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»Golden Oldies«: Gelungene Reise in die Wirtschaftswunderzeit

Artikel vom 02.08.2010 - 00.01 Uhr

»Golden Oldies«: Gelungene Reise in die Wirtschaftswunderzeit

Wettenberg (so). Es ist erstaunlich und erfreulich zugleich, dass das »Golden Oldies«-Festival in Krofdorf-Gleiberg auch nach 21 Jahren keinerlei Verschleißerscheinungen aufweist, sondern ganz im Gegenteil seine Frische und Jugendlichkeit bewahrt hat.
Die Shakin’ Cats servierten am Sonntagvormittag in der Schieferstraße Rock ’n’ Roll in authentischem Outfit un
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Die Shakin’ Cats servierten am Sonntagvormittag in der Schieferstraße Rock ’n’ Roll in authentischem Outfit und Originalsound der 50er.
Das zeichnet Idee und Grundkonzept - und vor allem die Umsetzung - aus, der in jedem Jahr ein anderer Schwerpunkt zugrunde liegt. So auch in diesem Jahr, beim Motto »Musik, Motoren und Wirtschaftswunder«, das sich beispielsweise in den ausgestellten Fahrzeugen widerspiegelte.

So waren Käfer mit kleinen Eriba-Wohnwagen zu sehen oder Faltcaravans, nicht selten auch Autos mit Dachgepäckträger für Koffer und hölzerne Ski: Erinnerungen an eine Zeit, als es wirtschaftlich aufwärts ging und die Deutschen ihre Reiselust wiederentdeckten: Vornehmlich gen Süden in die Alpen und darüber hinaus, nach bella Italia. Auch Opel, mit seiner Klassik-Sparte aus Rüsselsheim wieder auf dem Sorguesplatz vertreten und von den Festivalmachern wieder im Kreis der Hauptsponsoren erfreut willkommen geheißen, trug dem Rechnung: Präsentiert wurden der original Opel Rekord von Sepp Herberger (»Das Wunder von Bern« anno 1954, ) sowie vor allem Lieferwagen der 50er und 60er Jahre, die den wirtschaftlichen Aufschwung symbolisierten. Bürgermeister Thomas Brunner, seit Jahren um Wirtschaftsförderung in Wettenberg bemüht, wünscht sich, dass auch nach der aktuellen Krise wieder ein solcher Aufschwung einsetzen möge - die Zahlen etwa von der Automobilindustrie stimmten da hoffnungsvoll, sagte er am Freitag.

Ergänzt wurde die Automobilschau und Themenpräsentation durch den überaus beliebten 50er Markt, auf dem noch immer Originalware aus den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten gehandelt wird. Hinzu kam gute Live-Musik auf neun Bühnen, vornehmlich aus den 50-er und 60-er Jahren, vor allem Rock’n’Roll und Beat, aber auch mit Ausflügen in die 70er. Das hatte Stil.

Die Besucher wissen dies zu schätzen. Sie kamen am Wochenende zuhauf: Schon am Samstag- und Sonntagvormittag herrschte reges Treiben im Dorf, und von den Mittagsstunden an »brummte« es. Vom Samstagabend ganz zu schweigen.

Einer der Höhepunkte: Der Besuch der deutschen Rock-’n’-Roll-Legende Ted Herold, der zwar nicht sang, aber umso fleißiger Autogrammwünsche erfüllte.

Was Golden Oldies von Anbeginn an auszeichnet: Es ist ein friedlich-fröhliches Festival, bei dem die Orientierung auf die gesamte Familie als Zielgruppe kontinuierlich ausgebaut wird: So glänzte das Kinderland an der Eduard-David-Halle mit vielfältigen Angeboten, für die Partner wie Skoda (Verkehrserziehung), die Sparkasse Wetzlar (Kindertheater, Schminken, Malschule etc.) oder auch die Möbelstadt Sommerlad (»Baby-Point«) Verantwortung trugen. Hinzu kamen weitere Akzente im Dorf, etwa am Stand der Krankenkasse DAK in der Hauptstraße, die nicht nur zu einem Schätzspiel, sondern auch zum Verweilen an einem kleinen Strand einlud. Oder die Präsentation der Seite für Kinder dieser Zeitung mit Schminken zum »Racker«-Waschbären sowie Fototermin und Oldies-Kinderseiten zum Mitnehmen.

Offiziell kommuniziert wird seit Jahren eine Besucherzahl von rund 70 000 an allen drei Tagen, und die Größe des Festival-Geländes zwischen Sorguesplatz und Turnhalle, zwischen Schieferstraße und Hauptstraße, setzt dem natürliche Grenzen. So musste am Samstag, als für Oldtimer-Besitzer freie Einfahrt ins das Dorf gegeben war, der ein oder andere, der erst am frühen Nachmittag anreiste, zunächst vor dem Ort oder in einer stillen Seitenstraße parken, denn die ausgewiesenen Stellplätze waren belegt. Am Sonntag war Zufahrt mit Oldtimer wie schon in der Vergangenheit nur nach Voranmeldung möglich. Da gilt es zu überlegen, ob dies künftig nicht auch schon am Samstag praktiziert werden sollte. Nach jedem Fest ist vor dem Fest: Nachjustieren an kleinen Stellschräubchen zwecks weiterer Verbesserung ist immer möglich. Wobei die Hausaufgaben gemacht sind: So stimmen Parkplatz- und Buslogistik ebenso wie Sicherheitskonzept in Abstimmung mit Polizei, dem seit Jahren bewährten Sicherheitsdienst Dersch, dem Deutschen Roten Kreuz und der Feuerwehr. Zudem sind bis zu 450 ehrenamtliche Helfer in die Organisation der Großveranstaltung eingebunden. Bilanz nach einem großen Wochenende: Schön war’s wieder! (Foto: so)

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Artikel vom 02.08.2010 - 00.01 Uhr
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Leserkommentare
(12.08.2010 19:45)
tma
"Schön war?s wieder!", ...
...das mag sein für die vielen, die das Festival genießen. Es hat ja auch keiner was dagegen, dass man sich?s in Krofdorf gut gehen lässt. Es muss aber auch erlaubt sein, sich mal kritisch zu äußern, denn man sollte nicht vergessen, dass nicht jeder auch hinter dem Fest steht oder sich darauf freut. Sicherlich kann man es nie allen recht machen. Aber es hat schon seinen Grund, warum nicht wenige Einwohner am letzten Juli-Wochenende bewusst nicht in ihrem Wohnort anwesend sind.
Im Vergleich zu einer ?überschaubareren? Veranstaltung wie Weihnachtsmarkt, Kirmes, .... sind zum Beispiel die Bewegungsmöglichkeiten für die Einwohner wirklich eingeschränkt. Man kann um die ?Oldies? nur schlecht einen Bogen machen, denn selbst in den Randbereichen gibt es Einschränkungen. Wie kommt man z. B. von der Ostseite Krofdorfs zur die Westseite? Mit dem Auto gar nicht oder über riesige Umwege, mit Rad ebenfalls über Umwege oder man muss sich, das Velo schiebend, durch Menschenmassen quälen, deren Gesichter es einem teils übel zu nehmen scheinen, dass man hier wohnt und einfach nur ein bestimmtes Ziel ansteuern will. Über solche Dinge und viele andere Kleinigkeiten muss man sich natürlich nicht ärgern.
Was der ?Kulturveranstaltung? aber leider seit Beginn völlig fehlt ? und das bemängele nicht nur ich - ist ein wenig mehr Transparenz. Für den Bürger, der mit der Organisation nichts zu tun hat stellt sich die Situation ?von außen? betrachtet so dar: Mitarbeiter der Verwaltung und des Bauhofes leisten ungezählte Stunden, um organisatorisch alles auf die Reihe zu bekommen, um den Ort herauszuputzen, um Infrastruktur und Dreck hinterher wieder abzuräumen. Vereine und Hilfskräfte tun ihren Dienst an Kassen und Parkplätzen für den sprichwörtlichen Appel und das Ei. Einem örtlichen Partyservice, der auch mal gerne Würstchen verkaufen würde, werden horrende Standgebühren abverlangt, so dass er es sein lässt. Wo das ganze Geld hingeht, ist nicht erkennbar, den ?Reibach? scheinen eher auswärtige Unternehmer zu machen. Der Gemeinde bleibt zwar ein Imagegewinn, aber ein ?messbarer? Wert für die Allgemeinheit fehlt ? wie wäre es also mal mit einer öffentlichen Abrechnung im Amtsblatt? Beispielsweise mit einer groben Angabe, wie viel eingenommen wurde, wie viel davon für was wieder ausgegeben wurde (incl. der Anrechnung der Stunden der gemeindlichen Mitarbeiter, Doppik macht's möglich?), sowie am Ende einer Verteilung des Gewinns auf die Schlechtwetter-Rücklage und einer Spende im gemeinnützigen Sinne, z. B. für den Gleibergverein, die Kindergärten oder oder oder. Als positives Beispiel mag hier der Krofdorfer Weihnachtsmarkt dienen, nach welchem die Beteiligten immer einen Teil der Einnahmen für ein Projekt (bspw. neues Spielgerät im Schwimmbad) spendeten. Ich denke, die Einführung einer solchen Transparenz wäre ein wichtiger Schritt, den leider starken Eindruck einer reinen ?Kommerzveranstaltung? wieder zu schwächen und würde der Akzeptanz der Golden Oldies im Dorf nur gut tun!
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