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»Die Rosi« gehört mittlerweile zum Ort

Artikel vom 21.01.2012 - 09.30 Uhr

»Die Rosi« gehört mittlerweile zum Ort

Wöllstadt (sky). Zehn Jahre ist es her, dass der Nahkauf in der Frankfurter Straße erstmalig seine Türen öffnete. Am Samstagabend will Inhaberin Roswitha Hoffmann (im Ort allseits als »die Rosi« bekannt) daher die Sektkorken knallen lassen. Dabei war der 54-Jährigen anfangs gar nicht zum Feiern zumute.

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Marktbetreiberin Rosi Hoffmann hat Wöllstadt lieben gelernt. (Foto: sky)
Als »Frankfurter Mädchen« war die tatkräftige 54-Jährige einst nach Nieder-Wöllstadt gekommen und hatte sich in der dörflichen Struktur zunächst gar nicht so wohl gefühlt. Heute würde sie die Gemeinde im Speckgürtel der Mainmetropole aber gegen keinen anderen Wohnort mehr tauschen. »Hier geht alles so familiär zu, und ich habe viele Freunde gefunden, auf die ich mich hundertprozentig verlassen kann.«

Bis sie zu dieser Erkenntnis kam, hat sie allerdings einen schwierigen Weg gehen müssen. Gesundheit, Ehe und die Umgewöhnung auf neue Gepflogenheiten auf dem Ort forderten ihren Tribut. Ganze Welten hätten für sie zwischen dem Einst und dem Jetzt gelegen. »Man soll im Leben aber immer an sich glauben und auch etwas für sich tun«, weiß sie heute. Obwohl die Arbeit bei ihr »immer an erster Stelle stand«, habe sie sich den Sprung in eine Selbstständigkeit eigentlich nie zugetraut. So hat sie den Supermarkt in Nieder-Wöllstadt zunächst auch im Auftrag ihres späteren Geschäftspartners Detlef Dehmer geleitet. Jener Kollege aus HL-Zeiten hatte bereits in Petterweil »einen kranken Laden wieder erfolgreich auf die Beine gestellt«. Gleiches nahm er für Nieder-Wöllstadt in Angriff, wo der Supermarkt bereits seit über einem halben Jahr leergestanden hatte. »Wir haben es gemeinsam riskiert und gedacht: Mehr als auf die Nase fallen kann man nicht«, erinnert sich Rosi.

Schon nach vier Jahren stieg sie mit einem Anteil von 50 Prozent in das Geschäft ein, zog schließlich vom Frankfurter Nordend nach Nieder-Wöllstadt und arbeitete weiter an ihrer unternehmerischen Zukunft. Auch privat stand das Glück auf ihrer Seite: »Ich habe hier ein ganz neues Leben begonnen und habe mich neu verliebt«, schwärmt sie.

Bangen bei B 3-Baustelle

Der Traum von sorgloser Selbstständigkeit bekam einen Knick, als die grundlegende Erneuerung der B 3 direkt vor der Ladentür begann. »Die Umsätze brachen ein, und uns wurde klar, dass der Laden nur dann rentabel geführt werden kann, wenn er in nur einer Hand ist.« Trotz der verhältnismäßig großzügigen Parkmöglichkeiten neben oder hinter dem Haus blieben die Kunden weg. Rosi startete erneut durch: Sie kaufte den Anteil von Detlef Dehmer und gestaltete im März 2010 den Laden in einer dezidiert geplanten Wochenend-Aktion radikal um. »Alle Freunde haben dabei geholfen, so dass wir das Geschäft nur für zwei Tage schließen mussten.« Frisch aufgepeppt und mit neuer Übersicht habe sich danach ein moderner Supermarkt präsentiert, der außer Frischfleisch fast alles biete, was man von einem Nahversorger erwarte.

In ihren einstigen »Traumladen« mitten in Frankfurt, ohne den sie sich ihren Beruf vorher kaum hatte vorstellen können, will Rosi Hoffman nicht mehr zurück. »Ich bin zwischendurch einmal für sechs Wochen zurückgekehrt und war froh, als ich wieder zu Hause in Wöllstadt war«, bekennt sie. Der Umzug von Frankfurt in die Wetterau, den sie anfangs für ein Opfer gehalten hatte, erwies sich somit im Nachhinein als Segen. Statt großstädtischer Anonymität genießt sie hier die kurzen Wege zu den gemeinsamen Freunden. In mindestens fünf Ortsvereinen ist »die Rosi« inzwischen Mitglied. »Ich habe hier ein völlig neues Leben begonnen.« Wenn am Samstagabend die Gläser klirren, werden auch die Sängerfreunde der Concordia dabei sein und ein Ständchen bringen. Sie haben – wie andere auch – schon am Vormittag kräftig mitgeholfen, damit das Jubiläumsfest gelingen möge.

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Artikel vom 21.01.2012 - 09.30 Uhr
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