Klaus Groß: Chaos auf der Costa Concordia und an Land
Wölfersheim (en). Vier Kreuzfahrten hat Klaus Groß schon gemacht – und nie ist etwas passiert. Aber jetzt: Der 69-jährige Wölfersheimer Witwer hat das Unglück der »Costa Concordia« als Passagier hautnah miterlebt.
Alles, was Klaus Groß mitgebracht hat: die Bordkarte mit dem Foto der »Costa Concordia«. (Foto: Nici Merz)
Und auch er weiß nicht nur Gutes zu berichten über die Minuten nach dem Aufprall, die Bergung der über 4000 Schiffbrüchigen und die Stunden danach.
Klaus Groß hatte die große Mittelmeerkreuzfahrt gebucht, nach der kleinen im letzten Jahr. Von Savona aus war er am 7. Januar gestartet, fast hätte ihn (und auch ein älteres Karbener Ehepaar, das die Havarie ebenfalls körperlich unbeschadet überstanden hat) das Taxi vergessen, das ihn nach Aschaffenburg zu dem Reiseveranstalter bringen sollte, mit dessen Bus es nach Savona ging. »Spitze« war das Schiff, erzählt Groß, über Marseille, Barcelona, Palma und Palermo hatte man den Hafen vor Rom ohne jedwedes Problem erreicht. Von dort sollte die Fahrt durch die Nacht an der Küste entlang zurück nach Savona gehen, Sardinien und Korsika zur Linken, das Festland im Osten.
Im 9. der 11. Stockwerke hatte er noch ein Bierchen getrunken, war dann hinuntergefahren ins 6., um sich in seiner Kabine noch eine ruhige Nacht vor der Ausschiffung am nächsten Morgen zu gönnen. Just als er die Kabine erreicht hatte, hörte der 69-Jährige einen »Knall wie eine Bombe«, dann gingen auch schon alle Lichter aus, »nicht einmal die Notstromaggregate funktionierten«.
Die Lautsprecher waren noch intakt, aus ihnen hörte der Wölfersheimer, man habe einen technischen Defekt, aber die Techniker hätten alles in Griff«. Wenig später wurden die Passagiere gebeten, die Rettungswesten anzuziehen und sich auf Deck 4 zu versammeln. Derweil schwankte der havarierte Luxusliner etwas nach links, bevor er sich langsam immer weiter nach rechts neigte.
Zwei Stunden habe man die Passagiere dort stehen lassen, ohne dass etwas passiert sei, beklagt sich Groß. Dann erst seien die Rettungsboote zu Wasser gelassen worden, und auch das mit Hindernissen: »Meines ließ sich zunächst nicht vom Schiffsrumpf lösen, dann krachte es auf die See, und zuerst sprang es auch nicht an. Eine Frau hatte sich beim Einsteigen am Fuß verletzt, sie schrie laut, und als wir so unsanft aufs Wasser knallten, gab’s eine kleine Panik.« Dennoch hatte der Wölfersheimer das Glück, als einer der ersten auf der nahen Insel Giglia zu sein. Rund 100 Menschen passten in ein Boot, die ganze Rettungsaktion dauerte schließlich nach seinen Worten bis nach 3 Uhr.