Wettenberg (ar). Ein Jahr nach dem ersten Forum, an dessen Ende man sich das Ziel gesetzt hatte, einen lebendige kommunale Bildungslandschaft in Wettenberg zu schaffen, die nicht von »Expertokratie« geprägt sein sollte, war es nun an der Zeit Bilanz zu ziehen. Dr. Harald Seehausen moderierte ein weiteres Mal die Veranstaltung, an der mehr als 80 Eltern, Fachkräfte aus verschiedenen Einrichtungen sowie politische Vertreter aus der Gemeinde teilnahmen.
Dr. Harald Seehausen moderierte das »World-Café«. (Foto: ar)
Der Schwerpunkt diesmal: Die Dialogförderung zwischen den Gemeindeteilen und der Austausch über die inzwischen erarbeiteten Projekte. An nicht weniger als 13 Stellwänden präsentierten die Vertreter, was man im vergangenen Jahr erreicht hatte. Der allgemeine Tenor der diesjährigen Veranstaltung klang allenthalben durch: Eltern sind keine Zaungäste mehr, sondern gestalten als Experten ihrer Kinder aktiv die Bildungslandschaft in Wettenberg mit.
So war auch intensiv an der Kommunikation zwischen Familie und pädagogischen Kräften gearbeitet worden, womit die Transparenz deutlich optimiert werden konnte. Außerdem wurde die bereits vorhandene praktische Zusammenarbeit verstärkt ausgebaut.
Einige Beispiele: Ein Eltern-Café, das nach dem Abgeben der Kleinen dazu einlädt, morgens noch im Kindergarten zu verweilen und damit Gespräche untereinander sowie mit den Erzieherinnen zu fördern. Einige Großeltern haben ein Gemüsebeet gemeinsam mit den Kindern gepflegt, die so erfuhren, wie aus einem Samenkorn eine mächtige Zucchini wachsen kann. An anderer Stelle gibt es einen »Werkstattvater«, der den Kindern den Gebrauch von Werkzeugen nahe bringt. Ein Terrarium wurde eingerichtet, in dem beobachtet werden konnte, wie eine Raupe zum Schmetterling wird.
Wesentlicher Faktor neben der ehrenamtlichen Arbeit, die durch die Eltern geleistet wird, ist an vielen Stellen die finanzielle Unterstützung der Fördervereine. Diese sorgen durch verschiedene Aktionen dafür, dass die Einrichtungen auf zusätzliche finanzielle Mittel zurückgreifen können, ohne die ein Großteil der Ideen nicht in die Tat umgesetzt werden könnte.
Das zweite Bildungsforum stand nun ganz im Zeichen der Präsentation und der Perspektiven für die Zukunft. Zur Umsetzung wurde die Methode des »World-Cafés« angewendet, das eigentlich aus der Wirtschaft stammt und von Achim Schwarz-Tuchscherer, dem Pädagogischen Leiter der Gesamtschule Gleiberger Land für die Veranstaltung entsprechend konzipiert wurde. Man saß zwanglos in Kleingruppen an mit Packpapier belegten Tischen und tauschte sich mit einem Gastgeber über ein Projekt aus. Dann wechselte man den Tisch und nahm seine Erkenntnisse dorthin mit. Der »Ertrag« dessen wurde direkt auf dem Tischpapier schriftlich festgehalten und im Anschluss der jeweiligen Projekttafel hinzugefügt. Das Netzwerk wurde auf die nächste Stufe gehoben.
Gerhard Johannes Stratenwerth, ehemaliger Leiter der Regionalen Lehrerfortbildung Frankfurt, war als Beobachter des Bildungsforums vor Ort und richtete anerkennende Worte an die Gemeinde für die geleistete Arbeit. Es sei auch das Verdienst des bald aus dem Amt scheidenden Bürgermeisters Gerhardt Schmidt, dass er zusammen mit seinen Mitstreitern einer »Verholzung« in diesem Bereich stets entgegen gewirkt habe. Stattdessen sei es gelungen Anstöße zu geben und die Vernetzung lebendig zu gestalten.