert Braun. Noch im vergangenen Jahr hatte die »klerikale Stimmungskanone« die Närrinnen mit seiner stilsicheren Frank-Sinatra-Imitation entzückt. Jetzt guckten viele Augen im ganzen Saal herum, suchten ihren »Nobbes« und fanden ihn nicht. Sowieso war die Sitzungsvorbereitung stark von Ausfällen gebeutelt gewesen. »Jede Stunde rief ein anderer an und meldete sich ab«, klagte Präsident Feuerbach. »Aber was sag ich - das sind so meine Probleme.«
Eine Eigenart der WNC-Sitzungen ist, dass sich der Blick liebevoll auf die Freunde und Mitbürger bachabwärts richtet. Begreift der Auswärtige nur einen Teil der sich auf »Unter-Wöllstadt« beziehenden Finten, so versteht er wenigstens bei den spritzigen Tänzen in bezaubernden Kostümen auf Anhieb alles. Die von Maria Weilbächer und Sophie Brauburger trainierte Garde eröffnete den Abend in Weiß und Blau, dann grüßte das Prinzenpaar Heike und Christian von den Rosbacher Hasenspringern. Claus Zehm brachte als »Ortsprotokoller« die berauschendsten Vorfälle im »Örtchen am Fuße des Vogelsbergs« aufs Tapet. Er sprach über die ungeliebten »Windflügel« sowie die ersehnte Ortsumgehung. Eindringlich gestaltete er die Konflikte im Leben eines Messdieners, der sich zwischen Pater Braun und der Freundin entscheiden muss. Auch die zunächst falschen Markierungen auf dem adretten neuen Kunstrasen brachten das Publikum zum Toben.
WNC-Mäuse im Reich der Mitte
Die WNC-Mäuse (betreut von Iris Bayer, Doris Brauburger, Katja Wolf) entführten reich beschirmt ins Reich der Mitte und begeisterten mit prächtigen Kostümen und einer stimmigen Choreografie nicht nur die Großeltern, die wegen ihrer Enkel gekommen waren. Die Revue bezauberte durch die Wechsel zwischen den mit etwa 40 Kindern besetzten Abteilungen.
Pia Feuerbach-Erb spielte bezaubernd naiv als die »Doofe Nuss«, die unverkennbar »en Dappe« hatte, dies aber wenigstens wusste. Kaum war ihre bewegte Biografie verklungen, da zeigten die »Smart’eens« zu »Golden Eye« ihren lasziven James-Bond-Tanz. Die »Büdinger Fräääsch« machten auf dem Weg nach Düdelsheim Station und interpretierten Schlager, Rock’n’Roll und Volksmusik.