Schwerer Hypochonder am Ende von der Liebe geheilt
Wettenberg (m). Wer die Erklärung für den Begriff »Hypochonder« sucht, der ist bei der Heimatstube Launsbach bestens aufgehoben. Die Theatergruppe des Vereins führt in diesem Jahr ein Stück auf, dessen Premiere ein voller Erfolg war.
»Karlchen« ist krank: (von links) Luise Bröckl, Ingrid Becker, Ingrid Bittendorf und Bernd Hofmann. (Foto: m)
Wenn zwei Pärchen seit vier Jahrzehnten ihre Hochzeit verschieben, eine Krankenschwester als ständige Betreuung gebunden wird, zwei Schwestern und deren gemeinsame Freundin fast ihr gesamtes Leben auf eine Person ausrichten und der Friseur Hausbesuche machen muss, dann steckt »Karlchen« dahinter: »Ean alles wehe eam Karlche« heißt der Schwank, bei dem die zehn Laienschauspieler hervorragende Leistungen zeigten, die zu wahren Begeisterungsstürmen führten.
Das besondere Augenmerk galt dem Hauptdarsteller: Bernd Hofmann, der auch das Bühnenbild entwarf, glänzte in seiner Rolle als »Karlche« so hervorragend, dass seine Frau Ingrid sich die scherzhafte Anmerkung nicht verkneifen konnte: »Wäj dehamm«.
Übrigens führt Ingrid Hofmann, die Vorsitzende der Heimatstube, nicht nur Regie in diesem Dreiakter, sondern der lustige, nicht ganz ernst zu nehmende aber mit soviel Parallelen aus dem Alltag versehene Schwank, stammt auch aus ihrer Feder. Damit führt die Heimatstube nach nunmehr acht Aufführungen, das erste eigene Stück auf.
Längst hat sich die Theatergruppe einen guten Namen gemacht. Unter den Gästen war auch ein Geburtstagskind: Udo Weller aus Wieseck - ein alter Freund des ebenfalls aus Wieseck stammenden Hauptdarstellers - war mit samt der Geburtstagsgesellschaft ins Bürgerhaus nach Launsbach gekommen, um sich das Stück anzusehen und wurde vom »Ortsdiener«, Wolfgang Kümmel zu Beginn besonders willkommen geheißen.
»Ean alles wehe eam Karlche« erzählt die Geschichte eines 61-jährigen, ewig wehleidigen Zeitgenossen, mit schwerer Kindheit, der mit sich und seiner Umwelt so gar nicht im reinen ist, aber bei seinem stets krankhaften Gehabe mit seinem bestechenden Simulantentum seiner Familie und den Freunden Kräfte, Zeit und Nerven raubt. Erst ein gewaltiger Einlauf eines vermeintlich »kleinen Klistierchens« von Schwester Charlotte (Heide Kausch), die die Kunst der alten Hausmedizin und Krankenpflege bestens beherrscht, weckt in ihm die Lebensgeister wieder - und vor allem die große Liebe.
Der zweigeteilte Kulissenbau schuf schöne Einblicke in das Schlafzimmer von »Karlchen«, wenn er sich unbeobachtet genüssliche eine Zigarre anzündete und einen kräftigen Schluck aus dem Flachmann nahm, während sich rechts der Wand in der Küche seine beiden Schwestern, »Ella« (Luise Bröckl), »Marieche« (Ingrid Becker) sowie deren Freundin »Waltraud« (Hilde Lühring) mit sorgenvolle Mienen um den fortwährenden Krankenstand des bettlägerigen Hypochonders Gedanken machen. Der ließ es sich indes gut gehen, vor allem mit seinen beiden Freunden »Willi« (Werner Lotz) und »Otto« (Jürgen Bittendorf), die heimlich über den Balkon zum Skat auftauchen und von Pizzabäcker »Luigi« (Andreas Ellrich) auch Mal mit leeren Pizzakartons versorgt werden, weil einer der drei Skatbrüder »Pizza ohne alles« bestellt hat.