Wettenberg (so). Riesengroße Füße signalisierten am Freitag den Weg von Gerhard Schmidt aus dem Chefzimmer hinaus und treppab in den Ruhestand. Er ging ihn nach 24 Jahren sicherlich mit Wehmut, aber begleitet von den besten Wünschen seiner Mitarbeiter, in deren Namen auch Personalrat Thomas Hochstein seinem scheidenden Chef ein gutes Zeugnis ausstellte, als er am Abend in wahrlich würdigem Rahmen verabschiedet wurde.
Thomas Brunner am neuen Schreibtisch. (Foto: so)
Am Montag zeigten die riesengroßen Fußstapfen in die andere Richtung, wiesen Thomas Brunner den Weg in das Büro des Bürgermeisters.
Blumen stehen auf dem Schreibtisch, dazu einige Geschenke, Glückwunschadressen - und eine riesige Schultüte, mit der er von den Mitarbeitern überrascht wurde. Den ganzen Vormittag hatte er sich freigehalten von Terminen, um sein neues Büro einzuräumen - und noch mehr Glückwünsche entgegenzunehmen: Es war ein Kommen und Gehen beim neuen Wettenberger Bürgermeister Brunner. Am Nachmittag dann leitete er erstmals eine Sitzung des Gemeindevorstands, und am Abend nahm er an den Beratungen des Haupt- und Finanzausschusses teil, wo der Haushaltsplan und Konsolidierungsbemühungen der Gemeinde auf der Tagesordnung standen.
»Eine Riesen-Umgewöhnung« sei es nicht, sagte der 46-Jahre alte Nachfolger von Gerhard Schmidt, als er am Montag zum ersten Male am Bürgermeister-Schreibtisch Platz nahm. Denn schließlich hat er bereits 16 Jahre lang in der Verwaltung als Hauptamtsleiter gearbeitet - und sich reiflich überlegt, worauf er sich einlässt, bevor er sich vor einem Jahr bewarb und am 7. Juni 2009 dann mit 71 Prozent gewählt wurde.
Am Freitag hatte er den Wählern für diesen Vertrauensbeweis nochmals gedankt und auch seinem Vorgänger ausdrücklich und öffentlich Dank ausgesprochen für eine »gute gemeinsame Zeit«.
Es werde in Wettenberg auch nicht schlagartig alles anders werden, sichert er den Menschen zu. Er stehe eher für Kontinuität. Gleichwohl, und das sieht Brunner ganz klar, haben sich in der Gemeinde - wie andernorts auch - die Vorzeichen rasant geändert: Es fehlen 2,7 Millionen Euro im Etat, und eine Besserung scheint nicht in Sicht. Die Herausforderung der kommenden Jahre ist die Frage: Wie geht man mit der nachhaltigen Schwächung der Finanzen um?
Den Kassensturz zum Amtsantritt habe er sich sparen können, scherzt Brunner, da die Kasse leer sei. Aber er sichert auch zu: Ein Sparen, dass das in 30 Jahren in Wettenberg Erreichte beschädige, werde es mit ihm nicht geben. Weitere offene Fragen, die Entwicklung der kommunalen Infrastruktur betreffen: Die Umgestaltung des Grundschulstandorts Krofdorf-Gleiberg und der Kunstrasenplatz an der Gesamtschule Gleiberger Land, für den man auf eine Zusage zur Co-Finanzierung von seiten des Landes hofft.
»Meine Tür steht offen - ich freue mich auf das Fortsetzen einer hervorragenden Zusammenarbeit in den vergangenen 16 Jahren nun in neuer Funktion«, so Brunner.