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Der Gleiberger Eierzug hat Tradition

Artikel vom 12.02.2010 - 17.57 Uhr

Der Gleiberger Eierzug hat Tradition

Wettenberg (m). »Des Johr sei mir ewink frojer met de Fassenocht! Oom Deasdog de sechzeehde Febbewoor treaffe mir ois im halb fejr bei de Heardda offm Hoop. Dann soomen mir em Dorf Ajer,Woscht un Speäg - wanns sei muss, treangke mir aach en Schnaps! Wann ois Kearb voll sei, gih mir bei die Heardda enenn, däi mächt ois gebaggene Ajer.«
Am Faschingsdienstag zieht wieder der Eierzug durch Gleiberg	 (Foto: m)
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Am Faschingsdienstag zieht wieder der Eierzug durch Gleiberg (Foto: m)
So lautet die Einladung zum »Gleibicher Aierzuuch« der wieder am Faschingsdienstag in Gleiberg stattfindet.

Treffpunkt ist um 15.30 Uhr die Gaststätte »Zum schwarzen Walfisch«. Der Eierzug ist eine Gaudi, ein Faschingsspaß für Groß und Klein, aber auch eine Veranstaltung mit einer langen Tradition und durchaus ernstem Hintergrund, wie sich einige ältere Gleiberger erinnern und erinnerten. Otto Laucht (†) der Vater von Margitt Fries-Volgmann, Kassiererin beim Verein »Bürgerprojekt Gleiberg« hat seiner Tochter erzählt, dass sich in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Armut das Dorf noch weitestgehend im Griff hatte und es vielen Menschen schlecht ging, sich einige von ihnen zusammenfanden, um mit Musikinstrumenten durch die Straßen und Gassen zu ziehen, in der Hoffnung, für ihre musikalischen Darbietungen eine Entlohnung in Form von Naturalien zu bekommen. In aller Regel waren dies Speck, Eier und Wurst. Das Gesammelte wurde dann zu einem »Aiesch« (Eierpfannkuchen) gebacken - wie heute noch, nur ob der damals schon in der Gaststätte »Zum schwarzen Walfisch« zubereitet und verzehrt wurde, gilt nicht als sicher. Belegt ist dies abe laut Margitt Fries-Volgmann für die Zeit nach dem Krieg, als die Not groß war. Wichtig war es den Leuten, die an diesem Zug teilnahmen, dass man sie nicht erkannte, was die Verkleidung schon zur damaligen Zeit erklärte. Es war die Scham, beim Betteln erkannt zu werden, aber über die Zeit wuchs auch mehr und mehr der Spaß an dieser Verkleidung, weil sie verbunden war mit dem Rätselraten, wer sich wohl unter der Kostümierung verbergen würde. Diese Verkleidung war aber kein Vergleich mit der bunten und phantasievollen Kostümierung, wie sie heutzutage von den Eierzugteilnehmern getragen wird. Vielmehr, so Margitt Fries-Volgmann weiter, seien es Lumpen und alte Stoffreste gewesen, die man irgendwie drapierte, um auch die Körperformen - und damit möglicherweise auch ein weiteres verräterisches Merkmal - zu kaschieren. Als Masken wurden oftmals alte Gardinen benutzt und gerne auch aus Pappmaché Fratzen hergestellt. Neben den gekauften Kostümen, die die Teilnehmer heute tragen, findet man dennoch nicht selten noch Mitwirkende, die ihr »Outfit« aus »de Lombekist« geholt haben oder aber Omas Nachthemd mit Haube nochmal zu Ehren bringen.

Vieles, was die Historie des »Eierzugs« betrifft, sind eben bloße Vermutungen, wie es Oskar Lautz, ein ebenfalls Waschechter Gleiberger, sieht. Erich Leib von den Fotofreunden Krofdorf-Gleiberg kennt noch eine weitere Version zur Entstehung: Die Musikanten, die seinerzeit durch’s Dorf zogen, seien keine Leute aus Gleiberg gewesen, sondern Kriegsversehrte aus Gießen, die auf den Ortschaften im Umland Essbares erbaten. Am Dienstag werden, wie schon die letzten Jahre, wieder alle Altergruppen vertreten sein beim Eierzug; die Jüngsten werden im Kinderwagen geschoben. Für die Kinder ist es ein besonderer Spaß, an den Haustüren zu klingeln, um dann Kleinigkeiten in Form von Eiern, Wurst und Speck zu bekommen, die zunächst in den großen Tragekörben landen, und die Erwachsenen, sie nehmen bei ihrem Zug auch gerne einen Schnaps, wenn der an der einen oder anderer Haustür angeboten wird. Da keiner der Teilnehmer mehr selber Musik macht, kommt diese aus der Konserve - einem bunten, auf Rädern mitgeführtem Kasten, in dem ein Kassettenrekorder untergebracht ist. Da geht’s gut gelaunt und mit lautem »Helau!« los, durch die Straßen und Gassen und der Abschluss findet dann im »Schwarzen Walfisch« statt, wo man sich dann auch demaskiert.

Der Eierzug - eine Einrichtung, die zu Gleiberg gehört wie die Burg, und eine Tradition wie viele, deren Pflege vom Bürgerprojekt Gleiberg betrieben wird, so dessen Vorsitzender Ralf Volgmann stolz.

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Artikel vom 12.02.2010 - 17.57 Uhr
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