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Schildbürgerstreich am Reichelsheimer Bahnhof?

Artikel vom 21.08.2010 - 09.00 Uhr

Schildbürgerstreich am Reichelsheimer Bahnhof?

Reichelsheim (kai). Bagger brummen. Arbeiter hämmern, schleifen, pflastern. Die Handwerker sind dabei, den Reichelsheimer Haltepunkt umzubauen. Der Mittelbahnsteig kann ab Mitte September genutzt werden. Völlig anders als bisher gelangen dann die Bahnfahrer zum Bahnsteig: Lediglich zwei Zugänge, die jeweils auch nur von einer Seite der Gleise aus erreichbar sind, hat die Bahn gebaut.
Bis Mitte September wird der Reichelsheimer Haltepunkt an der Strecke Friedberg-Nidda mit einem Mittelbahnsteig ausgestattet. Zu
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Bis Mitte September wird der Reichelsheimer Haltepunkt an der Strecke Friedberg-Nidda mit einem Mittelbahnsteig ausgestattet. Zum Ärger der Pendler gibt’s nur zwei Aufgänge, die weit voneinander entfernt liegen und nur zu einer Seite zum Ort hin begehbar sind. Hier ist der Aufgang an der Ladestraße zu sehen, der zu der Straße und den Pendlerparkplätzen hin noch keinen befestigten Weg hat.
»Das sind ja ganz schön lange Wege, die die Pendler zurücklegen müssen«, sagt Bürgermeister Bertin Bischofsberger bei einer Baustellenbesichtigung mit der WZ-Mitarbeiterin. Überrascht ist er, dass Kopf- und Fußende des Bahnsteigs nur aus einer Richtung zugänglich sind. »Das hat vermutlich Kostengründe«, spekuliert er.

Die Pendler sind verwundert und verärgert über die längeren Wege – und nicht nur sie, auch die Bewohner des Neubaugebiets »Auf der Oberbeunde«. Das Wort »Schildbürgerstreich« macht die Runde. Die Fußwege zum Bahnhof sind alle auf die Mitte ausgerichtet. Die meisten Park-and-Ride-Plätze, die Fahrradständer sind am Ende der Bahnstraße, die neuen Aufgänge liegen fast auf Höhe der Kleiststraße und weit vorn an der Ladestraße.

Abkürzungen von Zaun versperrt

Seit Jahren suchen sich die Bahnfahrer verbotene Abkürzung über die Gleise, um von Norden aus (Neubaugebiete Eichenstraße, Ringstraße, Oberbeunde) zum Haltepunkt zu gelangen. Das wird im September ein Ende haben, denn die Bahn wird entlang der Gleise einen Zaun errichten. Die von der Stadt gebauten Wege unterstützen das Ziel der Abkürzenden: Als die Oberbeunde vor wenigen Jahren entwickelt wurde, entstand ein geteerter Weg entlang der Bahnlinie, von der Eichenstraße rüber zu den Gleisen führt ein Weg, der etwa 100 Meter vor den Gleisen endet, geschottert aber bis zum Gleisbett führte. »Das Überschreiten der Gleise ist verboten«, sagt Bischofsberger. Verstehen kann er die Pendler aber, dass sie die Wege abkürzen. Um regelkonform zum Bahnhof zu gelangen, müssten sie aus dem Gebiet Eichenstraße weite Wege über die Bad Nauheimer Straße und Ladestraße gehen, aus der Oberbeunde Richtung Kleiststraße, dann zur Bingenheimer Straße und über die Bahnstraße zum Haltepunkt. Den Weg geht allerdings kaum jemand, das Fußgängerverbotsschild entlang der Gleise wird ignoriert und der kürzere Weg gewählt.

Bahn begründet mit »Sicherheit«

Die Stadt hat vor etwa zwei Jahren ihr Vorhaben begraben, eine Brücke über die Bahngleise zu bauen, damit die Neubaugebiete und der alte Ortskern, in dem Banken, Apotheke, Drogerie, Metzger und Gaststätten beheimatet sind, besser zu verknüpfen. »Die Baukosten dafür waren viel zu hoch«, sagt Bischofsberger. »Wenn das ehemalige Raiffeisengelände entwickelt wird, macht es vielleicht Sinn, diese Idee wieder aufzugreifen.« Verständnis zeigt Bischofsberger für die Bahn, dass sie die neuen Mittelbahnsteige lediglich von den Enden aus zugänglich macht. Überrascht ist er, dass der Weg an der Ladestraße im Schotter endet. »Hier werden wir vermutlich einen Parkplatz wegnehmen müssen, um einen Zugang zu den städtischen Wegen zu schaffen«, kündigt er an. Denn für Rollstuhlfahrer ist der Weg zum Bahnsteig von den Pendlerparkplätzen noch nicht zu befahren. »Ein Aufstieg in der Mitte ist wohl technisch nicht machbar gewesen«, vermutet Bischofsberger. Die Bahn habe kein Interesse daran, dass der Bahnsteig als Weg vom einen Wohngebiet ins andere genutzt werde, dies sei verboten, erklärt er.

»Die Stadt war in die Planfeststellung einbezogen, sie kennt die Pläne«, sagt ein Bahnsprecher. Aus Sicherheitsgründen, damit niemand bei haltendem Zug über die Gleise gehen kann, gibt es nur Zugänge am Kopf- bzw. Fußende des Bahnsteigs. Dies ist auch der Grund für die Länge des Bahnsteigs: »Dort, wo die Zugänge sind, darf kein Zug stehen.« Ein Wetterschutz auf dem Mittelbahnsteig wird es für Pendler nicht geben, gesteht der Sprecher ein. Dafür sei der Bahnsteig zu schmal, der Wetterschutz werde auf der Seite zum alten Ortskern hin errichtet.

»Für die Pendler ist der neue Bahnsteig keine Erleichterung, für sie wird das eine große Umstellung«, sagt Bischofsberger. Sie müssten sich nun auf weitere Fußwege einstellen. »Da wird es neue Gewohnheiten geben«, zeigt er sich optimistisch. »Keiner konnte sich vorstellen, dass der neue Mittelbahnsteig so lang wird.« Für Reichelsheim sei es ein Nachteil, dass die Gleise den Ort in zwei Teile trennen. Bischofsberger hofft, dass der anstehende Umbau des Haltepunkts in Weckesheim schnell realisiert wird. »Die Vorverträge sind bereits gemacht.« Wie sich dort die Fußgängerströme verändern werden bleibt abzuwarten.

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Artikel vom 21.08.2010 - 09.00 Uhr
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