Durch die Besetzung des Gleiberger Landes mit über 100 000 Soldaten war eine furchtbare Lage entstanden. Das Viehfutter war so knapp, dass die Pferde alles erreichbare Holz und sich gegenseitig die Schwanzhaare abfraßen. Die Strohdächer wurden von den Nebengebäuden gerissen und verfüttert. Und wenn die Bürger nichts mehr liefern konnten, wurden die Gemeinderechner und Bürgermeister mit Gewalt gezwungen, horrende Beträge herauszugeben, was zu einer immensen Verschuldung der Dörfer führte.
Wegen der Knappheit an Futter- und Lebensmitteln verlegte Herzog Ferdinand von Braunschweig seine Truppen im Januar 1760 in das Marburger Land.
Obwohl die Stadt Gießen zu Hessen-Darmstadt gehörte und somit Verbündete von Frankreich war, wurde sie von 1758 bis 1763 von 40 Schwadronen der französischen Armee, unter Generalmajor von Baisel besetzt. Die Soldaten stahlen, nachdem in Gießen nichts mehr zu holen war, aus den umliegenden Dörfern alles, was sie der Bevölkerung noch wegnehmen konnte. General Maillebois schrieb dazu an den Französischen Kriegsminister (übersetzt): »Unsere Truppen begehen alle möglichen Schandtaten, plündern auch die Kirchen und gehen lieber auf Raub aus als in das Gewehrfeuer«.
Vielfach waren es »geworbene« Soldaten; Landsknechte, Söldner oder auch Legionäre. Die Rekruten wurden durch Werbekommandos »ausgehoben« (angeworben). Die Werber schreckten vor keiner List, keinem Betrug, keiner Fälschung von Dokumenten zurück, um eine Unterschrift unter einen Vertrag zu erhalten.
Die Folge war, dass sich die Rekruten in der Mehrzahl als Betrogene und übervorteilte Menschen aus vielen Nationen zusammensetzten. Sie wurden in der preußischen Armee der schärfsten Disziplin unterworfen. Deshalb lag auch die Anzahl der Fahnenflüchtigen bei bis zu 30 Prozent.
Auch beim Monatssold von zwei Goldthalern wurden die Soldaten noch betrogen. Denn der König von Preußen Friedrich II. hatte veranlasst, dass die Goldthaler »ausgemünzt« wurden. Das heißt, der Goldanteil wurde um rund 30 Prozent herabgesetzt. Was bedeutete, dass die Kaufkraft sich auch um diese Zahl verringerte. Um das Ganze zu vertuschen, wurden diese Thaler mit der Jahreszahl 1753 geprägt. Diese Thaler wollten die Kaufleute nicht als Zahlungsmittel annehmen. Deshalb kam es in Bayern zu Protesten der dort heimischen Landsknechte.