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12.03.2010 - 18.13 Uhr
Staufenberg: Grundgedanke ist Geben und Nehmen
Staufenberg (vh). Nach fast 40 Jahren in der Kommunalpolitik kennt Senator e. h. Josef Martin ziemlich alle Reden und Ausreden, wenn es um die demografische Entwicklung der Bevölkerung geht, die nach seiner Auffassung nicht erst ein Thema der jüngeren Vergangenheit und dieser Tage, sondern schon seit den 1980-er Jahren absehbar ist.
Doch die Zunahme der Zahl älterer und alter Menschen - gerechnet etwa von 65 Jahren aufwärts - sei erst nach der Jahrtausendwende gravierend geworden bzw. ins Bewusstsein getreten. Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Staufenberg und der SPD-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung informierte der Senator ehrenhalber und Vorsitzende der Seniorengenossenschaft Riedlingen am Donnerstagabend im Sitzungssaal der Stadthalle über ein besonderes Betreuungskonzept in der Stadt Riedlingen/Donau in Baden-Württemberg.
In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins begründete der Staufenberger Erste Stadtrat Peter Gefeller die Einladung des Referenten. Bedingt durch den Anstieg der Zahl der über 65-jährigen Menschen entstünden vermehrt Probleme in den Bereichen »Wohnen«, »Betreuung« und »Pflege«. Folglich müsse die Suche nach neuen Formen des Zusammenlebens, der Versorgung und der Finanzierung eines der zentralen Themen künftiger Kommunalpolitik sein, hob Gefeller hervor. Zum Schwerpunkt aller Bemühungen solle werden, Angebote für das häusliche Umfeld zu schaffen, damit ältere Menschen so lange wie möglich in den gewohnten eigenen vier Wänden bleiben könnten.
Auf der Suche nach einem für die Stadt Staufenberg geeigneten Konzept werde nicht dem Neubau von Pflegehäusern oder -heimen das Wort geredet, fuhr der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins fort, sondern vielmehr auf den Verbleib der älteren Menschen in ihrer gewohnten Umgebung geachtet. Fahrdienste aller Art zu organisieren, Hilfeleistungen im Haushalt oder Handwerksdienste nannte Gefeller als denkbare Angebote der neuen Art. Optimale Erfolgsaussichten verspricht sich der Erste Stadtrat von einem Zusammenwirken der Älteren mit der Familie, den Nachbarn, den Selbsthilfeeinrichtungen und weiteren Dienstleistern.
Doch für ein aufzustellendes Betreuungskonzept sieht der Ortsvereinsvorsitzende, wie er sagte, nur dann realistische Chancen, wenn die Bevölkerung von Anfang an bei der Planung mitmacht. Am Konzept einer Seniorengenossenschaft finde er, so Gefeller, den Grundgedanken von Geben und Nehmen sympathisch. Riedlingen mit seinen knapp 9000 Einwohnern und etlichen Ortsteilen sei mit der Stadt Staufenberg in etwa vergleichbar. Die vor 19 Jahren gegründete Seniorengenossenschaft Riedlingen war 2004 mit dem Zukunftspreis des Institutes für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin ausgezeichnet worden und genießt mittlerweile einen überregionalen Ruf.
Der über 70-jährige Referent Martin ist das beste Beispiel für den eigenen Anspruch, dass sich Menschen nach dem Erreichen der Zeit des Ruhestands - in der »nachberuflichen Phase« - als engagierte Bürger einbringen sollten. Er sprach am Donnerstagabend nicht nur schöne Worte wie »bis ins Alter selbstbestimmt sein«, sondern lieferte auch die notwendigen Fakten für die Übertragung ins wahre Leben, das für die Betroffenen und die Helfer finanzierbar bleiben müsse. Weil die Zahl der jungen Menschen unter 20 Jahren abnehme, sich die Zahl der über 65-Jährigen erhöhe und in diese Rechnung auch die zunehmende Lebenserwartung und die längere Zeitdauer der Rentenbezüge einzubeziehen seien, steuere die bundesdeutsche Gesellschaft bis 2040/2050 unaufhaltsam einer Versorgungsunsicherheit entgegen.
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