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»Rodheimer Selbstbewusstsein hat gelitten«

Artikel vom 13.01.2012 - 14.30 Uhr

»Rodheimer Selbstbewusstsein hat gelitten«

Rosbach v. d. H. (sky). Selbst 40 Jahre nach der Hessischen Gebietsreform gibt es in Rosbach und Rodheim, die am 1. August 1972 zur »Stadt Rosbach vor der Höhe« zusammengeschlossen wurden, noch kritische Töne zu dem Mammutprojekt. Viele Rodheimer sehen sich noch immer nicht als zugehörig an.

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»Rosbach wachse, blühe und gedeihe«, lautet die Überschrift des WZ-Artikels vom 2. Januar 1971.
Aber es gibt auch positive Betrachtungen. Die Reform hatte Ortschaften zusammengeführt, die vorher weder von der Verwaltung noch von der Bevölkerungsstruktur her auf die Idee gekommen wären, sich zusammenzuschließen.

Ziel der Reform war es gewesen, die Leistungsfähigkeit von Landkreisen und Gemeinden durch Schaffung größerer Verwaltungseinheiten zu optimieren und Personaleinsparungen zu erreichen – also Geld einzusparen. »Das war damals eine Modeerscheinung, die sich lediglich auf Theorien stützte und in der Praxis nicht aufgegangen ist«, meint Rosbachs Bürgermeister Detlef Brechtel rückblickend. Bei dem ständigen Zuwachs neuer Aufgaben innerhalb der Kommunen sei eine Senkung der Verwaltungskosten auf diesem Wege quasi unerreichbar gewesen. »Das hat man aber erst später wirklich erkannt.« Auf der Strecke geblieben sei vielmehr die Bürgernähe, was vor allem bei den älteren Leuten bemängelt werde.

Hatten sich Ober- und Nieder-Rosbach (die sich erst 1912 in zwei eigenständige Gemeinden geteilt hatten) bereits frühzeitig auf einen Wieder-Zusammenschluss geeinigt und sich damit für ihre zusammen 4734 Einwohner Geld aus den entsprechenden Fördertöpfen sichern können, so kämpfte Rodheims Bürgermeister Alwin Biedenkapp (SPD) bis zur letzten Minute gegen die Eingemeindung der 3847 Einwohner – egal wohin. »Wenn überhaupt, dann war für ihn eher ein Anschluss an Burgholzhausen oder Petterweil denkbar gewesen«, sagt Karsten Brunk, Vorsitzender des Rodheimer Geschichts- und Heimatvereins. Doch weder die Verfassungsbeschwerde (untermauert durch eine umfangreiche Unterschriftensammlung) noch der Antrag auf persönliche Anhörung oder eine Petition im Landtag konnten verhindern, dass Rodheim, der Ort mit seiner fast 1200-jährigen Geschichte, am 1. August 1972 zwangseingemeindet wurde.

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»Man hat uns damals unser Wichtigstes weggenommen, nämlich unser Selbstbewusstsein«, sagt Biedenkapps Tochter Ute Veit. Als eine »sehr emotionale Geschichte« habe sie die Vorgänge damals miterlebt. Eine stolze Gemeinde sei Rodheim gewesen – mit eigenem Schwimmbad, einem Musterkindergarten (heute »Kita Regenbogen«) und dem gerade erst eingeweihten Bürgerhaus. Dazu noch das Vorzeigeobjekt Erich-Kästner-Schule, das Schüler aus Petterweil und Burgholzhausen anzog. »Das alles gehörte plötzlich nicht mehr den Rodheimern, sondern der Stadt Rosbach.« Das habe dem Selbstbewusstsein stark zugesetzt. »Seit hunderten von Jahren gab es zwischen Rosbach und Rodheim Animositäten – und dann wurden wir plötzlich dort eingemeindet.«

Historiker Karsten Brunk sieht das weniger dramatisch: »Das spröde Verhältnis zwischen den Ortschaften ist teilweise richtig kultiviert worden«, sagt er. In seiner zahlreichen Verwandtschaft aus Ober- und Nieder-Rosbach sieht er den Beweis eines guten Miteinanders. Allerdings muss auch er zugeben, dass die Verbindungsstraße zwischen Rosbach und Rodheim nicht immer verbindend gewesen ist. Sie sei zwar nur etwa vier Kilometer lang, aber in den Köpfen einiger Leute um ein Vielfaches länger.

»Wunden noch nicht ganz verheilt«



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