Wettenberg (pm/so). Die Bauarbeiten brachten sie wieder an den Tag: Mitten in Wißmar, in der Langgasse nahe dem Abzweig in die Bachstraße wurden zwei Brücken entdeckt, die dereinst den Lohrbach überspannten. Die eine wohl etwas mehr als 100 Jahre alt, die daneben gefundenen Fundamente sind derweil wesentlich älter - stammen womöglich aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit.
Der Archäologe Dr. Dirk Vorlauf
Das interessiert die Fachleute - seit einer Woche ist ein Archäologe vor Ort und dokumentiert die historischen Bauwerke. Denn sie sind weitgehend unversehrt und werden ebenso mit dem Voranschreiten der Arbeiten zum Erneuern der Langgasse wieder unter der Erde verschwinden.
Bei den Baggerarbeiten zum Erneuern des Kanals an der Kreuzung mitten im Dorf wurde zuerst eine Brücke aus aufwendig verarbeiteten Buntsandsteinen freigelegt, an die sich ältere Wißmarer noch sehr gut erinnern können (Beitrag links). Erbaut wurde diese Brücke schätzungsweise um 1900; auch wurde sie erweitert. Unterlagen dazu waren dem Gemeinde-Tiefbau-Ingenieur Joachim Becker bis gestern aber nicht bekannt. Die Brücke verschwand unter der Straße, als vor Jahrzehnten die Ortsdurchfahrt erstmals grundhaft ausgebaut wurde. Der obere Abschluss des Bauwerkes besteht aus einem Gewölbe. Dieser Fund wurde als Bodendenkmal gemeldet, und bei den dann folgenden archäologischen Arbeiten kam die zweite Überraschung:
Unterhalb dieser Brücke aus Naturstein konnte ein Fundament lokalisiert werden, das vermutlich eine mittelalterliche Steinbrücke aus Schiefer trug. Da sind in der ehemaligen Bachsohle Buchenholzpfähle eingebracht worden. Auf den Pfahlreihen wurde ein sogenannter Gitterrost aus zimmermannsmäßig bearbeiteten Eichenkanthölzern festgestellt. Der wiederum trug ehedem die steinerne Brücke. Diese Funde werden durch die beauftragten Archäologen, die Firma »Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie« aus Marburg freigelegt, dokumentiert und gesichert.
Die weiteren Arbeiten erfolgen laut Bürgermeister Thomas Brunner im engsten Einvernehmen mit der Denkmalbehörde des Landkreises Gießen sowie der Landesarchäologie. Eine maßgebliche Beeinträchtigung des Zeitplans der Arbeiten wird nicht erwartet.