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Im Himmel in der ersten Reihe

Artikel vom 17.08.2010 - 10.09 Uhr

Im Himmel in der ersten Reihe

Rosbach v. d. H. »Robert hatte viele Pläne - und hat uns in seinem Leben viele unvergessliche Momente geschenkt«, sagte Henrik Schnabel, Leiter des Projektchors in der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael. Zusammen mit 20 weiteren Sängern und Instrumentalisten hatte er für Sonntag zu einem Gedenkgottesdienst für den blinden Musiker, Liedermacher und Entertainer Robert Lütteke eingeladen.
Robert Lütteke 2007 beim Benefiz-Konzert für die Kirchenrenovierung.
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Robert Lütteke 2007 beim Benefiz-Konzert für die Kirchenrenovierung.
Lütteke war vor einem Jahr im Alter von nur 25 Jahren seiner Herzerkrankung erlegen und hinterlässt seitdem in der kirchenmusikalischen Arbeit der Gemeinde eine schmerzliche Lücke. »Sein ideenreiches, fröhliches und ungezwungenes Klavier- und Orgelspiel wird uns fehlen«, betonte der Chorleiter. Daher habe er bewusst darauf verzichtet, einen Organisten oder Pianisten mit einzubeziehen. »Roberts Platz kann einfach nicht wieder besetzt werden.«

Nur Gitarre, Bass und Schlagzeug begleiteten den Chor, der sowohl mit nachdenklicher Musik als auch mit frischen Liedern wie zum Beispiel dem Gospel »Good news« (Gute Neuigkeiten) Erinnerungen weckte. In seiner unbekümmerten Art hatte sich Lütteke zahlreiche Lieder und Geschichten einfallen lassen, in denen er nicht nur seine Umgebung, sondern auch sich selbst und seine körperlichen Handicaps aufs Korn nahm. Dabei beeindruckte er durch ein grenzenloses Gottvertrauen, das ihm immer wieder Halt und Zuversicht gab. Feinfühlig und frech zugleich zögerte er nie, im entscheidenden Moment eigene Kontrapunkte zu setzten. »Ich erinnere mich noch an eine Hochzeit, wo Robert nach dem Jawort des Bräutigams mit einem kräftigen Schlag auf seine Basstrommel die Kirche erbeben ließ«, schmunzelte Schnabel. Ungewöhnlich, spontan, virtuos und stets beseelt von neuen Ideen habe man ihn gekannt.

Der Platz am Klavier bleibt diesmal leer. 	(Foto: sky/Archivfoto: sky)
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Der Platz am Klavier bleibt diesmal leer. (Foto: sky/Archivfoto: sky)
Für Ferdinand Hallwirth, Organist und ehemaliger Chorleiter bei St. Michael, war es ein besonderes Anliegen, seinem viel zu jung verstorbenen Freund ebenfalls einige Worte zu widmen. Er habe ihn bereits als kleinen Bub gekannt, sagte der 75-Jährige. »Da kam er an der Hand seines Vaters zu mir nach Hause, als ich gerade am elektrischen Klavier spielte«, erinnerte sich Hallwirth. Schon nach wenigen Sekunden habe er seinen Papa am Ärmel gezupft und gesagt: »Hör doch mal, der Orgel-Motor läuft im Kammerton A.« Alles, was mit Tönen zu tun hatte, sei für das junge Talent von Interesse gewesen. »Das klassische Kirchenorgelspiel mit seinen vier Tönen war ihm viel zu wenig farbig.« Einige Kirchenbesucher erinnerten sich noch an Zeiten, als im Orgelvorspiel Elemente aus Liedern wie »Alle meine Entchen« oder »Insel mit zwei Bergen« zu entdecken waren - liebevoll verpackt in hingebungsvolle Orgeltöne. Stets von sprudelnden Gedanken umgeben, dabei gleichzeitig daran arbeitend, mit den körperlichen Einschränkungen umgehen zu können, so habe man ihn gekannt. »Als ich ihn zum letzten Mal im Krankenhaus besuchte, sagte er mir: ›Wenn ich einmal im Himmel bin, dann möchte ich dort oben in der ersten Reihe sitzen‹«, so Hallwirth. Für ihn, der erst vor wenigen Tagen Ehefrau Susanne zu Grabe tragen musste, und in seiner bewegenden Rede auch an den frühen Tod seiner Tochter Annegret vor rund 20 Jahren erinnerte, war es ein Grund zu überlegen, ob dieser Wunsch für alle drei gelten möge.

Hallwirth war während des Gedenkgottesdienstes der Einzige, der bei der Kommunion zum Klavier ging und mit eindrucksvollen Variationen Erinnerungen an die Zeit weckte, als Lütteke noch auf dem Klavierhocker oder an der Orgelbank gesessen hatte. »Wir hatten noch so viel zusammen vor, aber es sollte leider alles ganz anders kommen.« Edelgard Halaczinsky

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Artikel vom 17.08.2010 - 10.09 Uhr
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