Wettenberg (so). Am morgigen Mittwoch steht fest, wer ausgezeichnet wird im Regionalwettbewerb »Unser Dorf«. Und im November erfolgt der Abschluss mit allen Beteiligten in einem Siegerdorf. Launsbach hat sich gestern bereits dafür empfohlen, als die Bewettungskommission am Vormittag für zwei Stunden zu Gast war bei den »Eiskaale«, und selbstverständlich die Bereitschaft erklärt, die Feier auszurichten.
Vor dem Backhaus gab es einen Blick zurück auf das Leben der Urgroßeltern (Fotos: so)
Die Menschen zeigten sich in ihr Dorf gestern von der besten Seite, boten Einblick ins soziale Netz ebenso wie in altes Handwerk, Brauchtumspflege, Vereine, kirchliches Leben, Naturschutzarbeit und die Bildungseinrichtungen. Eben das ganze pralle Spektrum, welches das Dorfleben ausmacht. Und die Launsbacher zeigten dabei, was sie vereint. Wo sie Strukturen schaffen, die die Menschen in der Arbeit und in der Freizeit, eben in der Mitgestaltung ihres Lebensraumes, zusammenführen.
Mehr als 100 Menschen mögen es gestern gewesen sein, die sich direkt einbrachten. Und noch mehr, die eigens für den Besuch der Kommission die Gass' gekehrt und das Hoftor geöffnet hatten. Gleichwohl seit Freitag über dem Dorf ein Schatten liegt: Der tragische Unfalltod eines jungen Menschen, der sich in seiner Gemeinde vielfältig in Vereinen engagiert hat.
Dank des Engagements des nimmermüden Bürgermeisters Gerhard Schmidt ist es der vierte Wettbewerb, an dem Launsbach teilnimmt. Nicht zuvörderst mit dem Ziel, einen Preis zu gewinnen. Sondern um im Vergleich und im Dialog mit anderen Dörfern eine Standortbestimmung vorzunehmen und darüber hinaus die Menschen für ihr Dorf zu mobilisieren und sie anzuregen, sich mit »ihrem Launsbach« zu identifizieren. Damit das Dorf weiterhin Zukunft hat. Es geht darum, Selbstverantwortung und »Wir-Gefühl« zu steigern.
Die Launsbacher brachten sich überaus zahlreich ein bei der Präsentation ihres Dorfes.
Der Vorsitzende des früheren Dorferneuerungsbeirates, Egon Pfaff, Ortsvereinsobmann Ernst Friedrich und »Belzgass«-Vorsitzender Jürgen Ross-Walter (»unsere drei heimlichen Ortsvorsteher«) hatten zusammen mit Bürgermeister Schmidt die Kommissionsmitglieder im Bürgerhaus begrüßt und das das Dorf vorgestellt. Erinnert wurde daran, dass im vergangenen Jahr die Geburtenraten in Launsbach stark gesunken waren - ein »Alarmzeichen« und Anlass, sich näher mit der Entwicklung des Dorfes zu beschäftigen. Vertreter der so genannten »gesellschaftlichen Kräfte« im Dorf trafen sich im Winter und im Frühling, um den Blick zu schärfen für das, was zu tun sei: Eben Menschen für ihr Dorf zu mobilisieren und im Zuge des Standortwettbewerbs auch außerhalb zu werben: So entstand unter anderem das Faltblatt mit Informationen zu allen Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche vom ersten bis zum 16. Lebensjahr (Stichwort Vernetzung). Die Vereine, die ebenfalls hier und da von Sorgen geplagt waren, wurden animiert, noch stärker als bislang zusammenzuarbeiten - und dies wird münden in eine Präsentation aller Vereinsangebote im kommenden Winter. In den zwei Stunden gestern Morgen reichten sich Schule, Kindergarten und Vereine ein Staffelholz weiter bei der Präsentation ihrer Beiträge. In der Kindertagesstätte »Mäusenest« stellte Leiterin Karin Dahl die Verflechtungen mit der Kirche und Vereinen vor, Familienbeauftragte Tanja Meyer skizzierte das Modellprojekt »Jung und Alt«, und Umweltberater Michael Krick skizzierte den sorgsamen Umgang mit Energie im Gebäude. Grundschulleiterin Anne Peters und der Förderverein berichteten von der Öffnung der Grundschule und Gemeinschaftsprojekten etwa mit der Liedertafel« und der Musikschule sowie der wichtigen Einbindung der Eltern. Weiteres Ziel ist das Neugestalten des Schulgartens im Dialog mit dem Obst- und Gartenbauverein. Am Ortszentrum präsentierte sich der TSV Launsbach, und am Backhaus im alten Ortskern stellte Ingrid Hofmann mit Kindern in einer kurzen Spielszene Trachten und das Spinnen von Wolle vor. Jürgen Ross-Walter warb für den kommenden Erntedankmarkt. Denkmalschutzaspekte und erfolgte Sanierungen umriss Sabine Utech vom Bauamt. Pfarrerin Esther Wagner stellte die Kirche und die evangelische Gemeinde vor unter dem Leitbild »Gemeinsam Leben und Glauben macht stark«.
Eine echte Überraschung: Hilde Lühring und Bernd Hofmann wurden als »Goldhochzeiter« von Karl Weimer in der Kutsche chauffiert.
Abschluss der Begehung war in dem vom Bürgerprojekt betriebenen Belzgass-Hof, wo Egon Pfaff, Ernst Friedrich, Michel Krick und Hans-Richard Wegener (NABU) Naturschutz-Aspekte ebenso vorstellten wie Landschaftspflege, Sichern von Streuobst-Beständen und die rege Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in dm alten Gehöft. Selbstredend wurde beim abschließend gereichten Imbiss auf Bodenständiges zurückgegriffen: auf Hausmacher Wurst, Schmierselskuchen und Apfelsaft - und einen kleinen Schluck vom Louschbächer Eiskaale«.