Wettenberg (ar). »Alles wirkliche Leben ist auch Begegnung«, sagte Pfarrer Christoph Schaaf am Sonntag. Und sprach von einer Kirche, die auf neuen Wegen unterwegs ist und in Bewegung. Denn sie will mitten unter den Menschen sein, will die Grundbotschaft vermitteln, aufeinander zuzugehen.
Den ganzen Tag über gut besucht war der Tag der Begegnung im Ahornweg (Fotos: ar/so)
So war es nicht von ungefähr, dass die Kirchengemeinde
Krofdorf-Gleiberg am Sonntag die Menschen zu einem »Begegnungs- und
Erlebnistag« im Neubaugebiet im Krofdorfer Norden eingeladen hatte. Um Menschen zusammenzuführen aus den Wohnvierteln Baumäcker, Kronzenborner Weg, Talstraße Nord, der angrenzenden Seestraße und eben viele weitere aus dem Dorf. Und die Resonanz war überwältigend gut.
Es war aber nicht die Kirche allein, die Gastgeber an diesem Tag war. Mehrere Vereine nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort einzubringen: Die Freiwillige Feuerwehr, die Fotofreunde, die Krofdorfer Fastnachtsfreunde (KFF), der NABU, die Mädchen- und Burschenschaft und der Krofdorfer Gesangverein 1842. Um zu zeigen, was Gemeinde ausmacht, was Gemeinschaft ist. Es ging darum, die soziale Vernetzung im Dorf zu stärken.
Bürgermeister Thomas Brunner sprach von dem »Willen, Menschen zu integrieren in unsere Gemeinschaft, unabhängig von der Herkunft: Das ist’s , was uns auszeichnet«.
Bereits am Samstag waren sportlich Interessierte eingeladen, sich das gesamte Neubaugebiet zwischen Seestraße, nördlicher Talstraße, über den Kronzenborner Weg bis hin zum Baumäcker zu erschließen: auf dem Rad und zu Fuß. Die Aktion »Bewegt helfen« nach einer Idee des Sportmediziners Achim Wagner litt zwar etwas unter den schwül-heißen Temperaturen, ist aber durchaus dazu angetan, eine Neuauflage zu erfahren. Das von den erwachsenen Teilnehmern erbetene Startgeld wird für das Hilfsprojekt »Staudammbruch-Hilfe in Tikato/ Burkina Faso« eingesetzt, das Heidi Stiewink vom Kirchenkreis Wetzlar-Braunfels vorstellte. Sie begleitet diese Arbeit seit Jahren.
Dieser Geist der Nähe und Unterstützung war auch das Motiv am sonntäglichen Begegnungstag und des »Regenbogen-Gottesdienstes« unter freiem Himmel. Pfarrer Schaaf unterstrich in seiner Predigt, Kirche müsse sich bewegen und weit mehr sein als ein sakrales Gebäude in der Ortsmitte. Die unmittelbare Nachbarschaft ist ein Ort der Begegnung, in dem geteiltes Leid halbes Leid werden könne und geteilte Freude sich verdoppelt. »Alles wirkliche Leben ist Begegnung« zitierte Schaaf den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber. Aufeinanderzuzugehen sei das Wesen der Kirche. Jesus besuchte die Kranken, ging zu Kindern und Frauen, zu allen, die in seiner Zeit kaum Achtung erfuhren oder Zuspruch erhielten. »Glaube«, so Pfarrer Schaaf »ist Mut zur Begegnung«. Bereits im vergangenen Jahr war die Idee zu diesem Fest entstanden.
Die Idee wurde auch mit der »etwas anderen Versteigerung« umgesetzt: Die Besucher konnten sich Buttons stanzen lassen, je nach Wohnviertel farblich unterschiedlich, um ansprechbar zu sein. Am Button-Stand gab es die Möglichkeit, für den Nachbarn ein Angebot zu machen: Sei es einen Blumenstrauß vorbeizubringen, zum Grillen einzuladen oder auch für einen Kranken Einkäufe zu erledigen. Die Buttons sind durchnummeriert und in Kürze wird »ausgelost«; damit wird der nächste Schritt der Aktion gegangen, und Menschen werden zusammengeführt.
Die Fotofreunde hatten außerdem eine besondere Idee für diesen Tag: Sie hatten Anfang Juni Luftaufnahmen der jungen Wohnviertel gemacht, die einen interessanten neuen Blickwinkel auf die Straßen und Häuser boten; stellten diese aus und boten die Bilder zum Kauf an. Nur eine von vielen kreativen Ideen des »Dreamteams«, wie Pfarrer Schaaf die Organisatoren für das neue Leitbild der Gemeinde nennt.
Kirche soll Farbe bekennen, bunt und fröhlich sein. Diesem Gedanken wurde auf dem Erlebnistage voll und ganz Rechnung getragen. Mitglieder des Elferrats servierten Steaks und Würstchen vom Grill. Die leckeren Waffeln der Fotofreunde, gebacken auf einem alten Ofen, sind ein Geheimtipp; nicht minder lecker die Waffeln des Backteams der Kirchengemeinde. Vor allem für die Kinder wurde sehr viel geboten. Sie konnten bei der Feuerwehr ihre Geschicklichkeit mit dem Wasserschlauch unter Beweis stellen, sich auf der Hüpfburg oder dem Spielplatz am Ahornweg austoben. Auch das Spielmobil war vor Ort. Großen Spaß hatten einige kleine Krofdorfer Neubürger, auf dem Traktor mitfahren zu dürfen: »Hannese Horst« Drescher nahm die Kinder zu Rundfahrten aufs Feld mit. Musikalisch wurde das Straßenfest abgerundet vom Krofdorfer Gesangverein 1842 unter der Leitung von Dennis Amend (zugleich werbend für einen neuen Projektchor), der Jugendband um den Jugendreferenten Michael Gerstlauer sowie dem Singkreis der Kirchengemeinde, geleitet von Thomas Bernsdorff.
Ein überaus gelungener Tag der Begegnung, und so steht bei den Organisatoren bereits die Idee im Raum, dieses Angebot auch in einem anderen Viertel zu gestalten