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Beim »RomanTisch« in Reichelsheim regnet es Kohle

Artikel vom 03.12.2011 - 12.15 Uhr

Beim »RomanTisch« in Reichelsheim regnet es Kohle

Reichelsheim-Heuchelheim (arc). Kohle klauen, Kohle machen und Kohle abbauen – das und das Drumherum standen auf dem Programm der letzten »RomanTisch«-Veranstaltung in diesem Jahr.

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Horst Nungesser erzählt kernig mit seinen Bergmanns-Utensilien aus seiner Zeit unter Tage. (Fotos: arc)
Der Frauenkreis »mittendrin« hatte nach Heuchelheim in die ehemalige Bergwerksgaststätte Lemp geladen. Abweichend vom üblichen Schema der Veranstaltungsreihe handelte es sich dieses Mal nicht um eine reine Lesung, sondern eher um einen Erzählabend zum Thema Kohleabbau.

Eingeladen zum Erzählabend waren der ehemalige Bergmann Horst Nungesser und Christa Wagner, die zwar heute in Bingenheim lebt, jedoch im Ruhrgebiet, im Kohlenpott aufgewachsen ist. Yakar Güzoglu, der auf besondere Weise in den Wetterauer Gruben »Kohle machte«, war ebenfalls dabei.

Christa Wagner erzählte von ihrer Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet sowie der harten und gefährlichen Arbeit der Bergleute. »Bei den Grubenunglücken blieb fast keine Familie verschont«, erzählte sie, »in fast jedem Haus der Bergmannssiedlung war der Tod eines lieben Menschen zu beklagen.« Doch auch im Alltag war die Arbeit unter Tage gefährlich. So war ihr Großvater von einer unbeleuchteten Grubenbahn erfasst und fast 20 Meter mitgeschleift worden. Er überlebte knapp – da sein Bein jedoch gelähmt blieb, konnte er nicht mehr als Bergmann arbeiten. Er wurde Sanitäter im Stollen.

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Christa Wagner trägt Anekdoten aus ihrer Kindheit und Jugend im Ruhrpott vor.
Viele Bergleute waren im 19. Jahrhundert aus Polen ins Ruhrgebiet gekommen, weil die gefährliche Arbeit ein gutes Einkommen und einen besseren Lebensstandard versprach. Schnell fanden die »Ruhrpolen« eine neue Heimat. Von der großen Zahl der Einwanderer zeugen noch heute die im Kohlenpott häufigen Namen polnischen Ursprungs, die auf «-ki« enden, wie etwa »Schimanski«. Aus ihrer Kindheit gab Wagner kleine Anekdoten zum Besten, wie jene vom Kohleklau an der Bahnlinie. Die Aufgabe der Mädchen sei es gewesen, Holzlatten auf die Gleise zu legen, sich am Bahndamm zu verstecken und auf den nächsten Kohlezug zu warten. Wenn der über die Latten rumpelte, regnete es Kohle auf die Mädchen herab. Sie hatten 20 Minuten Zeit, die Brocken aufzusammeln und sich wieder zu verstecken, bis der nächste Zug anrollte. Die kräftigen Jungs trugen abends im Dunkeln die »Beute« in Eimern nach Hause.

Auch die Geschichte der Kohle, ihre Entstehung und die damit verbundene Geschichte des Ruhrgebietes vermittelte Christa Wagner den Gästen. Zwischendurch gab’s »Bergmannskuchen«, einen »Stollen« und echten Muckefuck-Kaffee.



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Artikel vom 03.12.2011 - 12.15 Uhr
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