Artikel vom
24.07.2010 - 15.00 Uhr
Der Staufenberger und das öffentliche Diktat
Schriftsteller arbeiten meist im Verborgenen. Im Literaturhaus Frankfurt ist das anders. Dort können Besucher einen spannenden Prozess begleiten: Die Entstehung des neuen Romans von Peter Kurzeck (oben rechts), des in Staufenberg aufgewachsenen und von dieser Kindheit und Jugend im Gießener Land immer noch zehrenden Schriftstellers.
Dabei ist, wie bei HR-Online nachzulesen und vom Stromfeld-Verlag mitgeteilt, Kurzecks neues Buch längst entstanden. Die letzten drei Seiten fehlten noch, doch die schiebe der 67-Jährige so lang wie möglich vor sich her.
Sieben Jahre hat Kurzeck am autobiografischen Werk »Vorabend« gearbeitet, jetzt muss das rund 1200 Seiten umfassende Manuskript in Form gebracht werden. Die Seiten sind eng beschrieben, alles auf der Schreibmaschine getippt, dazwischen handschriftliche Notizen, Pfeile, Unterstreichungen. Diesen Blätterstapel aus den Händen zu geben und kommentarlos erfassen zu lassen, das sei, so heißt es, für Kurzeck undenkbar.
Im Literaturhaus macht Kurzeck nun die Sache rund. »Mir passiert bei jedem Buch, dass ich denke: ›So schlimm war es noch nie oder so hat noch kein Buch dich gepackt.‹ Und beim nächsten ist es dann immer noch ein bisschen schlimmer. Und bei dem ganz besonders, weil ich eben bisher noch nie ein Buch, das mehr als tausend Seiten umfasst, geschrieben habe.«
Diese vielen Seiten werden in den kommenden Wochen öffentlich getippt. Kurzeck diktiert - stundenlang. Alexander Losse (o., links) vom Stroemfeld-Verlag tippt ohne Unterlass.
Aber warum macht Kurzeck das nicht selbst? »Wenn ich jetzt noch einmal anfangen würde, selbst eine Reinschrift zu machen, würde ich mich für Jahre und Jahre nochmal darin verirren.«
Das vom 19. Juli bis 17. September dauernde Diktat von Kurzeck ist öffentlich. Jeder kann ins Literaturhaus kommen, sich hinsetzen und einfach eine Weile zuhören.
Zwar wird darum gebeten, sich leise zu verhalten, doch der Autor ist durchaus für Zwischenfragen offen.
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