Deshalb will Martin, sagte er, Bewusstsein auf breiter Grundlage schaffen. Effektive Abhilfe sei weder von Rentenerhöhungen, mit denen real ohnehin nicht gerechnet werden könne, noch von dem viel gepriesenen Ehrenamt zu erwarten. Zu wenige Menschen seien zu uneigennützigen und nachhaltigen Tätigkeiten im Sozialbereich zu motivieren. In der Konsequenz bedürfe es einer Bündelung von mehr Eigeninitiativen, Bürgerengagement, mehr Selbsthilfe, längerer Lebensarbeitszeit und sinnvoller Nutzung der nachberuflichen Phase.
Bei der Seniorengenossenschaft Riedlingen gibt es keine hauptberuflich Tätigen, berichtete Martin. Die freiwilligen Helfer erhalten einen Stundenlohn in Höhe von 6,15 Euro netto, abgerechnet werden 8,20 Euro. Von der Differenz nebst den Mitgliedsbeiträgen - eine Person zahlt 32 Euro im Jahr - und Spenden wird der Haushalt der Genossenschaft bestritten. Martin nannte eine Anschubfinanzierung in der Startphase als unabdingbar. Die Genossenschaft wirtschaftet wie ein kleiner Betrieb mit einem Jahresumsatz von mehr als einer halben Million Euro. Sie arbeitet unabhängig, selbstverwaltet und ohne staatliche Zuschüsse und kooperiert mit Pflegediensten wie der Sozialstation an Ort und Stelle. Selbstständige Organisationseinheiten bieten mehrere Dienste an: Essen auf Rädern, Tagespflege, barrierefreie Wohnanlage oder Fahrdienste.