So hat er im Jahr 1963 durch Zufall und mit etwas Kaltschnäuzigkeit Fotos des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in Frankfurt gemacht. Er kam von einer Reise zurück und passierte - mit seiner Leica M5 und einem 21er Weitwinkel ausgestattet - sämtliche Kontrollen anstandslos. Die Ausrüstung wies ihn als typischen Pressefotografen aus.
Als gelernter Uhrmacher setzt er schon damals auf die bewährte Technik mechanischer Kameras deutscher Produktion. Ob Agfa Silette, Voigtländer, Zeiss-Ikon, Rollei oder Kodak Retina - er kennt sie alle, aber es ist wie in der Liebe, sagt Schepers: An einer bleibt man hängen. Und diese Kamera heißt - man ahnt es - Leica. Keine andere Kamera verkörpert für ihn Präzision und optische Leistung. Eine andere kommt für ihn nicht infrage. Aber: Eine gute Kamera macht noch keine tollen Bilder.
Und da sind wir wieder bei der Malerei - was die Ordnung betrifft. Störendem kann man oft aus dem Weg gehen - ein Schritt nach vorn, nach hinten, nach links, nach rechts. Für den richtigen Standpunkt braucht es manchmal seine Zeit. Oder - wenn alles nichts hilft - ein Wechsel der Brennweite. Das gilt im Übrigen auch für die digitale Fotografie, ergänzt er. Doch die ist überhaupt nicht »sein Ding«, die manipulierende Bildbearbeitung schon gar nicht.
Er strebt kompromisslos nach Authentizität, nach Ehrlichkeit in seinen Bildern und tut dies logischerweise »analog«. Dafür hat er sich den kritischen Blick bewahrt. Sein Motto: »Wer fotografiert, sieht mehr!« Und auf die Frage, was er denn am liebsten fotografiert, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: »Die Natur ist mein Star!«
Insbesondere Norwegen und Spitzbergen gehören zu seinen bevorzugten Zielen. Die von Menschenhand bisher verschonten Gebiete haben eine ganz besondere Bedeutung für ihn. Doch oft liegen die besten Motive auch sprichwörtlich vor der Haustür. Es bedarf oft nur weniger Schritte, um etwa den Wechsel der Farben im Wald und auf der Wiese im Bild festzuhalten. Wenn er mit der Kamera unterwegs ist, kann Johann Schepers gut abschalten und den Alltag vergessen. Bietet sich dann auch noch die Möglichkeit, Schönheit im Nahbereich abzulichten, steigt die Begeisterung nochmals um ein Vielfaches.