Staufenberg (vh). Es gibt eine landläufige Legende aus alter Zeit, die besagt, dass die Armut in Daubringen über die Jahrhunderte solche Ausmaße angenommen hatte, dass durchreisende Zigeuner ihre Pferde antrieben, damit die Daubringer ihnen ja nichts von den Wagen klauen.
Die Daubringer Kirche mit dem Glockenturm; zwischen Kübelpalme und Eingangstür markiert eine Wandplakette den Grundstein.
Zum 40-jährigen Bestehen der Kirche in Daubringen ist am 3. und 4. Juli das »zentrale Festwochenende« mit dem Dorffest »rundumdekirchturmerum«. Dazu wird die Mundartgesangsgruppe »KORK« aus Ruttershausen erwartet. Im März war bereits zu einem Kabarettabend mit dem Duo »FaberhaftGuth« eingeladen worden. Am zweiten Adventssonntag kommt der Hüttenberger Handglockenchor nach Daubringen.
Vorläufig könnte auch Pfarrer Traugott Stein für die evangelische Kirchengemeinde Kirchberg II-Daubringen mit ihrem Gotteshaus an der Friedhofstraße nicht anders erklären, dass vor der Einweihung der Kirche am 12. Juli 1970 in Daubringen keine gottesdienstliche Stätte, auch nicht die winzigste Kapelle, existierte. Bei näherer Betrachtung selbst kleinerer Ortschaften im Landkreis Gießen ist das Fehlen einer Kirche eher ungewöhnlich. Als Ursache der bitteren Armut kommen wohl ertragsarme Böden und die geringe Gemarkungsfläche in Frage. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung um 1900 keimte in Daubringen der Gedanke, sich von der »Mutterkirche« auf dem Kirchberg in Ruttershausen zu lösen. In diesem Jahr feiert die Kirchengemeinde Kirchberg II-Daubringen noch bis zum Dezember das 40-jährige Bestehen ihres Gotteshauses. Das »zentrale Festwochenende« ist am 3. und 4. Juli
Untrennbar verbunden mit der Kirchengeschichte der Gegend um Lollar und Staufenberg ist die evangelische Kirche von 1508 auf dem Kirchberg, einst »Mutterkirche« für bis zu elf Orte. Um 1577 verblieben Daubringen, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen und Staufenberg. 1909 kam für Lollar die klerikale Selbstständigkeit. Dort diente zunächst die historische Kapelle im Keul als Gottesdienstraum und ab September 1959 der Kirchenneubau an der Daubringer Straße.
In Daubringen verlief die Entwicklung ähnlich. Als 1906 das alte Amtshaus - im Volksmund: Adelhaus - der Familien von Rodenhausen und von Lahrbusch, die damalige Dorf- und Kleinkinderschule und nach vielen An- und Umbauten jetzige Waldschule, erstmals erweitert wurde, genossen die Evangelischen aus Daubringen dort Gastrecht und feierten zu Trinitatis (Sonntag nach Pfingsten) 1909 ihren ersten Gottesdienst fernab vom Kirchberg und seitdem einmal pro Monat, später 14-tägig. Pfarrer Stein bedauert, das eigentlich würdigenswerte Jubiläum sei im vorigen Jahr wohl einfach übersehen worden. Der Gedanke an einen Kirchenbau in Daubringen überdauerte zwei Weltkriege, bis Pfarrer Krämer 1956 aktiv wurde und ein Teilgrundstück des späteren Kirchenareals günstig erwerben konnte. Es folgten weitere - vor allem zähe - 14 Jahre bis zur Erfolgsmeldung. Nicht verwirklicht wurde die Idee, nach 1950 der zum Bezirk Kirchberg II ernannten Lollarer Kirchengemeinde unter Pfarrer Nies beizutreten.
Am 25. November 1964 wurde - zehn Jahre später als in Lollar - auch in Daubringen ein Kirchenbauverein gegründet. Die Gründungsversammlung fand im Saalbau Schäfer statt. Anwesend waren Bürgermeister Erb, der Propst für Oberhessen, Horst Schubring, Pfarrer Heinz Simon, der von 1957 bis 1975 Pfarrer auf dem Kirchberg war, und Pfarrdiakon Ernst-Walter Theiß. Der aus Wesel am Niederrhein stammende Pfarrdiakon war zur Unterstützung von Pfarrer Simon am 18. Oktober 1964 nach Daubringen gekommen. Nach der Ernennung von Daubringen zur Pfarrei Kirchberg III am 1. April 1968 und einer Fortbildung des Diakons wurde Theiß mit Wirkung vom 15. Mai 1968 zum Pfarrvikar in Daubringen bestellt.