Die Finanzen der Stadt Rosbach verständlich gemacht
Rosbach v. d. H.
(sky). Spannend für geübte Zahlenakrobaten kann die Vorlage eines kommunalen Haushalts sein, für manch einen anderen steht aber auch ein kiloschwerer Aktenordner dahinter, an den man sich am liebsten gar nicht erst herantraut.
Rund 30 Zuhörer hören interessiert zu, als Bürgermeister Detlef Brechtel, Sigrid Egerer und Manfred Christ den Doppelhaushalt 2012/2013 erläutern. (Fotos: sky)
In Rosbach gibt es nun sogar einen Doppelhaushalt für die Jahre 2012 und 2013 – also noch mehr Zahlen und Berechnungen, und noch mehr Anforderungen an die Konzentration des Lesers. Um den Bürgern der Stadt die aktuellen Aspekte der städtischen Haushaltsführung näherzubringen, hatte Bürgermeister Detlef Brechtel für Montagabend zu einem »Bürgerforum« in die Nieder-Rosbacher Wasserburg eingeladen. Hauptamtsleiter Manfred Christ und Sigrid Egerer von der Finanzverwaltung zeigten dabei die Eckdaten der Finanzsituation der Stadt von 2008 bis 2015 auf. Im Mittelpunkt standen die Zahlen für das Haushaltsjahr 2012.
Die Resonanz bei den etwa 30 Zuhörern – von ihnen etwa zwei Drittel Kommunalpolitiker – war durchweg positiv. »Endlich bekommen wir die Zahlen einmal verständlich herübergebracht«, freute sich ein Kommunalpolitiker. Für Kassenwartin Eva Roskosch traf diese Feststellung ins Schwarze: »Menschen haben ein fotografisches Gedächtnis, da sagt eine Grafik mehr als Tausend Worte.« Und Erster Stadtrat Heinz Sill kommentierte am Ende: »Ich habe selten miterlebt, dass die Vorstellung des Haushalts über zwei Stunden hinweg mit ungebrochener Aufmerksamkeit verfolgt wurde.«
Bürgermeister Detlef Brechtel hatte nicht mit »einer Massenbewegung« gerechnet, schließlich hatten in der Vergangenheit nur wenige Bürger von ihrem Recht Gebrauch gemacht, sich im Rathaus das Ergebnis der Haushaltsbeschlüsse anzusehen. Ein paar Zuhörer mehr hätten es aber sein können. »Unser Ziel ist es, eine engere Verbindung zu den Bürgern herzustellen und sie zu motivieren, Vorschläge einzubringen.«
Sorgfältig und klar gegliedert hatten Egerer und Christ die Daten auf diversen Folien zusammengefasst. »Was kommt rein, und was geht raus?« lautete die erste Frage, die beantwortet wurde. Auf rund 44,37 Millionen Euro schätzte man die Einnahmen für die kommenden beiden Jahre – bei Ausgaben von 47,83 Millionen. »Damit verbrauchen wir in den kommenden zwei Jahren 3,46 Millionen Euro mehr, als wir erwirtschaften«, stellte Christ unmissverständlich fest.
»Lage angespannt aber nicht desolat«
Die Ursache liege unter anderem in den hohen Investitionen für die vier Großprojekte. Nun sei Konsolidierung angesagt, denn man könne das »Ausgabenkarussell nicht ungebremst fortführen«, so Brechtel. Die Haushaltslage der Stadt sei angespannt, allerdings nicht desolat. Als »Hauptbatzen« bei den laufenden Kosten bezeichnete er die Kinderbetreuung. Allein im kommenden Jahr werden hierhin rund 4,4 Millionen Euro an Personalkosten fließen. 810 Plätze hält die Stadt in acht Einrichtungen bereit. »Jeder Betreuungsplatz wird mit 3926 Euro aus Steuern bezuschusst.« Trotz der bevorstehenden Mittelkürzung seitens des Kreises soll es hier keine Minderung im Angebot geben.