Beim KuKuK viel Farbe jenseits der Schwarz-Weiß-Malerei
Wettenberg (m). Es gibt die »Rote Karte« und manch einer »sieht rot« auch aus anderen Gründen, Wenig differenziertes beschreibt man oft mit »Schwarz-Weiß-Malerei«, dann gibt es die »Fahrt ins Blaue« und den Begriff »Grün ist die Hoffnung« und die »Gelben Engel« kennt man von der Pannenhilfe. »Farbe kann alles«, behaupten Susanne Brückmann, Marita Meurer und Christina Richter.
»Farbe kann alles Caroline Mayland-Quellhorst mit den Künstlerinnen Susanne Brückmann, Marita Meurer und Christina Richter. (Foto: m)
Ihre Ausstellung beim Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (Giethestraße 4b Wißmar, bis 12. September) zeigt einmal mehr die Vielfalt, die beim KuKuK herrscht.
Der besondere Gruß des Vorsitzenden Dieterich Emde galt, neben den drei Künstlerinnen, der Konzertpianistin Elisabeth Richter, die die Vernissage mit dem »Danza de la moza donosa« von Alberto Ginastera eröffnete und später mit Rudolf Richter (Saxophon) mit Fritz Kreislers »Liebesfreud, Liebesleid«, einer alt-wienerischen Tanzweise, zu hören war.
ie Kunsthistorikerin Caroline Mayland-Quellhorsthielt die Laudatio und führte in die Ausstellung ein. Sie schmückte ihre Worte mit einem Zitat von Walter Gropius, »Bunt ist meine Lieblingsfarbe« - der Begründer des Bauhauses hätte an der aktuellen KuKuK-Ausstellung seine wahre Freude, vermutete sie.
Christina Richter bekennt, das für sie beim Malen die Freude und der Spaß an Farben vorherrschen. Auch sie verstehe es, ein gelungenes Farbspektakulum in ihren Bildern zu veranstalten, sagte Caroline Mayland-Quellhorst, die auch auf eine Besonderheit einging: Die Künstlerin zeige in manchen ihrer Werke einen Qualitätskontrast, der entstehe, wenn gesättigte, leuchtende Farben, stumpfen und gebrochenen Farben gegenüberstünden. Bewusst erziele sie damit Tiefe. Als einen Höhepunkt ihrer Arbeiten nannte sie jene, in denen Christina Richter mit unterschiedlichen Materialien experimentiere, die in der Malerei eigentlich eher untypisch seien: Spuren von Basalt, Sand und Asche, auch Kaffee, lassen sich auf diesen Bildern nachweisen. In ihren Bildern scheine die Malerin dem Malprozess intuitiv zu folgen.
Marita Meurers Werke lassen sich in verschiedene Gruppen zuordnen. Die Pflanzendarstellungen wie die Blumenaquarelle beispielsweise spiegelten die Freude an den Farben der Natur wieder. Neben den Pflanzenbildern gibt es eine Reihe abstrakter Acrylarbeiten. Dann entstehen Bilder, in denen Linien eine bedeutende Rolle spielen und die letzte Werkgruppe beinhaltet die Arbeiten in Enkaustik. Bei dieser Maltechnik werden in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen.
Die Dritte im Reigen der Künstlerinnen, Susanne Brückmann, widmet sich in erster Linie der freien, intuitiven Malerei. Die Diplom-Psychologin ist seit 18 Jahren als Künstlerin freiberuflich im Atelier in Heuchelheim tätig und studierte am Institut für Kunstpädagogik und visuelle Kommunikation in Gießen. Charakteristisch für ihre Bilder ist, dass die Formgebung wesentlich hinter die Farbgestaltung tritt. Der Titel beispielsweise, »Katze durchquert Orange« zeigt eindrucksvoll den gelungenen Übergang zur reduzierten Form. Den Betrachter lädt diese zeichenhafte Malweise ein, sie lesbar zu machen, ihre Zeichen zu deuten. Durch die fehlenden Anhaltspunkte in den Bildern begegnete einem hier das Abstrakte in seiner reinsten Form, so Caroline Mayland-Quellhorst. Vor drei Jahren zeigte Susanne Brückmann die als Wanderausstellung konzipierte Ausstellung »Und es geschah nebenan - Gießen 2006«, zum Thema »Gewalt gegen Frauen«. Die Dokumentation hierzu ist seit 2010 als Magazin unter dem Namen »Blutspuren«, sowohl beim KuKuK als auch in der Gießener Buchhandlung »Miss Marples« erhältlich.
»Farbe kann alles«, davon kann man sich noch bis 12. September jeweils samstags, sonntags und an Feiertagen, von 15 bis 18 Uhr in der Kunsthalle überzeugen lassen.