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»Diese drei Stunden gehören ganz allein mir«

Artikel vom 02.09.2010 - 16.00 Uhr

»Diese drei Stunden gehören ganz allein mir«

Rosbach-Rodheim v. d. H. (sky). Seit Anfang des Jahres gibt es in der Kita Alte Schule einmal im Monat ein offenes Treffen Alleinerziehender, organisiert vom Magistrat der Stadt in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Dekanat.
Romy Nickel (l.) und Hildegard Rölling-Henschel helfen Alleinerziehenden weiter, wenn der Alltagsstress zu groß wird. 	(Foto: sk
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Romy Nickel (l.) und Hildegard Rölling-Henschel helfen Alleinerziehenden weiter, wenn der Alltagsstress zu groß wird. (Foto: sky)
Mütter oder Väter, die durch Tod oder Trennung ihres Partners den Familienalltag allein bewältigen müssen, haben hier die Gelegenheit zum Gedankenaustausch – oder einfach zum Durchatmen, um hinterher wieder stark zu sein für alle Anforderungen. Meist sind es Frauen, die zum Austauschforum kommen.

»Es ist eine Zeit zum Stressabbau, zum Klönen und zum Seele baumeln lassen«, sagt Kita-Leiterin Hildegard Rölling-Henschel, die zusammen mit Peter Nickel vom Dekanat die Organisation übernommen hat. Während die Erwachsenen sich in Gespräche vertiefen oder Vorträgen lauschen, kümmern sich Ehrenamtliche sowohl um ein attraktives Spiel- und Betreuungsprogramm für die Kinder als auch um eine Mittagsmahlzeit. »Das ist für mich ein Luxus, den ich in vollen Zügen genieße«, sagt Miriam S., alleinerziehende Mutter dreier Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren. Sie ist seit ihrer Scheidung auf sich allein gestellt und hat nun neben einer gerade begonnenen Berufsausbildung auch noch die alleinige Verantwortung für ihren Nachwuchs.

Gerne würde sie es sehen, dass auch der Vater stärker in die Pflicht genommen werde, um sie zu entlasten. »Ich finde es ungerecht, dass immer nur die Mütter herangezogen werden«, beklagt sie sich. Einmal habe sie an einem Elternabend in der Schule wegen Terminüberschneidungen nicht anwesend sein können. »Da hat niemand nach meinen geschiedenen Mann gefragt«, ärgert sie sich. Stattdessen sei die ältere Tochter sogar noch nach dem Grund gefragt worden, warum ihre Mutter nicht gekommen sei.

Romy Nickel vom Fachbereich Jugend, Familie und Soziales beim Wetteraukreis kennt diese Nöte. »Hier kommen nicht nur die Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags zum Vorschein, sondern auch ein gutes Maß an Enttäuschung und Frust, den der anwesende Elternteil aushalten muss.« Aber auch Kinder bräuchten Hilfe, um nach der Trennung der Eltern den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt bewältigen zu können. Sowohl das Dekanat als auch die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern beim Wetteraukreis bieten Betroffenen in solchen Fällen organisatorische Hilfe und wertvolle Tipps an. Präventions- und Gruppenangebote, Kurse und Diagnostik in den Bereichen Pädagogik und Psychologie sollen helfen, Probleme zu erkennen und Lösungsstrategien zu entwickeln. »Unser Angebot ist kostenfrei, und jedes Gespräch wird vertraulich behandelt«, betont Nickel.

Kindern wie Eltern stünden in der Beratungsstelle kompetente Ansprechpartner zur Verfügung, die ihnen für die Konfliktbewältigung neue Denkanstöße geben könnten. Wer jedoch nicht gleich zur Beratungsstelle gehen, aber trotzdem Rat und Hilfe sucht möchte, ist in der Kita gut aufgehoben. »Es tut schon gut, wenn man einfach über seine Probleme reden darf und merkt, dass man nicht allein damit ist«, sagt Lena K., die zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn schon länger an den regelmäßigen Treffen teilnimmt. In einem sind sich alle Frauen in der Runde einig: »Die drei Stunden hier sind für mich ungeheuer wertvoll, denn sie gehören ganz allein mir. Ich muss weder kochen noch auf meine Kinder aufpassen«, fasst Julia S. zusammen.



Das nächste Treffen in der Kita Alte Schule steht am Samstag, 18. September, von 11 bis 14 Uhr an. Infos gibt es bei Peter Nickel (Tel. 0 60 31/1 61 54 13, E-Mail peter. nickel.dek.wetterau@ekhn-net.de) oder Hildegard Rölling-Henschel (Tel. 0 60 07/93 96 56, E-Mail kita alteschule@rosbach-hessen.de). Die Erziehungsberatungsstelle des Wetteraukreises ist erreichbar unter der Telefonnummer 0 60 31/83 32 41.

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Artikel vom 02.09.2010 - 16.00 Uhr
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