Staufenberg (vh). Wegen des ungemütlichen Wetters am Samstagabend wurde die als Open-air-Gottesdienst geplante »Sternstunde«, die einmal jährlich auf dem Außengelände der evangelischen Kirche in Treis stattfindet, sogleich ins Innere verlegt.
Sängerin Manuela Weichenrieder erhielt für ihre einfühlsamen Interpretationen der Musik von »Conjunto Creolo« immer wieder Applaus.
Knapp zwei Stunden lang erfuhren die Gottesdienstbesucher wie wichtig und wohltuend es sein kann, für eine solche Auszeit einmal keine andere Verpflichtung einzugehen als lediglich zuzuhören, sich einzulassen auf ruhige, ja meditative Momente. Das Team um Pfarrer Andreas Lenz hatte sich - wie es üblich ist - recht vielgestaltig und zielgerichtet auf das Thema »Ich streichle deine Seele« vorbereitet. Die Kollekte wurde für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan erbeten.
Musikalisch inspirierte durch einen unverkennbar leichten aber stets mit melancholischem Unterton gewebten Begleitteppich die Band »Conjunto Creolo«. Sängerin Manuela Weichenrieder interpretierte die vielsprachigen Lieder in kapverdischem Kreol, auf Portugiesisch, Spanisch und Französisch und stets mit dem ihr eigenem Charme. Häufig gab es dafür Applaus von den voll besetzten Kirchenbänken. Begleitet wurde die Sängerin von Daniela Werner (E-Piano, Querflöte), Gerd Stein (Gitarre) und E-Bassist Peter Herrmann, die im abgedunkelten Hintergrund blieben und noch dazu vor lauter Dekorationselementen eher unsichtbar blieben.
Pfarrer Lenz dankte dem Vorbereitungsteam und bedauerte die widrigen Wetterumstände. Der Kirchenraum biete allerdings den Vorteil, eng genug zum Schmeicheln zu sein. Ganzheitliches Wohlfühlen bestimmte den Sternstunden-Ablauf. Es gab quasi Nahrung oder besser Balsam für Leib und Seele. Marlies Scharping etwa deutete mit Gesten an, wie sich die Gäste selbst Hände auf ihr Herz legen sollten. »Eine kleine Geste, die uns mit der Liebe unseres Herzens verbindet, euch mit euch selbst zu versöhnen«. Pfarrer Wolfgang Heger verlas Franz Kafkas Geschichte von den beiden Händen. Das Beleuchtungsteam (Jannik Weimar und Dennis Wießner) machte aus dem vornehmlichen Halbdunkel des Kirchenraum jetzt eine hell erstrahlte Kirche. Jeweils zwei Gäste berührten sich an den Händen, wechselten die Innen- und Außenseiten.
Krista Deuser erheischte sich mit dem Text über die Woge des Wohlgefühls nach einem mit Zitronenmelisse gewürzten Saunagang, einem tiefen Bewusstsein der Reinheit, sogar Beifall. Hanspeter Gruber nahm Anleihe beim österreichisch-amerikanischen Philosophen Ivan Illich (†) und redete der Freundschaft das Wort, sich »öfters mal abends ungezwungen treffen und reden«. Peter Schomber flirtete sprachlich, mit leiser Ironie mit der Lässigkeit durch das Nichtstun und sagte den durchaus weisen Satz von einem somit hingehauchten Augenblick, der nämlich »ein Lehrer sein kann«.
Pfarrer Lenz blickte in das Alte Testament, indem die Seele als die Bedürftigkeit des Menschen dargestellt werde. Heutzutage zähle eigentlich immer nur, »stark zu sein«. Oft habe Jesus durch seine Erzählungen die Seele gestreichelt, namentlich in der Bergpredigt. Gottes Segen entfache »den Funken in uns vom Paradies«. Es wirkten in der Sternstunde außerdem mit: Janina Franz (Liturgie), Katharina Kriep und Louisa Koblich (Lesungen), Christiane Hahn-Kröck und Inga Jung (künstlerische Gestaltung).
Das Team um Claudia Binsch lud im Anschluss ins evangelische Gemeindehaus ein. (Foto: vh)