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»Wollte mit Dealen meine Sucht finanzieren«

Artikel vom 07.08.2010 - 13.00 Uhr

»Wollte mit Dealen meine Sucht finanzieren«

Reichelsheim/Gießen (srs). Ein 29-jähriger Mann aus Reichelsheim muss wegen Drogenhandels ins Gefängnis. Die Siebte Große Strafkammer des Landgerichts Gießen verurteilte ihn gestern zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Der Angeklagte hatte von Anfang 2004 an bis Januar 2009 Amphetamine, Haschisch und Ecstasy-Tabletten zum Teil kiloweise gekauft und an Abhängige weiterverkauft.
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Seine Motive: um die eigene Sucht zu finanzieren und um Geld zu verdienen, wie er in einem umfassenden Geständnis einräumte. Mehrere Deals waren auch in seiner Wohnung in Reichelsheim über die Bühne gegangen.

Drei Kilo Hasch und 500 Tabletten verkauft

Angemessen sei die Strafe, betonte der Vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter in seiner Urteilsbegründung. Das Geständnis sei zwar durchaus zugunsten des Angeklagten zu werten. Auch bei seiner Verhaftung im Januar 2009 habe dieser sich kooperativ gegenüber der Polizei gezeigt. Doch der Handel mit Drogen »in solch erheblichen Mengen ist kein Pappenstiel«. Staatsanwältin Dr. Carina Heublein hatte zuvor in ihrem Plädoyer auf das Leid hingewiesen, das der Verkauf von Drogen verursache. »Da gehört Abgebrühtheit dazu.« Mit über drei Kilogramm Haschisch, einem Kilo Amphetaminen und 500 Ecstasy-Tabletten hatte der Reichelsheimer gehandelt.

Der Angeklagte berichtete gestern, bereits im Alter von elf Jahren sei er mit Drogen in Berührung gekommen. Zunächst habe er Amphetamine konsumiert, bald darauf Haschisch. Zur Tatzeit »habe ich jeden Tag 2 bis 5 Gramm Haschisch genommen. Das ist viel. Und Amphetamine in gleicher Menge«. Ab und zu habe er auch Kokain genommen. Seine Drogensucht habe er seit der Entlassung aus der Untersuchungshaft bewältigt. Ansporn dafür sei zum einen die Familie, die derzeit auf ihn angewiesen sei. »Und ich habe eine hübsche Freundin.«

Am 19. Januar 2009 hatte die Polizei in einer Razzia einen insbesondere im Raum Reiskirchen und Großen-Buseck aktiven Drogenring zerschlagen und dabei auch den Reichelsheimer in dessen Wohnung festgenommen. Der 29-Jährige war allerdings, wie heute feststeht, kein zentrales Mitglied der Bande, sondern ein größerer Abnehmer. Dies bestätigten gestern als Zeugen sowohl ein Polizeikommissar sowie einer der Köpfe des Drogenrings, ein bereits verurteilter 35-jähriger Mann aus Linden. Der Drahtzieher der Bande war Ende letzten Jahres zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden; das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, liegt dem Bundesgerichtshof zur Überprüfung vor.

Angeklagt wegen Handels in 135 Fällen

Die Strafkammer des Gießener Landgerichts verurteilte den Reichelsheimer wegen Drogenhandels in 23 Fällen. Ursprünglich war er in 135 Fällen angeklagt. Das Gericht stellte jedoch - auf Antrag der Staatsanwaltschaft - einen Großteil der Anklagepunkte ein, die den 29-Jährigen wegen Verkäufen von Haschisch und Amphetaminen in geringeren Mengen belangt hatten. Diese Taten seien im Hinblick auf das Strafmaß zu vernachlässigen, da sie im Vergleich zu den 23 größeren Deals nicht so schwer ins Gewicht fielen. Auch den Anklagepunkt des unerlaubten Waffenbesitzes ließ die Kammer fallen. Die Polizei hatte im Schlafzimmer des Reichelsheimers zwei Wurfsterne sichergestellt. Dabei handelte es sich jedoch offenbar um Sterne aus Blech, die als Waffen nicht zu gebrauchen sind.

Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an.

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Artikel vom 07.08.2010 - 13.00 Uhr
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