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Weiss in Lindenstruth: Krise ohne Entlassungen überstanden

Artikel vom 28.08.2010 - 11.00 Uhr

Weiss in Lindenstruth: Krise ohne Entlassungen überstanden

Reiskirchen (msr). Seit über 50 Jahren ist die Firma Weiss in Lindenstruth spezialisiert auf Materialprüfungen unter extremen Bedingungen. Karlheinz Stühler vom Reiskirchenern SPD-Vorstand, ein langjähriger Mitarbeiter des Unternehmens, hatte den Kontakt zur Geschäftsleitung vermittelt und einen Besuchstermin für die Sozialdemokraten gebucht.
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Mandatsträger der Reiskirchener SPD informierten sich bei Jens Schulze (3. von links) und Dr. Arno Roth (6. von links) vor Ort über die Firma Weiss in Lindenstruth. (Foto: msr)
An der Betriebsbesichtigung nahmen vorwiegend Mandatsträger teil. Auch Bürgermeister Holger Sehrt hatte sich der Gruppe angeschlossen; er wies ausdrücklich auf die Bedeutung der Firma als Arbeitgeber und Steuerzahler für die Gemeinde hin. Jens Schulze, Produktionsleiter der Umwelttechnik, führte durch die Werkshallen und erläuterte die Struktur des Unternehmens, das aus drei Betrieben besteht.

Die Mitarbeiter der Wärmetechnik (im Werksjargon »Pizzabäcker« genannt) bedienen Kunden unter anderem aus der Lack- und Pharma-Branche. Die Klimatechnik fertigt Klimaanlagen zum Beispiel für Krankenhäuser, aber auch für den militärischen Bedarf, etwa zur Klimatisierung von Zelten in heißen Regionen (die Bundeswehr ist ein bedeutender Kunde). Die dritte Sparte »Umwelttechnik« hat als Kundenkreis vor allem die Autoindustrie und ihre Zulieferer.

Ob Regenwald oder Arktis, in den Weiss’schen Simulationsanlagen lassen sich alle globalen Witterungsbedingungen simulieren. So kann zum Beispiel ein Korrosionsschutz auf seine Zuverlässigkeit in feucht-heißen Regionen überprüft werden. Allein am Standort Lindenstruth sind 850 Mitarbeiter beschäftigt, rund 150 im Kundenservice. Etwa ein Drittel sind Ingenieure und Techniker. Jedes Jahr werden 20 Auszubildende aufgenommen; zur Ausbildung gehört auch die Nachschulung bzw. Auffrischung von Basisfertigkeiten wie Mathematik, für die eigens eine Teilzeitkraft eingestellt ist. Eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat sieht vor, dass jährlich zehn Auszubildende übernommen werden.

Die Firma Weiss hat die globale Wirtschaftskrise ohne Entlassungen überstanden und kann sich derzeit über volle Auftragsbücher freuen, was auch den expandierenden Märkten in Indien und China zu verdanken ist. Die Kehrseite des aktuellen Aufschwungs, so Produktionsleiter Jens Schulze, sind Nachschubprobleme, Lieferschwierigkeiten und Mangel an qualifiziertem Personal. Nach dem Rundgang wurden die Kommunalpolitiker im Konferenzraum von Geschäftsführer Dr. Arno Roth begrüßt. Er sparte nicht mit Lob für die Belegschaft des »organisch gewachsenen Unternehmens« und sprach von »Super-Mitarbeitern aus der Region«, die hochmotiviert bei der Sache seien und auch selbstständig Lösungen erarbeiteten. Dr. Roth ging auch auf die guten Geschäfte in Asien ein, warnte aber davor, sich langfristig auf diesen Trend zu verlassen. Wünschenswert für die Zukunft von Weiss sei eine Präsenz im süd- und nordamerikanischen Raum, vor allem wegen der dort sehr bedeutenden Automobilindustrie.

Nach den Wünschen der Firma an die Adresse der Gemeinde erkundigte sich Bauausschussvorsitzender Reinhard Strack-Schmalor. Der Geschäftsführer wies auf drei Missstände hin: Die Zufahrt über Winnerod (holprige und schmale Kreisstraße) sei für ein weltweit operierendes Unternehmen und seine Kunden und Gäste unangemessen. Christa Launspach, Mitglied des Kreistags, wird das Problem an die Landrätin weiterleiten. Außerdem sollten an der B 49 klar erkennbare Hinweisschilder zum Firmensitz angebracht werden; auch hier kann die Gemeinde nur unterstützen, da die Beschilderung an Bundesstraßen nicht in ihrer Kompetenz liegt. Dies gilt auch für das dritte Problem: Wo können Kunden oder Gäste der Firma übernachten? Ideal wäre ein Hotel am Golfplatz Winnerod, aber auch hier ist nicht die Gemeinde, sondern ein Investor gefragt.

SPD-Fraktionschef Hans Joachim Hofmann brachte die Gründung eines Gewerbevereins ins Gespräch, in dem auch die Firma Weiss mit ihren Interessen ein wichtiger Partner wäre. Manfred Schmitt, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, dankte abschließend für die informativen Einblicke in das Unternehmen.

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Artikel vom 28.08.2010 - 11.00 Uhr
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