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17.09.2009 - 23.30 Uhr
Fünf Jahre und elf Monate für Handel mit Drogen
Gießen/Reiskirchen (ti). Er hatte den Kontakt zum Boss hergestellt, machte für seine beiden Bekannten den Einstieg ins Drogengeschäft erst möglich. Als ein Bandenmitglied festgenommen wurde, machte er weiter, orderte Stoff und verkaufte diesen, obwohl die Gruppe zerbrochen war. Wegen illegalen Handels mit Betäubungsmitteln, teilweise als Mitglied eines gut organisierten Systems, sowie Beihilfe dazu und Drogenerwerbs wurde der Gießener Sascha B. gestern zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und elf Monaten verurteilt. Außerdem ordnete die Siebte Große Strafkammer des Gießener Landgerichtes seine Unterbringung in eine Entziehungsanstalt an.
Die Kammer sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte zwischen Mitte 2006 und Anfang 2009 mit den Drogengeschäften, die er hauptsächlich in Reiskirchen betrieb, seinen eigenen Konsum sowie den Lebensunterhalt finanziert hatte. Vierstellig Summen sollen durch das kriminelle »Unternehmen« monatlich in die Haushaltskasse geflossen sein.
Dafür galt es natürlich, einiges an Stoff unter die Leute zu bringen: knapp zwölf Kilogramm Amphetamin, fast sechs Kilogramm Haschisch und rund 4000 Ecstasy-Tabletten.
Dass es sich dabei nicht um die ganze Geschichte handelt, davon war der Vorsitzende Richter Hermann Josef Schmidt überzeugt: »Wir kriegen immer nur Teile der Wahrheit auf den Tisch«, sagte er in der Urteilsbegründung und erklärte: »Das muss ein Gericht akzeptieren.«
Dennoch handele es sich bei den aufgrund seines Teilgeständnisses erwiesenen 32 Taten um eine »große Zahl, alles kleine Hämmer«, so Schmidt. Und das vor dem Hintergrund der Gefährlichkeit dieser Drogen, mit denen der 28-Jährige »viele, viele Abnehmer versorgt« hatte, wie es Staatsanwältin Daniela Zahrt in ihrem Plädoyer formulierte. Dabei habe er doch am eigenen Leib erfahren, »dass Drogen ein Leben kaputt machen können«.
Bereits als 15-Jähriger hatte der Gießener erstmals zu Drogen gegriffen, nach Trennung der Eltern und Umzug nach Grünberg sei er an die falschen Leute geraten. Hasch, Speed, LSD, Ecstasy - es gibt wenig, was der 28-Jährige nicht ausprobiert hat. Als »Koks-Tester« für den Drogenboss prüfte er schließlich sogar die Qualität des eingekauften Stoffes.
Von Jahr zu Jahr sei es schlimmer geworden, bis die Situation im Jahr 2008 eskalierte, er selbst die Notbremse zog und sich in die Psychiatrie einwies. Für die Zukunft wünscht sich der zweifache Vater, nach einer Therapie sein Abitur zu machen und zu studieren. »Ich will nie wieder in die Situation kommen, in der ich jetzt stecke, und das kann ich nicht alleine. Ich will so nicht mehr. Ich kann nicht mehr.«