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In Treis: »Eingestandene Schuld macht Menschen aus«

Artikel vom 10.03.2010 - 08.00 Uhr

In Treis: »Eingestandene Schuld macht Menschen aus«

Staufenberg (vh). Man stelle sich vor, da passiert so vieles in der Welt, und niemand wäre daran schuld. Nachgedacht werden soll nicht über Erdbeben und ähnliche Naturkatastrophen. Im ersten »Sternstunde«-Gottesdienst für dieses Jahr gaben die Mitwirkenden vielgestaltige Denkanstöße zu dem Motto »Ich war es nicht - über das anonyme Prinzip«.
Szene mit Gesang während des »Sternstunde«-Gottesdienstes in der evangelischen Kirche in Treis.	(Foto: vh)
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Szene mit Gesang während des »Sternstunde«-Gottesdienstes in der evangelischen Kirche in Treis. (Foto: vh)
In dem besonderen Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Treis wurde der Umgang mit Schuld betrachtet. Bei der Suche nach Ursachen für das Schuldigwerden stellte das »Sternstunde«-Team die Gleichgültigkeit als breitestes Einfallstor des Bösen in den Vordergrund. Die Bänke und Empore der evangelischen Kirche in Treis waren auch dieses Mal voll besetzt.

Seitlich am Chorraum positioniert blickt eine spärlich bekleidete Eva-Figur (Schaufensterpuppe) mit einem Apfel in der linken Hand auf den Schriftzug »Ich war’s nicht«. Von oben schaut eine Schlange als biblischer Verweis auf das Schuldigwerden durch Verführung am Beginn der Heiligen Schrift herab. Später wird Pfarrer Andreas Lenz den wohl bekanntesten Kampf des Alten Testaments und vielleicht überhaupt, den Kampf des David gegen Goliath, vorstellen. Im 1. Buch Samuel, Kapitel 17, steht die Erzählung vom Sieg des Hirtenjungen über den Riesen. Im zweiten Kapitel des 2. Buches Samuel wird der Aufstieg Davids zum König Israels geschildert. Doch der Held und König und Schöpfer lieblicher Psalmen (darunter der Psalm 23 »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln«) hat auch eine mit Schuld beladene Schattenseite, die laut Pfarrer Lenz vor Bewunderung leicht übersehen wird. Lenz wird in seiner Predigt am Beispiel Davids zeigen, wie jemand wegen des schnellen Vorteils schuldig wird.

An einer Kordel vor dem Chorraum hängt das Schild mit der Aufschrift »Gasthaus zur Unschuld«, vor dem Altar simulieren drei Stühle und ein Tischchen den Stammtisch »Die Unschuldigen«, an dem sich Erwin Heyer, Michael Scharping und Carsten Röhrscheid mehrmals kommunikativ um den heißen Brei herumdrücken. Wie praktisch, dass laut Stammtisch die Politiker die Schuldigen sind. Unbeantwortet bleibt dagegen die Frage aus der Mitte dieser drei Herren, wo sich in dieser Angelegenheit der liebe Gott findet. Für Abhilfe sorgt die Textlesung zweier »Sternstunde«-Teammitglieder, die wechselseitig den Judas-Verrat an Jesus (Evangelium des Matthäus, Kapitel 26) und das »Hohelied der Liebe« aus dem ersten Brief des Paulus an die Korinter, Kapitel 13, vortragen.

Auf der Suche nach der menschlichen Schuld wird die philosophisch-soziologische Betrachtung, eine kleine »Extraschiene« der »Sternstunde«, von Albert Schweitzer bemüht und aus seinem Text über »Reife Menschen« zitiert. Schweitzers These: »Was wir gewöhnlich als Reife an einem Menschen zu sehen bekommen, ist eine resignierte Vernünftigkeit.« Andererseits ist zu erfahren, dass neuere wissenschaftliche Umfragen den 14- bis 21-Jährigen das größte soziale Engagement bescheinigen, im Fachjargon als »effizienter Idealismus« beschrieben.

Der König David verguckt sich laut Bibel (2. Buch Samuel, Kapitel 11) in die schöne Batseba, die aber mit Uria verheiratet ist, der sich als Soldat im Krieg befindet. Um den eigenen Beischlaf, also die Schuld, mit der Frau, die schwanger wird, zu vertuschen, lässt David es von seinem Feldherrn so einrichten, dass Uria in der Schlacht zu Tode kommen muss. Pfarrer Lenz prangert das anonyme Prinzip als den »moralischen Weichmacher unserer Zeit« an. Schuld wegzuschieben, ist zwar bequem, doch ein »zerstörerischer Holzweg«. Er warnt vor einfachen »Opfer-Täter-Mythen« und formuliert die These, dass »eingestandene Schuld eigentlich den Menschen ausmacht«. Deshalb bekundet der Seelsorger großen Respekt vor dem Rücktritt der nun ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Landesbischöfin Margot Käßmann. Pfarrer Lenz ordnet dem Umgang mit Schuld eine wesentliche Bedeutung für die Friedenserziehung zu.



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Artikel vom 10.03.2010 - 08.00 Uhr
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