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Wie sieht die Kommunalpolitik die Grundschulfrage Krofdorf?

Artikel vom 04.02.2012 - 06.11 Uhr

Wie sieht die Kommunalpolitik die Grundschulfrage Krofdorf?

Wettenberg (so). Angesichts der aktuell geführten Diskussion des vielschichtigen Themas Grundschule Krofdorf-Gleiberg hat die »Gießener Allgemeine Zeitung« bei den politischen Kräften in Wettenberg nachgefragt: Wie beurteilen Sie die aktuell aufgeworfenen Fragen zum Standort?

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Die alte Volksschule Krofdorf-Gleiberg aus 1913/14 beherbergt derzeit die Kinder der Grundschule Atzbach
Wo sehen Sie für sich/Ihre Fraktion/Ihre Partei in der Sache Informations- und Klärungsbedarf? – Wie ist Ihre Position zum geplanten Familienzentrum in der Weiterentwicklung der Kindergärten und in Verbindung mit der Grundschule? – Nicht zuletzt wollte die »Allgemeine« wissen, warum sich die politischen Kräfte in der Diskussion zurückgehalten haben, die in den vergangenen Wochen öffentlich geführt wurde. Nachfolgend die Antworten der Fraktionsvorsitzenden Dr. Gerhard Noeske (CDU), Hans-Peter Steckbauer (SPD), Julia Trampisch (FW), Roswitha Bottler (FDP) und Matthias Schulz (Grüne).



Dr. Gerhard Noeske (CDU) : Die CDU-Fraktion hat seit Jahren intensiv daran gearbeitet u. a. in der örtlichen Kommission und mit ihrem Einfluß beim Landkreis, dass so schnell wie möglich der gegenwärtige unhaltbare Zustand an der Grundschule durch einen Neubau beseitigt wird. Nachdem die Arbeit dieser Kommission lange durch die Forderung der Gemeinde, Grundschule und Kerschensteinerschule gemeinsam zum neuen Schulstandort zu sanieren, und die Aussage der Gemeinde, es gäbe keine anderen geeigneten Grundstücke, blockiert worden war, fand sich 2009 die einstimmige (bei Enthaltung der SPD) Entscheidung, ein Familienzentrum am Finkenweg zu errichten. Ohne die genannten Verzögerungen in Wettenberg, Auflagen des RP und zuletzt den Regierungswechsel im Kreis könnten dort jetzt schon die Bagger stehen. – Die erst jetzt nach zwei Jahren Diskussion von einzelnen vorgetragenen Informationen über den ehemaligen Friedhof müssen von der Verwaltung überprüft und bewertet werden im Hinblick auf ihre rechtlichen Konsequenzen und ob bei einem Anbau an den Kindergarten überhaupt Bodenschichten berührt werden, in denen eventuell noch sterbliche Überreste zu erwarten wären. Sie sollte auch das Gespräch mit den Kirchengemeinden suchen, ob es einen Vorschlag geben könnte, pietätvoll die benötigte Fläche zu räumen und eventuell Aufgefundenes erneut zu bestatten. – Das Konzept der Zusammenführung von Kindergarten, Grundschule und Schülerbetreuung ist zukunftsweisend und sollte nicht aufgegeben werden. Der Landkreis und die Gemeinde sollten alles tun, damit die unhaltbaren baulichen, energetischen und sanitären Zustände an der Grundschule bald ein. Ende finden.«



Hans-Peter Steckbauer (SPD): »Der Standort ist ein wichtiger Aspekt, der aber zur Zeit nicht zur Entscheidung ansteht. Zunächst ist das Konzept für eine moderne Grundschule weiter zu entwickeln. Danach ist die Fortentwicklung zu einem Familienzentrum relevant. Wenn das Konzept steht, ist die Frage des Standortes zu klären. Die SPD hat sich nicht an dem möglichen Standort Bolz-/Bouleplatz festgebissen. – Wir haben sozialpolitisch, städtebaulich und finanziellen Klärungsbedarf. Wir begrüßen ausdrücklich den eingeschlagenen Weg in allen drei Ortsteilen in Zusammenarbeit mit den Grundschulen und den gemeindlichen Kitas Familienzentren zu entwickeln. – Wir sind in der Phase der Bürgerbeteiligung. Die Gemeindevertretung hat die nötigen Prüfaufträge beschlossen, gleiches gilt auch für den Kreistag. Wir wollen die Bürger nicht bevormunden, sondern bei den Entscheidungen mitnehmen. Daher unterstützen wir den Kurs von BGM Brunner, eine ausführliche Information der Bürger vorzunehmen. (...) Zum zeitlichen Ablauf bleibt festzuhalten: im Jahr 2012 Planung und Klärung der noch offenen Fragen. In 2013 Baubeginn und wenn möglich in 2014 Ende der Baumaßnahme. D. h. Umsetzung schnellstmöglich. »Wir wollen die beste Lösung für unsere Kinder« – dem ist nichts hinzuzufügen.«



Roswitha Bottler (FDP) : Es sind z.Zt. zwei Standorte in der Diskussion: a) neuer Standort Finkenweg/Burgstraße b) bisheriger Standort Kastanienweg/Burgstraße. Ich halte den Platz Finkenweg/Burgstraße grundsätzlich für nicht geeignet wegen der früheren Nutzung als Friedhof (von 1860 bis 1911, ca. 1500 Bestattungen in dieser Zeit; nochmalige kurzzeitige Belegung 1944/45; Aufgabe/Abräumung ca. 1950). Die derzeitige Nutzung ist m.E. der früheren Bedeutung des Platzes angemessen. Neben diesem grundsätzlichen Bedenken sprechen die weiteren Argumente/Fakten gegen diesen Standort: Aufgabe der einzigen ortszentralen Grünanlage mit Lindenbäumen und Vogelgehölz zur Entspannung und Erholung für Familien und Kinder im Ortsmittelpunkt Krofdorf-Gleiberg. Es ist nicht erkennbar, wie diese Anlage gleichwertig ersetzt werden kann. Aufgabe des Bolz-/Bouleplatzes als erweiterter Spielplatz der KiTa, als Spielort der Bouleanhänger, als Bolzplatz für Jugendliche und Erwachsene. Auch hier ist nicht erkennbar, wo/wie ein gleichwertiger Ersatzplatz in zentraler Ortslage geschaffen werden kann/soll. Die Grünanlage bildet zusammen mit dem Bolz-/Bouleplatz ein ortsbildprägendes Ensemble, das deutlich im kollektiven Gedächtnis des Ortsteils Krofdorf-Gleiberg zugleich mit Bezug auf die frühere Nutzung als Friedhof verankert ist.

Der bisheriger Standort Kastanienweg/Burgstraße ist der in der Teilgemeinde Krofdorf-Gleiberg schon lange eingeführte und akzeptierte Standort der Grundschule. Der Standort ist von Größe und Lage geeignet, zumal am Westrand der Grundschule 1966 ein weiteres (bebautes) Grundstück gelegen ist, das die Gemeinde vor dem Neubau der Grundschule 1966 im Hinblick auf den damaligen Schulbau im Tausch gegen ein anderes Grundstück von privat erworben, aber dann nicht unmittelbar für Schulzwecke genutzt hat. Am Kastanienweg würden leerfallende Gebäude entstehen (Grundschule 1966 und Kerschensteiner-Schule), deren Wiedernutzung sich nicht am Horizont abzeichnet. Aus Gründen des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden sollte man es nicht zu einem solchen Leerfall kommen lassen. Für mich erscheint deshalb die unmittelbare Neuverwendung geboten, nämlich durch Neubau der Grundschule 1966 unter Einbeziehung der energetisch zu sanierenden Kerschensteiner Schule in das Gesamtprojekt Grundschule/ Familienzentrum.



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